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Certified Collectibles Group: Mehr als Münzen und Comics

von Ursula Kampmann

Es war geradezu ein Schock, als wir das Auto auf dem firmeneigenen Parkplatz von CCG abstellten. Ich hatte das Hauptquartier in Sarasota das letzte Mal im Januar 2018 besucht. Schon damals war ich von der großen Firmenzentrale beeindruckt. Aber so viele Autos, wie nun auf diesem riesigen Parkplatz standen, das passte einfach nicht zu dem Bild, das ich noch von 2018 hatte.

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Die Brasher Dublone, gegradet von NGC. Foto: CCG.

Die Brasher Dublone, gegradet von NGC. Foto: CCG.

Max Spiegel lachte, als ich ihm meine Überraschung gestand: „Die Certified Collectibles Group hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt, auch durch das Geld, das uns Blackstone zur Verfügung stellt, um in den Ausbau unserer Anlagen zu investieren. Du wirst das Unternehmen nicht wiedererkennen. Vor Covid hatten wir rund 270 Mitarbeiter. Heute sind es knapp 800, davon arbeiten 670 hier in Sarasota und der Rest in unseren anderen Standorten.“

Max Spiegel empfängt uns bei der Certified Collectibles Group. Foto: UK.

Max Spiegel empfängt uns bei der Certified Collectibles Group. Foto: UK.

Zuerst hatte ich gedacht, meine Begleiterin habe sich versprochen, als sie davon sprach, dass wir das Auto nehmen würden, um alles zu sehen. Doch ich wurde schnell eines Besseren belehrt. Es ist nicht mehr das eine Gebäude in Sarasota, das ich noch von 2018 kannte. Mittlerweile gibt es fünf Gebäude, Tendenz schnell steigend. Waren früher die einzelnen Firmen in eigenen Hallen untergebracht, haben sie jetzt ihre eigenen Gebäude.

Das ist auch notwendig, denn während in der gesamten Firmengeschichte, die immerhin bis ins Jahr 1987 zurückreicht, mehr als 75 Millionen Sammelobjekte gegradet wurden, wurden allein im Jahr 2022 mehr als 10 Millionen davon gegradet. Dies wäre nicht möglich gewesen, hätte Investor Blackstone nicht – wie Mark Salzberg in seinem Brief an die Kunden vom 16. Januar 2023 schreibt – zig Millionen in das Unternehmen gesteckt, um neue technologische Systeme zu entwickeln, von denen einige auf der Anwendung von künstlicher Intelligenz beruhen.

Münzen in ihrem Holder. Foto CCG.

Münzen in ihrem Holder. Foto CCG.

Mehr als Münzen in Plastik

Aber vielleicht zuerst ein paar allgemeine Bemerkungen, was eigentlich die Idee hinter diesem großen Grading Institut ist. CCG steht für Certified Collectibles Group. Alle Unternehmen, die unter diesem Mantel zusammengefasst sind (oder sagen wir fast alle), beschäftigen sich damit, als unabhängige Gutachter Sammelobjekte auf ihre Echtheit zu untersuchen und ihre Erhaltung zu bewerten. Damit übernimmt die Certified Collectibles Group eine Aufgabe, die im traditionellen Handel mit Sammelobjekten eigentlich vom Händler resp. dem erfahrenen Sammler übernommen wird. Doch da sich seit den 1970er Jahren der traditionelle Sammlermarkt, auf dem ein Objekt lediglich seinen Sammlerwert besitzt, gerade in den USA und Asien in einen Investorenmarkt verwandelt hat, drängen viele unerfahrene Käufer auf den Markt. Sie wollen schnell große Summen investieren, ohne eine mühsame, langwierige und kostspielige Lehrzeit zu absolvieren. Wer einen Teil eines Anlageportfolios durch den Kauf von Sammelobjekten diversifizieren möchte, der hat nicht die Muße, sich erst einmal in jedes einzelne Sammelgebiet einzuarbeiten. Er muss sich Expertise von außen zukaufen, und genau die offeriert die Certified Collectibles Group.

