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Petition gegen die Einführung des Schatzregals in Bayern

von David Arnold

Bayern möchte aktuell als letztes Bundesland ein sogenanntes Schatzregal einführen (Drs. 18/2575). Damit sollen in Bayern, wie bereits in den anderen Bundesländern, alle Funde mit dem Auffinden – rein rechtlich – zu 100% der öffentlichen Seite gehören. Genau gesagt sollen alle Funde mit einem Wert unter 1000 € vollständig an den Freistaat fallen. Bei wertvolleren Funden soll die Entschädigung des Grundeigentümers und des Entdeckers maximal 3% des ermittelten Wertes des restaurierten Objektes, abzüglich der Kosten für eine fachgerechte Restaurierung und Konservierung, betragen. Aufgrund der zu erwarten Unkosten ist ein freiwilliger Verzicht auf eine Belohnung bei Meldung eines Fundes durch die Beteiligten sehr wahrscheinlich.

Die Frage, wie Deutschland mit Sondengängern umgehen soll, ist umstritten und entzündet sich gerade wieder an der geplanten Einführung eines Schatzregals in Bayern. Foto: Angel Villanueva via Pixabay.

Die Frage, wie Deutschland mit Sondengängern umgehen soll, ist umstritten und entzündet sich gerade wieder an der geplanten Einführung eines Schatzregals in Bayern. Foto: Angel Villanueva via Pixabay.

Weil wir Sondengänger in Bayern keinen weiteren Kulturgutverlust in Kauf nehmen möchten, sind wir für eine Überarbeitung des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes in Anlehnung an die sehr bewährten dänischen oder englischen Modelle. In diesen wie auch anderen europäischen Ländern wird die Zusammenarbeit mit Sondengängern im Gegensatz zu Bayern mit Erfolg gelebt. In Dänemark setzt man auf die praxisnahe Qualifizierung der Hobbyarchäologen auf freiwilliger Basis. Durch eine klare Definition der zu meldenden Funde erfolgt eine grobe Vorauswahl der in einer Datenbank mit einer App durch die Finder zu erfassenden Fundmeldungen. Die anschließende wissenschaftliche Voruntersuchung erfolgt durch das jeweilig nächstgelegene lokale Museum, so die bewährte Praxis. Damit wird eine gute Einbindung der Ehrenamtlichen erreicht und das lokale Bewusstsein über die gemachten Entdeckungen gefördert. Das Nationalmuseum übernimmt die weitere wissenschaftliche Bearbeitung und wählt einen Bruchteil der Funde aus, die für die Allgemeinheit auf der Basis marktüblicher Preise erworben werden.

Um die Umsetzung eines ähnlichen Ansatzes auch in Bayern zu erreichen haben wir uns stark vernetzt und Kontakt mit verschiedenen Politikern und weiteren Entscheidungsträgern aufgenommen. Neben anderen Petitionen haben wir Ende Februar als „Freunde der bürgernahen Archäologie in Bayern“ unsere Petition „Nein zum Schatzregal“ mit derzeit mehr als 1680 Unterschriften gestartet. Außerdem haben wir für die Teile des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes die geändert werden sollen u.a. eine Gegenüberstellung der aktuellen, der geplanten und unserer Wunschvorstellung der Gesetzeslage sowie eine Präsentation erstellt.

Im bisherigen Verlauf der Behandlung des Gesetzentwurfes ist es – soweit uns bekannt – zu keiner weiteren Verschärfung des Entwurfs gekommen. Durch die durch uns verteilten Informationen zur erfolgreichen Begeisterung von Kindern und Jugendlichen für die Archäologie in England und Wales, haben wir bereits einen Erfolg verbuchen können. D.h. am 19.04. wurde einem Antrag „Kinder und Jugendliche für Denkmalpflege begeistern“ Drs. 18_28416 mit großer Mehrheit im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst zugestimmt. Hier wird die Staatsregierung aufgefordert, dem Landtag bis Ende des Jahres zu berichten, wie das Thema Denkmalschutz und Denkmalpflege den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen künftig im Rahmen vorhandener Stellen und Mittel noch intensiver vermittelt werden kann. Dafür wurden bereits 400.000 € zusätzlich bereitgestellt.

Unsere Petition haben wir im Landtag eingereicht. Aktuell hat die Staatsregierung dazu Stellung zu beziehen und zu entscheiden, wie sie weiter verfahren möchte. Die zweite Lesung zum Gesetzentwurf ist für Juni geplant. Unsere Petition auf change.org bleibt weiter online. Somit ist die Unterstützung in Form von Unterschriften weiterhin möglich.

Auf lange Sicht möchten wir eine lokale Vereinsstruktur aufbauen und planen anschließend einen Bayerischen Dachverband, um unsere Interessen besser vertreten zu können.

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