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Japan Mint: Zweigstelle Hiroshima

Die Japan Mint prägt nicht nur wunderschöne Umlaufmünzen. Sie deckt darüber hinaus den kompletten Herstellungsprozess in eigener Regie ab. Von der Ronde bis zur Münze. Damit gehört Japan zu den wenigen Staaten, die hinsichtlich ihrer Umlaufmünzen vollständig autark sind. Wir haben die Zweigstelle der japanischen Münzstätte in Hiroshima besucht.

von Ursula Kampmann

Inhalt

Zu Gast bei der Japan Mint / Zweistelle Hiroshima. Von links nach rechts: Herr Yamaguchi, Deputy Managing Director der Zweigstelle Hiroshima, Ursula Kampmann, Herr Shingu, Managing Director der Zweigstelle Hiroshima, Herr Kawano, Director of General Affairs Division, Hiroshima Branch, Herr Izumi, Senior Officer, und Herr Okudaira, Assistant Manager of Overseas Business Division

Zu Gast bei der Japan Mint / Zweistelle Hiroshima. Von links nach rechts: Herr Yamaguchi, Deputy Managing Director der Zweigstelle Hiroshima, Ursula Kampmann, Herr Shingu, Managing Director der Zweigstelle Hiroshima, Herr Kawano, Director of General Affairs Division, Hiroshima Branch, Herr Izumi, Senior Officer, und Herr Okudaira, Assistant Manager of Overseas Business Division

Die meisten Länder haben eine Münzstätte an einem Standort. Es gibt wenige Nationen, die wie die Vereinigten Staaten oder Deutschland über mehrere Münzstätten verfügen. Zu ihnen gehört Japan mit gleich drei Standorten. Das ist notwendig, um dezentral und vollständig den gesamten Produktionsprozess abzudecken: von der Legierung und dem Coil über die Ronde bis hin zu Münze und Verpackung. In einem Land, in dem das Bargeld noch immer von derart zentraler Bedeutung ist, ist das ein strategisches Statement.

Drei Münzstätten in drei verschiedenen Landesteilen

In Osaka, dessen Münzstätte ich 2024 besuchen durfte, ist das Hauptquartier der Japan Mint angesiedelt, wo über Motive, Themen, Strategien und alle verwaltungstechnischen Details entschieden wird. Hier befindet sich die Kreativabteilung, die für die Stempel verantwortlich ist, sowie die Abteilung für farbiges Email, wo die leuchtend-bunten Medaillen entstehen, eine Spezialität der Japan Mint.

Die Münzstätte von Saitama, wo ich 2023 zu Gast sein durfte, befindet sich in der Nähe von Tokio. Der Fokus liegt dort auf der Herstellung von Gedenkmünzen und der staatlichen Kontrolle von Goldwaren. Hier wird die begehrte Punze aufgebracht, die dem Käufer die Feinheit seiner Goldwaren garantiert.

Auch wenn sowohl in Osaka als auch in Saitama Umlaufmünzen entstehen, ist das eigentliche Zentrum der Produktion in Hiroshima angesiedelt. Kurz vor dem Beginn der diesjährigen TICC habe ich dorthin einen Abstecher gemacht und viel gelernt. Denn wie ein Coil für Umlaufmünzen entsteht, hatte ich noch nie vorher gesehen. Es war aufregend! Begleiten Sie mich auf meiner Tour durch die Münzstätte von Hiroshima!

Der Anfang: Materialien, wie sie in die Legierung kommen. Foto: UK

Der Anfang: Materialien, wie sie in die Legierung kommen. Foto: UK

Legierung und Guss

Eines habe ich bei all meinen Besuchen der Japan Mint gelernt. Japaner sind großartige Gastgeber. Wenn sie einen Gast empfangen, dann stellt sich der gesamte Betrieb auf seinen Besuch ein. So auch in Hiroshima. Jede Abteilung hat etwas speziell für mich vorbereitet, um mir das Verständnis für das technische Geschehen zu erleichtern. So hat Herr Otani, Director of Melting Division, der mich durch die Melting Division führt, gleich neben dem Eingang eine Auswahl der verschiedenen Grundstoffe herrichten lassen, aus denen die jeweilige Legierung angemischt wird.

Wie nämlich der Name schon sagt, wird in der Melting Devision nichts anderes gemacht, als Metall zu schmelzen, um die für die verschiedenen Ronden passende Legierung herzustellen. Endprodukt der Melting Division sind riesige Barren, die anschließend in der Rolling Division weiterverarbeitet werden.

