Nollé, Johannes

Johannes Nollé (*1953 in Aachen) studierte Geschichte, Germanistik, Pädagogik und Politikwissenschaft an der RWTH Aachen und Klassische Philologie, Alte Geschichte und Archäologie an der Universität Köln. 1981 wurde er mit der Dissertation „Nundinas instituere et habere. Epigraphische Zeugnisse zur Einrichtung und Gestaltung von ländlichen Märkten in Afrika und in der Asia“ in Köln promoviert.

Bereits in dieser Zeit beschäftigte er sich mit den Grundwissenschaften der Alten Geschichte: Numismatik, Epigraphik und Papyrologie. In dieser Zeit hat Wolfram Weiser seine Liebe für  die Numismatik geweckt. Er arbeitete von 1979 bis 1982 bei dem von Reinhold Merkelbach initiierten Großprojekt „Inschriften griechischer Städte aus Kleinasien“, an der Sammlung der Inschriften von Ephesos mit. Außerdem wurde er Leiter der bedeutenden Papyrussammlung der Universität Köln. Die Habilitation erfolgte 1991. An der Ludwig Maximilians-Universität München wurde er Professor für Alte Geschichte und deren Grundwissenschaften.

Von 1985 bis 2019 war Johannes Nollé Wissenschaftlicher Referent an der Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik des Deutschen Archäologischen Instituts in München. Er hat durch sein Vorbild und seine freundschaftliche Hilfestellung zahlreiche junge und heute nicht mehr ganz so junge NumismatikerInnen inspiriert. In dieser Zeit hat er die Dissertationen von Numismatikern wie Bernhard Weisser und Florian Haymann betreut.

Johannes Nollé gehört zu den produktivsten Numismatikern unserer Zeit. Mit seinen ausgezeichneten historischen Kenntnissen, seinem flüssigen Griechisch sowie Latein, nicht zu vergessen seiner Expertise im Bereich Münzen und Inschriften ist er geradezu dafür prädestiniert, die Lokalgeschichte antiker Städte zu rekonstruieren. Deshalb sind seine „numismatischen“ Beiträge nie bloße Kataloge, stattdessen dienen ihm die Münzen als eine Quelle zur Erforschung der Vergangenheit, die er anderen Zeugnissen gleichrangig an die Seite stellt. Ein gutes Beispiel dafür ist seine Neubewertung der Person des Themistokles anhand von Prägungen der Stadt Magnesia, die er in mehreren Aufsätzen zusammen mit Alois Wenninger vornahm.

Nollés Spezialgebiet ist Kleinasien, mit einem Schwerpunkt auf der Region Pamphylien bzw. der Stadt Side. Über diese und andere Themen hat er als Autor und Herausgeber an zahllosen Büchern und Aufsätzen mitgewirkt; wir nennen hier als Beispiel nur „Side im Altertum. Geschichte und Zeugnisse“ (2 Bde., Bonn 1993 und 2001).

2004 begründete Johannes Nollé mit Sencer Şahin die Zeitschrift Gephyra. Auch die beim Habelt Verlag herausgegebene Reihe Nomismata geht auf seine Initiative zurück.

Besonders wichtig ist ihm, dass auch Sammler und Nicht-Akademiker seine Bücher lesen, verstehen und genießen können. Deshalb stammen zahlreiche populärhistorische Werke aus seiner Feder, z. B. „Götter, Städte, Feste. Kleinasiatische Münzen der Römischen Kaiserzeit“ (München 1994, gemeinsam mit Margret K. Nollé), „Die Abwehr der wilden Schweine. Schwarzwildjagden im antiken Lykien“ (München 2001) oder „Mit den Augen der Götter. Flugbilder des antiken und byzantinischen Griechenland“ (Mainz 2005, gemeinsam mit Hertha Schwarz und dem bekannten Luftbild-Photographen Georg Gerster).

Seine wahre Begeisterung für die Geschichte kommt zum Vorschein, wenn Johannes Nollé einen Vortrag hält. Er gilt deshalb gerade bei Sammlervereinen als einer der begehrtesten Gäste.

Johannes Nollé hat nämlich ein Herz für Sammler und lebt seine Überzeugung, dass wahre Wissenschaft nur durch eine Zusammenarbeit zwischen Sammlern, Händlern und Wissenschaftlern gelingen kann. Deshalb ist er u. a. Vorstandsmitglied der Bayrischen Numismatischen Gesellschaft und seit 2019 Scientific Consultant für das Auktionshaus Künker.

Im Jahr 2000 erhielt er den Vreneli-Preis für Klassische Numismatik in Basel. 2019 wurde ihm zu seinem 65. Geburtstag eine Festschrift gewidmet, mit der ihm Freunde aus dem In- und Ausland und aus allen Sparten der Altertumswissenschaften eine große Freude bereitet haben. Die Festschrift wurde ihm in einem Festakt in der Antikensammlung in München überreicht.

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Weitere Informationen über ihn finden Sie auf der Seite der Universität München, in seinem Wikipedia-Artikel.

Selbstverständlich können Sie Johannes Nollé auf Academia.edu folgen.