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Freimaurer und Mysterien Ägyptens in Gotha

Mit „Freimaurer und Mysterien Ägyptens in Gotha“ halten Zirkel und Winkelmaß Einzug in die Ausstellungshalle des Herzoglichen Museums. Die neue Sonderausstellung der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha läuft bis zum 15. Oktober 2023. Anlass der Ausstellung ist das 300. Editionsjubiläum der 1723 erschienenen „Constitutions of the Free-Masons“ von James Anderson. Es handelt sich um eines für die Freimaurerei bis in die heutige Zeit wesentliches Werk.

Inhalt

Ausstellungsansicht Eingang. Foto: © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Foto: Lutz Ebhardt.

Ausstellungsansicht Eingang. Foto: © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Foto: Lutz Ebhardt.

In neun aufeinander folgenden Kapiteln informiert die Ausstellung über Ursprünge und Ziele der Freimaurerei, erläutert wichtige rituelle Symbole und zeigt Kleidung, Ritualgegenstände und Alltagsaccessoires der Logenmitglieder. Die Ausstellung gibt einen Einblick in die bedeutende Frühphase der Freimaurerei in Thüringen. Ein Schwerpunkt der Ausstellung ist der Freimaurerei und dem Illuminatenorden in Gotha während der Regierungszeit von Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg gewidmet. Wer waren die Mitglieder, wie funktionierten die Geheimbünde und wie wirkten sie in die Gesellschaft hinein?

Als vermeintlich älteste und vollkommenste Mysterienkultur galt das Alte Ägypten den Freimaurern in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Inbegriff symbolischen Ausdrucks und geheimer Kulte. In dieser Tradition sahen sich eine Vielzahl von Freimaurerlogen. Der spirituellen Ägyptenbegeisterung in Europa, die auch in Gotha ihre Spuren hinterlassen hat, ist ein eigener Ausstellungskomplex gewidmet.

Ägypten. Anthropoider Holzsarg mit Mumie. Ptolemäische Zeit, Ende 4./3. Jh. v. Chr. Archäologisches Institut der Universität Göttingen. Foto: © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Foto: Lutz Ebhardt.

Ägypten. Anthropoider Holzsarg mit Mumie. Ptolemäische Zeit, Ende 4./3. Jh. v. Chr. Archäologisches Institut der Universität Göttingen. Foto: © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Foto: Lutz Ebhardt.

„Wir sind überwältigt von der positiven Resonanz zu unserer diesjährigen Jahreshauptausstellung, die wir bereits im Vorfeld erhalten haben. Mit dem Thema haben wir offensichtlich den Nerv unserer Besucher getroffen. Die Bedeutung der Ausstellung wird daran ersichtlich, dass die Berliner National-Mutterloge die Schirmherrschaft übernommen hat. Darüber hinaus sind wir dankbar, dass durch die enge Kooperation mit dem Forschungszentrum der Universität Erfurt die allerneuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Ausstellung einfließen konnten. So ist es nun möglich, einen spannenden Einblick in eine uns heute doch eher fremde Kultur zu bekommen, die jedoch wesentlich die Geschicke der Zeit geprägt hat,“ freut sich Stiftungsdirektor Dr. Tobias Pfeifer-Helke.

Ballotagegerät mit 16 Kugeln, um 1850. Holz. Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. Nationale Großloge von Rumänien. Kästchen mit Zirkel und Winkelmaß, zeitgenössisch. Messing, vergoldet. Privatsammlung. Foto: © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Foto: Lutz Ebhardt.

Ballotagegerät mit 16 Kugeln, um 1850. Holz. Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. Nationale Großloge von Rumänien. Kästchen mit Zirkel und Winkelmaß, zeitgenössisch. Messing, vergoldet. Privatsammlung. Foto: © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Foto: Lutz Ebhardt.

Johann Georg Ziesenis d. J. (1716–1776). Gothaer Oberhofmarschall Hanß Adam von Studnitz (1711–1788). 1761. Öl auf Leinwand. Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Foto: Lutz Ebhardt.

