ZukunftsForum Edelmetalle 2025: Zwischen geopolitischer Unsicherheit und digitaler Transformation
Von Sebastian Wieschowski
Drei übergreifende Botschaften bestimmten die Veranstaltung, die am 24. und 25. März 2025 erstmas im Kap Europa in Frankfurt stattgefunden hat: Erstens erlebt Gold eine Renaissance als strategischer Stabilitätsanker inmitten globaler Unsicherheiten und wird zunehmend von Zentralbanken als vertrauensbildendes Reserveinstrument eingesetzt. Zweitens etabliert sich Transparenz entlang der Lieferkette – unterstützt durch digitale Tools und ESG-Standards – als neues Fundament der Marktintegrität. Und drittens verändert sich die Landschaft der Akteure auf dem Edelmetallmarkt: Neue Zielgruppen wie die Generation Z und digitale Assets wie Bitcoin fordern klassische Narrative heraus, während sich globale Machtverhältnisse in der Rohstoffversorgung verschieben.
Inhalt
Das ZukunftsForum Edelmetalle wurde von Wolfgang Wrzesniok-Roßbach ins Leben gerufen. Der frühere Geschäftsführer der Degussa Goldhandel hat im Laufe seiner Karriere im In- und Ausland vom Bankenbereich über das Geschäft von Industrieunternehmen und Recyclingfirmen bis hin zum Handel mit privaten Anlegern in praktisch allen Segmenten des Edelmetallgeschäfts Erfahrungen sammeln können und möchte auf der Grundlage dieser Erfahrungen das ZukunftsForum Edelmetalle als zentrale Dialogplattform für die Edelmetallbranche ins Leben etablieren, um den Austausch zwischen Industrie, Handel, Finanzwelt, Politik und Wissenschaft zu fördern.
LBMA-Chefin: Es ist genug Gold vorhanden!
Ruth Crowell, CEO der London Bullion Market Association (LBMA), eröffnete das Forum mit einem klaren Bekenntnis zur Stabilität des Goldmarkts. Trotz wachsender Unsicherheiten sei keine physische Knappheit zu erwarten. Vielmehr bleibe Gold ein sicherer Hafen – getragen von Notenbankkäufen und wachsendem Transparenzanspruch. Das LBMA-Projekt „Gold Bar Integrity“ soll dabei helfen, die Lieferketten weltweit rückverfolgbar und fälschungssicher zu gestalten – von der Mine bis zum Ring.
In seiner Keynote zeichnete Dr. Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, ein düsteres Bild der globalen Wirtschaftslage. Die Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus habe eine „neue Weltunordnung“ geschaffen. Protektionismus, Handelskonflikte und eine erratische Politik belasten vor allem Europa. Auch Chinas strukturelle Schwächen und die unsichere Entwicklung im Ukraine-Krieg verschärfen die geopolitischen Risiken.
Gold-FOMO: Von der Angst, die „Party“ zu spät zu besuchen
Ronald-Peter Stöferle, Managing Partner bei Incrementum, richtete den Blick auf die Edelmetallmärkte. Er sprach von einem Paradigmenwechsel bei den Notenbanken: Vor allem Schwellenländer setzen verstärkt auf Gold als Reserveasset – zulasten von US-Staatsanleihen. Seine langfristige Prognose: ein Goldpreis von bis zu 4.800 USD bis 2030. Inflation, Unsicherheit und das Phänomen „Gold-FOMO“ seien zentrale Treiber dieser Entwicklung.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Thema Recycling. Dominik Sperzel von Heraeus Precious Metals betonte die wachsende Bedeutung von Sekundärgold für eine bessere ESG-Bilanz. Doch er machte auch klar: Recycling allein kann die Primärförderung nicht ersetzen. Vielmehr komme es auf transparente Herkunft und faire Bedingungen im Bergbau an – ein Anspruch, den Unternehmen zunehmend mit konkreten Produktlösungen erfüllen.
Christoph Wild, Präsident der Schweizer Edelmetallvereinigung ASFCMP, warnte vor einer zu optimistischen Sicht auf die Goldversorgung. Zwar sei aktuell genug Gold vorhanden, doch die wirtschaftlich förderbaren Reserven seien begrenzt. Die Rolle der Schweiz als zentraler Raffineriestandort gewinne dadurch weiter an Bedeutung – besonders angesichts geopolitischer Hürden im Zugang zu Minen in China und Russland.
Generation Z: Die Goldkäufer von morgen?
Auch das Verhalten privater Anleger stand im Fokus: Rüdiger Schmitt von der Reisebank berichtete von drei Millionen neuen Goldanlegern in Deutschland im Jahr 2024. Besonders bemerkenswert: Die Generation Z entdeckt Gold neu – aus Überzeugung für echte Werte, Nachhaltigkeit und Transparenz. Damit verändert sich auch die Kundenansprache im Edelmetallhandel grundlegend.

Anleger-Abend: Künftig möchte das „ZukunftsForum Edelmetalle“ verstärkt auch Privatanleger ansprechen. Foto: Wieschowski.
Der Buchautor Florian Bruce-Boye stellte die Frage, ob Bitcoin Gold als Wertspeicher ergänzen oder gar ersetzen könne. Seine Antwort: Beide haben ihre Berechtigung. Gold ist das bewährte Fundament, Bitcoin die innovative Ergänzung – besonders für technologieaffine Investoren.
Globale Perspektive: Eine lange Liste von Argumenten für Gold
John Reade vom World Gold Council brachte schließlich die globale Perspektive ein. Die Rekordnachfrage 2023, anhaltende Zentralbankkäufe und ein starker Jahresauftakt 2025 (+15 %) bestätigen: Gold bleibt ein solides Investment. Gleichzeitig nimmt die Bedeutung von Nachhaltigkeit, Recycling und industrieller Nachfrage – etwa durch KI – weiter zu.

Vor dem eigentlichen Konferenzprogramm luden die Veranstalter zu einer Exkursion in die Grube Fortuna in Obersolms ein, um den Bergbau hautnah zu erleben. Foto: Wieschowski.
Das ZukunftsForum 2025 zeigte: Der Edelmetallmarkt ist im Wandel. Zwischen geopolitischer Polarisierung, technologischer Innovation und wachsendem Nachhaltigkeitsbewusstsein müssen sich Händler, Produzenten und Investoren strategisch neu aufstellen. Klar ist: Gold bleibt relevant – aber nicht mehr unter den alten Spielregeln.