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Hobbysondengänger finden Wikingerschätze

Im Herbst 2022 fanden Mitglieder des Nordjütländischen Detektorvereins auf einem Feld zwischen Aarhus und Aalborg eine Reihe von Silbermünzen. Der Fundort bei Bramslev liegt etwa acht Kilometer von der Wikingerburg Fyrkat entfernt. Es stellte sich heraus, dass diese Münzen von zwei Wikingerhorten stammen, die man in die 980er Jahre datiert. In diesem Zeitraum wurde auch das nahegelegene Fyrkat erbaute.

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Unter den rund 300 gefundenen Silberstücke befinden sich etwa 50 ganze Münzen. Foto: Nordjyske Museer, Dänemark.

Unter den rund 300 gefundenen Silberstücke befinden sich etwa 50 ganze Münzen. Foto: Nordjyske Museer, Dänemark.

Zwei Hortfunde mit Silbermünzen

Die beiden Schätze wurden auf demselben Feld in einem Abstand von weniger als 50 Metern gefunden und enthalten beide eine große Anzahl kleiner Silbermünzen und Fragmente von Silberschmuck, der wahrscheinlich als Zahlungsmittel nach Gewicht diente. Insgesamt enthalten die beiden Horte um die 300 Silberstücke, darunter etwa 50 ganze Münzen.

Das Kreuz auf den dänischen Münzen aus der Zeit König Haralds I. hilft bei der Datierung: Sie müssen nach der Taufe des Monarchen im Jahr 960 geprägt worden sein. Foto: Nordjyske Museer, Dänemark.

Das Kreuz auf den dänischen Münzen aus der Zeit König Haralds I. hilft bei der Datierung: Sie müssen nach der Taufe des Monarchen im Jahr 960 geprägt worden sein. Foto: Nordjyske Museer, Dänemark.

Eine der wenigen vollständigen arabischen Münzen aus dem Hort. Die meisten derartigen Geldstücke wurden von den Wikingern in kleinere Zahlungseinheiten zerteilt. Foto: Nordjyske Museer, Dänemark.

Eine der wenigen vollständigen arabischen Münzen aus dem Hort. Die meisten derartigen Geldstücke wurden von den Wikingern in kleinere Zahlungseinheiten zerteilt. Foto: Nordjyske Museer, Dänemark.

Durch Pflügen, Eggen und Säen in der jüngeren Vergangenheit wurden die Horte gestört und über eine große Fläche verstreut. Da sie ursprünglich recht dicht beieinander vergraben waren, sind die Münzen und das übrige Silber jetzt stark vermischt. Daher ist es für die Archäologen schwierig, die einzelnen Funde sicher einem der beiden Horte zuzuordnen. Es ist jedoch klar, dass beide Schätze eine Mischung aus dänischen, deutschen und arabischen Münzen enthalten.

Kreuzmünzen datieren die Funde

Vor allem die dänischen Münzen haben das Interesse der Archäologen geweckt. Dazu gehören die so genannten Kreuzmünzen König Harald Blauzahns aus den 970er und 980er Jahren. Diese späten Münzen von König Harald unterscheiden sich von seinen früheren Prägungen durch das Kreuz auf einer der Seiten. Wahrscheinlich führte er die Kreuzmünzen im Zusammenhang mit seiner Christianisierung der Dänen ein – mit anderen Worten, als weitere Verbreitung von Haralds Botschaft, wie er sie auf dem großen Jelling-Stein um 965 verewigt hatte.

Die Kreuzmünzen von Harald Blauzahn wurden nur wenige Jahrzehnte geprägt, bevor er Mitte der 980er Jahre den Kampf um die Macht an seinen Sohn Sven Gabelbart verlor. Die beiden Schätze stammen also aus dieser höchst dramatischen Periode der Wikingerzeit.

Unter den Silberstücken fanden sich auch zwei verzierte Kugeln. Sie stammten wahrscheinlich von ein und demselben Schmuckstück, einer Ringnadel. Foto: Nordjyske Museer, Dänemark.

Unter den Silberstücken fanden sich auch zwei verzierte Kugeln. Sie stammten wahrscheinlich von ein und demselben Schmuckstück, einer Ringnadel. Foto: Nordjyske Museer, Dänemark.

Beute aus Raubzügen

Neben den Münzen enthalten die Horte zwei weitere sehr interessante Silberstücke. Sie wiegen etwa 70 Gramm und stammen offensichtlich von demselben Schmuckstück. Es handelt sich um zwei kunstvoll verzierte Kugeln aus Flechtwerk auf einem kleinen Stück geschliffenen Silberstab, der ursprünglich Teil einer ungewöhnlich großen Ringnadel war.

Solche Ringnadeln wurden im wikingerzeitlichen Irland und auf den benachbarten Inseln vor allem von den Männern der oberen Gesellschaftsschicht getragen. Manche dieser Silberschmuckstücke wogen rund ein halbes Kilo, und den beiden Fragmenten nach zu urteilen gehört das Stück aus Bramslev in diese Kategorie. Schmuckstücke dieser Größe und Qualität wurden von Bischöfen und Königen getragen.