Johann Georg Ziesenis d. J. (1716–1776). Gothaer Oberhofmarschall Hanß Adam von Studnitz (1711–1788). 1761. Öl auf Leinwand. Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Foto: Lutz Ebhardt.

Zwei Mumiensärge, Logenhammer oder Porzellan mit Freimaurer-Motiven: Etwa 160 Exponate sind in der Ausstellung zu sehen. Die Objekte stammen von 13 öffentlichen und privaten Leihgebern sowie aus den eigenen Beständen: von Kleidung und Ritualobjekten der Freimaurer über Dokumente, Gemälde und Kunsthandwerk bis hin zu Objekten, die der Forschungsreisende und Freimaurer Ulrich Jasper Seetzen in Ägypten erworben und nach Gotha gebracht hat.

Studnitz-Pyramide Gotha. © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Foto: Lutz Ebhardt.

Studnitz-Pyramide Gotha. © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Foto: Lutz Ebhardt.

Ausstellungsansicht. Foto: © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Foto: Lutz Ebhardt.

Ausstellungsansicht. Foto: © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Foto: Lutz Ebhardt.

Uta Wallenstein, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin der Ausstellung, sagt über die Exponate: „Sie sind alle Steinchen zu einem Mosaik, das am Ende ein fertiges Bild ergibt. Das Thema „Mysterien Ägyptens“ liegt mir natürlich besonders am Herzen, komme ich doch fachlich aus diesem Bereich. Ein Highlight sind die Mumiensärge aus Ptolemäischer Zeit, die frisch restauriert in der Ausstellung besichtigt werden können. Einer von ihnen stammte ursprünglich aus einer Hamburger Freimaurerloge und ist mit diesem Kontext tatsächlich ein Unikat.“

Freimaurerschrein, Ende 18. Jhd. Alabaster, Holz. 25,4 x 12 x 9,9 cm. Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Foto: Lutz Ebhardt.

Freimaurerschrein, Ende 18. Jhd. Alabaster, Holz. 25,4 x 12 x 9,9 cm. Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Foto: Lutz Ebhardt.

Zusammenarbeit Stiftung und Forschungszentrum

„Freimaurer und Mysterien Ägyptens in Gotha“ ist das Ergebnis einer neuen Form der Zusammenarbeit der Stiftung mit dem Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt. Dieses arbeitet bereits seit Jahren zu den Themen „Freimaurerlogen und Geheimbünde im späten 18. Jahrhundert“ sowie „Illuminaten“ und untersucht unter anderem den Einfluss der Geheimbünde auf die Aufklärung. Kuratorin Uta Wallenstein konnte bei der Entwicklung der Ausstellung eng mit den Wissenschaftlern des Forschungszentrums kooperieren, die nicht nur ihre wissenschaftliche Expertise einbrachten, sondern die Ausstellung auch mit Ideen zu Exponaten und Veranstaltungsformaten bereicherten.

Johann Jonas Michael. Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg, um 1795. Öl auf Leinwand. 80 x 60 cm. Schlossmuseum Altenburg. © Foto: Schlossmuseum Altenburg.

Johann Jonas Michael. Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg, um 1795. Öl auf Leinwand. 80 x 60 cm. Schlossmuseum Altenburg. © Foto: Schlossmuseum Altenburg.

Dr. Markus Meumann, wissenschaftlicher Geschäftsführer am Forschungszentrum, sagt: „Die Verzahnung der Arbeit von Forschungszentrum und Museum ist eine große Chance, ein anderes Publikum als üblich zu erreichen. Die Ausstellung bietet die Möglichkeit, unsere langjährige Forschung einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.“

Außerdem wird ein wissenschaftlicher Aufsatzband erscheinen, der die neuesten Erkenntnisse der Freimaurer-Forschung berücksichtigt und ein umfassendes Grundlagenwerk zur Gothaer Freimauerei im europäischen Kontext darstellen wird. Die Publikation verknüpft die wissenschaftlichen Erkenntnisse mit den Exponaten der Ausstellung in einem Katalogteil. Das Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt war maßgeblich bei der Entstehung dieser Publikation beteiligt.

Freimaurerschurz Meister Johannisloge. Baumwolle, Leder, ca. 35 x 35 cm. Freimaurermuseum Berlin. © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha; Foto: Lutz Ebhardt.