Vor allem den internationalen Handel mit Sammelobjekten im Internet hat CCG revolutioniert. Kannte traditionell ein Kunde seinen Händler und vertraute ihm, kommen nun Menschen zusammen, die nichts über die Integrität des Verkäufers wissen. Ein Grading hilft ihnen, das zu kaufende Sammelobjekt einzuschätzen – und zwar nicht nur im Münzbereich.

Ein Spiderman Comic wird in seinem Holder verschlossen. Foto: CCG.

Ein Spiderman Comic wird in seinem Holder verschlossen. Foto: CCG.

Neben NGC, der Numismatic Guaranty Company, gibt es PMG (Paper Money Guaranty) für Banknoten, CGC (Certified Guaranty Company) für Objekte der Popkultur wie Comics, Sammelbilder, Computerspiele und vieles mehr, CSG (Certified Sports Guaranty) für Sportkarten, ASG (Authenticated Stamp Guaranty) für Briefmarken und CAG (Collectibles Authentication Guaranty) für jede Form von Memorabilien.

Daneben unterhält die Certified Collectibles Group zwei weitere Dienste, die sich ausschließlich mit fachgerechter Restaurierung beschäftigen. NCS (Numismatic Conservation Services) ist auf Münzen spezialisiert, CGS (Classic Collectible Services) auf die fachgerechte Restaurierung von Comics.

Auch wenn all diese Dienste unabhängig von einander agieren, profitiert eine Abteilung von der anderen. Durch das Knowhow und die Systematik, die zum Beispiel über die Jahrzehnte im Bereich der Münzen und Comics entwickelt wurde, konnte die Certified Collectibles Group sehr schnell auf den neuen Markt reagieren, der sich gerade im Bereich der Computerspiele zu entwickeln beginnt. Wer eine ungeöffnete, original verschweißte Kopie eines Computerspiels wie „Super Mario Bros.“ aus dem Jahr 1985 für 2 Millionen US-Dollar kauft, der möchte auch gerne sicher gehen, dass das richtige Spiel unter der Plastikfolie zu finden ist. Die Certified Guaranty Company hat eine Reihe von Prüfverfahren entwickelt, um das sicherzustellen. Die Gradingskala kennt Erhaltungsangaben von 1 bis 10 und bewertet gleichzeitig die Qualität des Siegels, das das Video-Spiel verschließt. Die 10-Punkte Skala lehnt sich an die im Comic-Bereich entwickelte Skala an. Und – falls Sie es noch nicht gesehen haben – NGCX bemüht sich, diese 10-Punkte-Skala nun auch im Münzbereich zu etablieren.

Eine Grundsatzvoraussetzung für Grading: Immer das gleiche Licht. Foto: CCG.

Eine Grundsatzvoraussetzung für Grading: Immer das gleiche Licht. Foto: CCG.

Konstanz und Expertise

Werfen wir einen Blick in den Saal, wo die Münzen gegradet werden. Glauben Sie es mir, das ist ein harter Job. Mehr als 30 Vollzeit-Angestellte sitzen in lichtlosen Räumen, die lediglich von vereinzelten Schreibtischlampen erhellt werden. Auf jedem Schreibtisch ist exakt eine Lampe, und zwar seit der Gründung von NGC vom selben Typ, um so sicherzustellen, dass die Lichtverhältnisse absolut konstant sind. Geredet wird während des Prozesses kaum. Es herrscht höchste Konzentration. Auch wenn die Arbeit der Experten inzwischen durch künstliche Intelligenz unterstützt wird, ist die erste Grundsatzentscheidung – Zweifellos echt oder muss ich näher hinsehen? – immer noch eine Frage des menschlichen Auges.