Stanzgitter werden gleich wieder in der Schmelze weiterverwendet. Foto: UK

Stanzgitter werden gleich wieder in der Schmelze weiterverwendet. Foto: UK

Aber zunächst schaue ich mir fasziniert die verschiedenen Rohstoffe an, die in unterschiedlichen Formen und Gewichten geliefert werden. Ganz besonders beeindruckt mich ein schwerer Klotz. Zunächst kann ich nicht erkennen, woraus er besteht. Erst beim näheren Hinsehen wird es mir klar: aus kleingeschnittenen, eng zusammengefalteten Stanzgittern, wie sie nach dem Auspunzen der Ronden übrig bleiben.

Das ist sehr effektiv und ressourcenschonend. So gehen die Abfälle der Rondenproduktion direkt wieder in die Schmelze und können ohne zusätzliche Prozesse wieder zum Coil verarbeitet werden.

Einer der beiden Hochöfen: hier wird das Metall geschmolzen. Foto: Japan Mint

Einer der beiden Hochöfen: hier wird das Metall geschmolzen. Foto: Japan Mint

Jetzt kommt der Teil, der mich am meisten beeindruckt! Man merkt es an der steigenden Temperatur: Wir nähern uns einem der beiden Hochöfen, in denen immer abwechselnd die Legierung für die Ronden erhitzt und angemischt wird. Ich darf in die kochende Masse hineinsehen, muss mir dafür aber extra einen Schild aus durchsichtigem Schutzmaterial vors Gesicht halten, was ich gerne und freiwillig tue.

Das Abschöpfen der Schlacke. Foto: UK

Das Abschöpfen der Schlacke. Foto: UK

Ehrlich, kochendes Metall ist ein Erlebnis. Es erinnert mich daran, dass sich die Menschen der frühen Neuzeit die Hölle als einen riesigen Feuerofen vorgestellt haben. Beim Blick in den Kessel versteht man, was ihnen dieses Bild bedeutete.

Die Verunreinigungen sind aus dem Metall entfernt. Foto: UK

Die Verunreinigungen sind aus dem Metall entfernt. Foto: UK

Überhaupt: Was mich fasziniert, ist die Tatsache, dass selbst bei Anwendung von modernster Technik immer noch die gleichen Vorgänge erledigt werden müssen wie in der Antike. Natürlich ist heute alles effizienter und besser und ungefährlicher. Aber trotzdem muss für den perfekten Guss die Schlacke abgeschöpft werden, die sich an der Oberfläche der flüssigen Metallschmelze bildet. Zwei Mitarbeiter der Japan Mint erledigen das mit langen Kellen und einer kleinen Schubkarre, deren Inneres faszinierend glüht. Das ist ein gefährlicher und anstrengender Job. Ich bin froh, dass ich den nicht leisten muss.

Der Guss. Foto: UK

Der Guss. Foto: UK

Der Guss. Foto: UK

Der Guss. Foto: UK

Die Form. Foto: UK

Die Form. Foto: UK

Die Form. Foto: UK

Die Form. Foto: UK

Danach folgt der Guss. Aus einer gewaltigen Stranggussanlage fließt das glühende Metall in eine Form nach unten. In regelmäßigen Abständen wird dieser Metallstrang abgeschnitten, so dass gewaltige Metallbarren in der Größe eines Holzbalkens entstehen.

Der Metallbarren wird zum Abkühlen gefahren. Foto: UK

Der Metallbarren wird zum Abkühlen gefahren. Foto: UK

Und damit sind wir in der nächsten Abteilung angelangt, durch die Herr Yamasaki führt. Er ist der Chef der Rolling Division, wobei in seinem Bereich die Metallbarren zum Coil ausgewalzt werden.

Ich gebe zu, es ist nicht das erste Mal, dass ich die Herstellung eines Coils sehe. Allerdings war ich bis jetzt nur in Betrieben, in denen ausschließlich Edelmetall verarbeitet wurde – und wenn es um Edelmetall geht, sind Barren und Coils wesentlich kleiner.

Schade, dass kein Mensch neben dem Barren steht, aber Sie sehen es vielleicht im Größenverhältnis zur Tür, wie gewaltig der Metallblock ist.

Transportiert werden diese Giganto-Barren auf kleinen Metallkarren, die auf Schienen laufen und ein munteres Liedchen spielen. Das ist wichtig, denn so wird verhindert, dass ein unachtsamer Mitarbeiter unter die Räder eines solchen Wägelchens gerät.

Vom gegossenen Barren zum Walzwerk

Ein Metallbarren in der Größe eines mächtigen Holzbalkens. Foto: UK

Ein Metallbarren in der Größe eines mächtigen Holzbalkens. Foto: UK

Danach wird er noch einmal zum Glühen gebracht. Foto: UK

Danach wird er noch einmal zum Glühen gebracht. Foto: UK

Der Barren wird auf das Förderband des Walzwerks zum heißen Walzen gelegt. Foto: UK

Der Barren wird auf das Förderband des Walzwerks zum heißen Walzen gelegt. Foto: UK

Die Barren werden darauf vollautomatisch zum Lager gebracht, aus dem sie wenig später in einen Ofen geschoben werden. Dort werden sie so lange erhitzt, bis sie rot glühen. Denn für das erste Walzen ist es besser, wenn sich das Metall leicht verformen lässt.