Freimaurerschurz Meister Johannisloge. Baumwolle, Leder, ca. 35 x 35 cm. Freimaurermuseum Berlin.© Stiftung Schloss Friedenstein Gotha; Foto: Lutz Ebhardt.

Schirmherrschaft

Schirmherrin der Ausstellung ist die Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ (3WK) zu Berlin. „Gern haben wir die Schirmherrschaft über diese Ausstellung übernommen und mit Exponaten sowie fachlichem Rat unterstützt“, sagt der National-Großmeister der 3WK Jürgen Rotschies. „Die Anfänge der Freimaurerei in Thüringen im September 1741 lassen sich nachweislich auf das Wirken der 3WK zurückführen und werden in der Ausstellung eindrucksvoll nachgezeichnet“, so Rotschies weiter. Gotha ist ein wichtiger Ort in der Geschichte der deutschen Freimaurerei. Für die 3WK hat Thüringen zudem eine ganz besondere Bedeutung, denn es gibt vom Beginn bis zum Ende der Freimaurerei in Gotha eine enge Verbindung mit Berlin.

Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm

„Freimaurer und Mysterien Ägyptens in Gotha“ wird von einem breiten Veranstaltungsprogramm mit vielen Sonderführungen, Vorträgen und museumspädagogischen Angeboten begleitet. Die Besucher*innen können in der Zeit reisen und eine Sitzung der Illuminaten von 1786 mitverfolgen, die einen Blick in den geheimnisumwobenen Alltag des Ordens gewährt.

Vier Medienstationen unterstützen die Schau auf niedrigschwelliger Vermittlungsebene: Visuell oder auditiv wird den Nutzern hier der Gothaer Mysteriengarten nähergebracht, sie erhalten Einblicke in ein Aufnahmeritual einer Molsdorfer Logensitzung oder in Illuminatensitzungen in den Jahren 1783 bis 1793.

Bei der demokratiefördernden Bildungsaktion „Die Weltherrschaft“ stehen Aufklärung, Medien- und Quellenkompetenzen im Mittelpunkt. Sie besteht aus einem interaktiven Web-Game und einem gleichnamigen Dokumentarfilm und dekonstruiert zielgruppenorientiert Verschwörungstheorien, die im Social-Media-Zeitalter eine digitale Renaissance erfahren haben.

Johann Joachim Kaendler. Zwei Freimaurer am Globus, Meißen, um 1744. Porzellan, farbig, H 23 cm. Deutsches Freimaurermuseum e. V., Bayreuth. © Foto: Deutsches Freimaurermuseum e. V., Bayreuth.

Johann Joachim Kaendler. Zwei Freimaurer am Globus, Meißen, um 1744. Porzellan, farbig, H 23 cm. Deutsches Freimaurermuseum e. V., Bayreuth. © Foto: Deutsches Freimaurermuseum e. V., Bayreuth.

Begleitende Ausstellungen

Seit dem 6. Mai ist im Fächerkabinett des Herzoglichen Museums anlässlich der Ausstellung die Sonderpräsentation „Quand ce coq chantera mon amour finira“ zu sehen, in der es um Konversationsfächer und geheime Botschaften auf Fächerbildern des 18. Jahrhunderts geht. Auch das Thema des Eva-Maria-Dicken-Preises 2023 „(nicht) dazugehören“ ist an die diesjährige Jahreshauptausstellung angelehnt.

Hoher Hut, 19. Jhd. 40 x 40 cm. Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Foto: Lutz Ebhardt.

Hoher Hut, 19. Jhd. 40 x 40 cm. Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Foto: Lutz Ebhardt.

Dank an die Förderer

Die Medienstationen sowie die Beteiligung an „Die Weltherrschaft“ wurden durch die Bundesbeauftrage für Kultur und Medien (BKM) im Rahmen von „Open Friedenstein!“ finanziert. Ein herzlicher Dank geht auch an den Freundeskreis Kunstsammlungen Schloss Friedenstein Gotha e.V., der die Restaurierung eines Mumiensarges finanziert hat.

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