NGC ist stolz auf die Expertise, die man im Haus erarbeitet hat. Nichtsdestotrotz legt man Wert darauf, mit Spezialisten aus der ganzen Welt zusammenzuarbeiten. Scott Schechter erklärt: „Natürlich haben wir hier die besten technischen Hilfsmittel, um Fälschungen zu entlarven. Und wenn man von einer Münze so viele Beispiele gesehen hat wie wir, dann entwickelt man einen 6. Sinn dafür, dass ein Stück irgendwie anders ist. Schließlich durchlaufen jeden einzelnen Tag zwischen 1.200 und 1.300 Münzen den Gradingprozess in unserem Haus. Aber es wird immer wieder Gebiete geben, in die wir uns erst einarbeiten müssen, und wenn da ein Zweifel aufkommt, kontaktieren wir unsere externen Spezialisten.“

Das Bestimmen der Münzen ist dagegen kein Schwerpunkt bei der Arbeit. Scott Schechter erläutert: „In den verschiedenen Ländern werden so viele verschiedene Bücher benutzt. Wir bemühen uns, die führende Referenz für eine Münze zu zitieren. Welche das ist, finden Sie auf unserer Website.“

Eine Pokemon-Karte im Wert von 672.000 $ – natürlich gegradet von CGC. Foto: CCG.

Eine Pokemon-Karte im Wert von 672.000 $ – natürlich gegradet von CGC. Foto: CCG.

Mal was ganz anderes als Münzen!

Während die Numismatik eine etablierte Wissenschaft ist, über deren Sammelobjekte ganze Bibliotheken publiziert wurden, ist die Literatur zu den neuen Sammelgebieten äußerst mager. Hier leisten die verschiedenen Gruppen der Certified Collectibles Group Pionierarbeit, indem sie Sammlern ihre Informationen zur Verfügung stellen. Nehmen wir den relativ neuen Bereich der Gaming Cards (und übersetzen Sie diesen Begriff ja nicht mit Spielkarten!). CGC gradet seit 2020 auch Gaming Cards, und zwar zwischen 5.000 und 6.000 Stück pro Tag! Und das sind rund viermal so viele Gaming Cards wie Münzen!

Wenn Sie sich fragen, was das ist: da geht es vor allem um Pokemon; Yu-Gi-Oh! und Magic: The Gathering. Und wenn sie jetzt immer noch nicht mehr begriffen haben, lassen Sie sich sagen, dass Yu-Gi-Oh! mit bisher 25,1 Milliarden(!) verkauften Karten das meistverkaufte Kartenspiel der Welt ist. Im Bereich Pokemon wird seit 2004 jährlich eine Weltmeisterschaft ausgetragen, und CGC ist stolz darauf, sein eigenes Pokemon-Team zu unterstützen. Magic: The Gathering wird von über 35 Millionen Spielern und Fans weltweit gespielt. Das Spiel enthält über 20.000 verschiedene Karten, die mittlerweile in elf Sprachen gedruckt werden, darunter Deutsch, Russisch, Koreanisch, Japanisch und Chinesisch. Es geht also nicht um ein Randphänomen.

Gaming Cards sind ein Massenphänomen der Jugend. Und wenn Sie sich fragen, warum Ihr Münzverein nicht mehr Besucher hat, dann begleiten Sie Ihren Enkel einmal zu einer Pop Con. Nein, das ist nichts, was man in großen Bechern im Kino isst, sondern das hippe Äquivalent zur Münzbörse. Da darf man sich maskieren, Spiele spielen und Sammelobjekte kaufen, Sammelobjekte, die mittlerweile übrigens durchaus im vier- und fünfstelligen Bereich gehandelt werden.

Die Certified Collectibles Group legt Wert darauf, dieses neue Sammelgebiet für den Sammler und Investor transparent zu machen, um es so in die Zukunft zu überführen. Und das ist wichtig. Wie viele Sammelgebiete haben in den letzten Jahren schon einen kurzen Boom erlebt, um dann sang- und klanglos vom Markt wieder zu verschwinden? Ich sage nur Telefonkarten. Oder Swatch-Uhren. Sobald eine Gaming Card nicht nur als Teil eines aktuellen Hypes wahrgenommen wird, sondern als neutral bewertbares Sammelobjekt, das von internationalen Auktionshäusern versteigert und von spezialisierten Händlern gehandelt wird, ist die Chance, dass sich ein Sammelgebiet etabliert wesentlich höher.