Ein vollautomatisierter Greifer legt den glühenden Barren auf das Förderband des Walzwerks zum heißen Walzen.

Das Walzen des glühenden Barrens. Foto: UK

Das Walzen des glühenden Barrens. Foto: UK

War die Herstellung der Legierung schon beeindruckend, kann ich mich an diesem Prozess gar nicht sattsehen. Es hat etwas Spielerisches, wenn der glühende Barren im Walzwerk zu einem langen Band ausgewalzt wird. Er rollt auf einem langen Förderband vor und zurück und wird bei jedem neuen Walzvorgang wieder ein klein bisschen länger.

Bei diesem Schritt will noch niemand die Präzision erreichen, die für den fertigen Coil notwendig ist. Es geht ausschließlich um Geschwindigkeit. Je länger das Material auskühlt, umso schwieriger ist es nämlich zu bearbeiten. So wird das lange Band nach einem ersten Aufrollen in mehreren Schritten weiterverarbeitet.

Die Coils: Vom Erhitzen und Walzen haben sie Ablagerungen auf der Oberfläche. Foto: UK

Die Coils: Vom Erhitzen und Walzen haben sie Ablagerungen auf der Oberfläche. Foto: UK

Im Grunde ist das nichts anderes als ein Hobel für Metall. Foto: UK

Im Grunde ist das nichts anderes als ein Hobel für Metall. Foto: UK

Die Coils werden nachbehandelt, indem sie einer Maschine zugeführt werden, die ihre Oberfläche entfernt. Foto: UK

Die Coils werden nachbehandelt, indem sie einer Maschine zugeführt werden, die ihre Oberfläche entfernt. Foto: UK

So sieht das Coil aus, nachdem seine Oberfläche entfernt wurde. Foto: UK

So sieht das Coil aus, nachdem seine Oberfläche entfernt wurde. Foto: UK

Das Coil vor dem finalen Walzen. Foto: UK

Das Coil vor dem finalen Walzen. Foto: UK

Zunächst muss die sehr unschöne graue Farbe, die sich beim Glühen und Walzen auf der Oberfläche gebildet hat, entfernt werden. Dazu dienen riesige Metallfeilen, die optimal auf die Breite der Bänder abgestimmt sind. In einem weiteren Schritt erfolgt das Feinwalzen. Es ist von entscheidender Bedeutung, denn nur wenn die Dicke des Coils haargenau (und wir sprechen von Toleranzen, die eher einem mehrfach gespaltenen Haar entsprechen!) den Vorgaben entspricht, können Ronden mit dem perfekten Gewicht aus ihm gestanzt werden.

Die exakte Dicke dieser Ronden ist deshalb so wichtig, damit die Münzen von Automaten akzeptiert werden. In jedem Automaten sind nämlich mehrere kleine Geräte installiert, die verschiedene technische Vorgaben überprüfen. Dazu gehört die Dicke und das Gewicht der Münze. So wird an diesem Schritt der Produktion sichergestellt, dass der Münzbenutzer an den Tausenden von Automaten, die in ganz Japan verstreut stehen, das kaufen kann, was er kaufen will.

Ich darf dann noch eine weitere Abteilung besichtigen, die Division of Coin Production, wo aus dem Blank bzw. der Ronde die Münze wird. Herr Matsuzaki führt mich durch die Münzherstellung. Allerdings darf ich dort nicht fotografieren. Aber das ist nicht schlimm. Auch in Japan stehen die üblichen Prägepressen inklusive des berühmten Ringmasters von Schuler. Schließlich ist die japanische Münzstätte zu Recht stolz auf ihr bimetallisches 500 Yen Stück, das zu den fälschungssichersten Münzen der Welt gehört.

Übrigens, sollten Sie nach Hiroshima reisen: Sie können in der Münzstätte von Hiroshima ein Museum besuchen, das interessante Einblick in die japanische Numismatik bietet. Darüber hinaus gibt es vor Ort eine offizielle Verkaufsstelle von japanischen Münzen, die an Werktagen geöffnet ist. Die Adresse lautet:

Japan Mint Hiroshima Branch

3-1, Itsukaichi-Chuo 6-chome,

Saeki-ku, Hiroshima 731-5128

Die Münzstätte befindet sich allerdings nicht im Zentrum von Hiroshima, sondern etwas außerhalb. Man fährt von der Hiroshima Station mit der San-yo Linie zur Itsukaichi Station. Von dort ist es noch einmal ein Fußweg von 20 Minuten

Mehr über die Münzstätte in Hiroshima erfahren Sie auf der Seite der Japan Mint oder über Dive! Hiroshima.

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