Der Schmuck stammt wahrscheinlich aus einem Raubzug und die dänischen Wikinger wussten die feinen künstlerischen Details des Schmucks nicht zu schätzen. Für sie war nur das Gewicht des Silberschmucks wichtig. Daher wurde die Ringnadel in Stücke zerhackt und der Großteil des Schmucks wurde wahrscheinlich als Zahlungsmittel verwendet oder eingeschmolzen, um neuen Schmuck im skandinavischen Stil herzustellen.

Die beiden Schätze wurden auf demselben Feld in einem Abstand von weniger als 50 Metern gefunden. Foto: Nordjyske Museer, Dänemark.

Die beiden Schätze wurden auf demselben Feld in einem Abstand von weniger als 50 Metern gefunden. Foto: Nordjyske Museer, Dänemark.

Eine Siedlung als Ausguck

Kreuzmünzen von Harald Blauzahn und Fragmente von Silberschmuck sind keine Seltenheit bei Schatzfunden in Dänemark aus der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts. Das Spannende an diesen Wikingerschätzes ist ihr Fundort: Es handelte sich offenbar um eine Wikingersiedlung in der Nähe von Fyrkat.

„Die beiden Silberschätze sind an sich schon eine fantastische Geschichte, aber dass sie in einer Siedlung vergraben sind, die nur acht Kilometer von Harald Blauzahns Festung Fyrkat entfernt liegt, ist unglaublich aufregend“, sagt der Archäologe und Kurator des Nordjyske Museer, Torben Trier Christiansen.

Fyrkat wurde, wie auch Haralds andere Ringburgen, nur für sehr kurze Zeit um 980 genutzt. Es ist nicht bekannt, warum diese Anlagen aufgegeben wurden, aber in Trelleborg auf Seeland hat man Spuren von Kämpfen gefunden.

„Vielleicht wurden die Burgen nicht freiwillig aufgegeben und vielleicht geschah dies im Zusammenhang mit der letzten Auseinandersetzung zwischen Harald Blauzahn und seinem Sohn Sven Gabelbart. Höchstwahrscheinlich wurden die Schätze von Bramslev zur gleichen Zeit oder kurz nach der Aufgabe der Burgen vergraben. Und wenn es in Fyrkat Unruhen gab, erscheint es sinnvoll, dass ein bedeutender Mann hier in Bramslev seine Schätze versteckte“, erläutert Torben Trier Christiansen.

Insgesamt wurden bei den Untersuchungen um die 300 Silberstücke gefunden. Foto: Nordjyske Museer, Dänemark.

Insgesamt wurden bei den Untersuchungen um die 300 Silberstücke gefunden. Foto: Nordjyske Museer, Dänemark.

Die Lage Bramslevs hoch in der Landschaft mit Blick auf weite Teile des Mariagerfjords kann laut Torben Trier Christiansen nur so verstanden werden, dass das Dorf eine wichtige Rolle bei der Verteidigung von Fyrkat gespielt haben muss.

„Von der Anhöhe in Bramslev konnte man die Truppen auf der Burg schnell vor ankommenden feindlichen Flotten aus dem Kattegat warnen“, erklärt Torben Trier Christiansen. Es ware demnach keine gewöhnliche Wikingersiedlung. Daher möchte die Archäologen des Nordjyske Museer unbedingt mehr über das eigentliche Wikingerdorf bei dem Fundort der Schätze herausfinden.

Viele Fragen bleiben nach dem Fund der Münzhorte offen. Foto: Nordjyske Museer, Dänemark.

Viele Fragen bleiben nach dem Fund der Münzhorte offen. Foto: Nordjyske Museer, Dänemark.

Wie es mit den Hortfunden weitergeht

Im Herbst werden die archäologischen Untersuchungen in diesem Gebiet fortgesetzt. Finanziert werden die Arbeiten durch die dänische Agentur für Kultur und Schlösser in Höhe von 400.000 DKK (ca. 54.000 EUR).

Die Archäologen rechnen nicht damit, weitere Silberschätze zu finden. Aber aber bei den Untersuchungen in diesem Frühjahr zeigte sich, dass die Horte ursprünglich in oder in unmittelbarer Nähe von Gebäuden vergraben waren. Die kommenden Untersuchungen werden sich darauf konzentrieren, die Spuren dieser Gebäude zu analysieren und herauszufinden, ob die Häuser tatsächlich standen, als die Schätze vergraben wurden, oder ob es sich nur um normale Wikingerhäuser handelt.

Ab dem 1. Juli 2023 können Interessierte die beiden Silberschätze genauer unter die Lupe nehmen. Dann sind sie den Sommer über im Historischen Museum von Aalborg ausgestellt.

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