Baseballspieler Mickey Mantle war einer der beliebtesten Spieler der 1950 und 1960er Jahre. Diese Sportkarte mit seinem Porträt war einem Sammler 1.253.185 $ wert. Foto: CCG.

Baseballspieler Mickey Mantle war einer der beliebtesten Spieler der 1950 und 1960er Jahre. Diese Sportkarte mit seinem Porträt war einem Sammler 1.253.185 $ wert. Foto: CCG.

Sportkarten

Nehmen wir als Beispiel die auf allen Pausenhöfen der Welt heißgeliebten Sportkarten. Im Grunde unterscheiden sie sich gar nicht so sehr von den Gaming Cards. Im englischen werden sogar Gaming Cards und Sportkarten unter der Bezeichnung Trading Cards zusammengefasst. Wenn Sie sich nun fragen, ob Ihre Panini-Bildchen aus dem Jahr 1974 auf einmal wertvoll geworden sind, dann werfen Sie einen Blick in den Population Report und wenn Sie Gerd Müller nicht aus dem Jahr 1974, sondern von 1966 haben, dann könnte das auf eBay durchaus etwas wert sein, je nachdem welche Erhaltung die Karte hat, nachdem sie beim Tauschen durch all die klebrigen Jungenhände gegangen ist.

In den Vereinigten Staaten werden bereits seit knapp einem Jahrhundert Sportkarten gesammelt. Zunächst natürlich Baseball, und Baseballkarten schlagen immer noch alle anderen an Beliebtheit in den USA. Aber der europäische Fußball ist am Aufholen. Mittlerweile sind Sportkarten aus dem Bereich des Fußballs bereits an fünfter Stelle der Beliebtheit bei Sammlern, und zwar nach Baseball, American Football, Basketball und Hockey.

Super-Mario: 2021 wurde ein solches Spiel aus dem Jahr 1985 für 1,56 Mio. $ verkauft. Foto: UK.

Super-Mario: 2021 wurde ein solches Spiel aus dem Jahr 1985 für 1,56 Mio. $ verkauft. Foto: UK.

Das nächste große Ding

Bei der Certified Collectibles Group arbeitet man schon, wie uns Ashley Habedank vom Marketing Team erzählt, an der nächsten großen Sache. Die heißt Funko Pop und ist anscheinend unter Jugendlichen das nächste ganz große Ding. Die Sache ist derart neu, dass es noch nicht einmal einen Wikipedia-Artikel zu diesen Sammelfiguren gibt, und das obwohl ganze Wände von Sonderausgaben auf den einschlägigen Comic Cons verkauft werden sollen. (Wahrscheinlich sind die Wikipedia-Bearbeiter mittlerweile selbst so alt, dass dieser neue Trend genauso an ihnen vorbeigeht wie an mir.)

Und wenn Sie jetzt die Nase rümpfen und sich fragen, was das noch mit dem klassischen Münzsammeln zu tun hat, möchte ich Sie daran erinnern, dass die numismatische Community ziemlich hilflos ist, wenn es darum geht, die Massen und zwar männlichen und weiblichen Geschlechts für das Münzsammeln zu begeistern. Vielleicht haben wir uns inzwischen zu weit von dem entfernt, welche Objekte Jugendliche heute tatsächlich ansprechen. Auch wenn ich persönlich sicher nicht das Münzsammeln zu Gunsten von Funko Pop aufgebe, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass man einzelne Elemente dieser so lebendigen Pop-Kultur im Bereich der Numismatik übernehmen könnte.

Wen ich in so einem Fall ansprechen würde? Nun, auf jeden Fall die Certified Collectibles Group, die es problemlos schafft, den Spagat zwischen alter und neuer Sammlerwelt zu machen.

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