263DEUTSCHLAND.
Hamburg,
Silbermedaille o. J. (1696).
Schätzpreis: 2.000 CHF

396DEUTSCHLAND.
Sachsen-Jena,
Taler 1678.
Schätzpreis: 8.000 CHF

714KOREA.
Amulett o. J. (19. Jh.).
Schätzpreis: 5.000 CHF

789NORWEGEN.
Christian IV.,
Speciedaler 1646.
Schätzpreis: 4.000 CHF

823RDR / ÖSTERREICH.
Leopold I.,
10 Dukaten 1668 KB.
Schätzpreis: 120.000 CHF

1058USA.
50 Dollars 1915 S.
Schätzpreis: 40.000 CHF

1429SCHWEIZ.
Luzern,
5 Dukaten 1741.
Schätzpreis: 50.000 CHF

1571SCHWEIZ.
Zürich,
4 Dukaten 1624
Schätzpreis: 15.000 CHF

2360SCHWEIZ.
Solothurn,
Goldmedaille 1890.
Schätzpreis: 7.500 CHF

3696SCHWEIZ.
Zürich,
Halbtaler 1773.
Schätzpreis: 6.000 CHF
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Tokio International Coin Convention (TICC) 2026

Zu Beginn der Golden Week findet jedes Jahr die Tokio International Coin Convention statt. Sie ist die wichtigste Veranstaltung für klassische Numismatik in Japan und gehört zu den zentralen Treffpunkten der Industrie, wenn es um moderne Münzen geht. Ursula Kampmann hat sie besucht.

von Ursula Kampmann

Inhalt

Die TICC wird zeremoniell eröffnet: Das Band durchschneiden Yuji Takeuchi, Präsident der japanischen Münzhändlervereinigung, Naoki Kawamura, Präsident der japanischen Banknotendruckerei, Yasuo Hirai, Präsident der japanischen Münzstätte, und María Isabel Valldecabres Ortiz, Direktorin der spanischen Münzstätte. Foto: UK

Die TICC wird zeremoniell eröffnet: Das Band durchschneiden Yuji Takeuchi, Präsident der japanischen Münzhändlervereinigung, Naoki Kawamura, Präsident der japanischen Banknotendruckerei, Yasuo Hirai, Präsident der japanischen Münzstätte, und María Isabel Valldecabres Ortiz, Direktorin der spanischen Münzstätte. Foto: UK

Japan ist eine eigene Welt mit eigenen Regeln. Die gelten auch für die Tokio International Coin Convention (TICC). Die Veranstaltung ist nicht nur hervorragend organisiert. Die Veranstalter erwarten von all ihren Teilnehmern auch, dass sie sich an die vorgegebenen Spielregeln halten. Die Eröffnung findet also in tiefster Ruhe statt, ohne dass die wartende Menge die feierliche Zeremonie stört. Alle stellen sich überall brav in die Schlange, ganz gleich ob es um eine angebotene Sonderprägung geht oder um die beliebten Lose für die numismatische Lotterie. Niemand drängelt. Die Händler stehen zu den vorgegebenen Zeiten hinter ihren Tischen, keiner bricht vorzeitig auf, sondern alle warten bis zum Schluss der Veranstaltung. Und dann räumt jeder noch seinen eigenen nach Stoffen getrennten Müll weg, bringt ihn zum vorgegebenen Sammelpunkt. Was in Japan selbstverständlich ist, davon träumen viele deutsche Messeveranstalter nur.

Gastland Spanien

Von ihrem Konzept her ist die TICC eine Mischung aus der Berliner World Money Fair, der Münchner NUMISMATA und der World’s Fair of Money der American Numismatic Association. Mit anderen Worten: Hier versammeln sich jedes Jahr Sammler und Händler sowohl von klassischen als auch von zeitgenössischen Münzen; beteiligt sind darüber hinaus die Münzstätten und japanische Sammlervereine, die für ein buntes und attraktives Programm verantwortlich zeichnen.

Dabei gibt es jedes Jahr ein Gastland, dessen Münzstätte nicht nur während der Eröffnung prominent präsent ist, sondern das auch eine Ausstellung mit seinen aktuellen Münzen veranstaltet.

Dieses Jahr war es die Fábrica Nacional de Moneda y Timbre (FNMT), die ganz vorne in der Reihe stand. Münzstättendirektorin María Isabel Valldecabres Ortiz stach farbenfroh und fröhlich aus dem schwarz-weißen Einerlei der Männer hervor, die wie jedes Jahr die TICC eröffneten. Traditionell sind das – neben einem Vertreter des Gastlandes – der Präsident der japanischen Münzhändlervereinigung (Herr Yuji Takeuchi), der Präsident der japanischen Banknotendruckerei (Herr Naoki Kawamura) und der Präsident der japanischen Münzstätte (Herr Yasuo Hirai).

Sammler stürzen in den Saal der TICC. Foto: UK

Sammler stürzen in den Saal der TICC. Foto: UK

Der Run auf die Münzen

Was dann kommt, kennen wir auch von vielen anderen Münzbörsen: Die Sammler stürzen geradezu in den Saal, um sich die schönsten Stücke zum günstigsten Preis zu sichern. Ein hoch interessiertes, numismatisch sehr gebildetes Sammlerpublikum belagert die Stände der Münzhändler. Die können sich über zahlreiche Verkäufe freuen, vor allem im zwei- und dreistelligen Eurobereich, aber auch im fünfstelligen, dann allerdings eher an die japanischen Händler. Die nutzen die Gelegenheit, ihre Lager bei den ausländischen Kollegen aufzufüllen, bevor das Publikum in den Saal strömt.

Großes Interesse japanischer Sammler für die Numismatik. Foto: UK

Großes Interesse japanischer Sammler für die Numismatik. Foto: UK

So ist der Saal eigentlich während der gesamten Veranstaltung vom 1. bis zum 3. Mai durchgehend gut gefüllt. Am Anfang ausschließlich mit den erfahrenen Sammlern; doch je länger es dauert, umso mehr Frauen, Kinder und Familien erobern den Saal. Schließlich liegt das Royal Park Hotel, in dem die Veranstaltung durchgeführt wird, nicht nur verkehrsgünstig, sondern auch in einem sehr beliebten Wohn- und Einkaufsgebiet der gehobenen japanischen Mittelklasse. Viele Passanten lassen sich vom kostenlosen Eintritt dazu verleiten, einfach mal zu schauen, was in diesen Räumen passiert. So mancher von ihnen mag dabei das Münzensammeln als Hobby und Anlagemöglichkeit für sich entdeckt haben.

Die Vertreter der China Gold Coin Corporation im Saal der Münzstätten. Foto: UK

Die Vertreter der China Gold Coin Corporation im Saal der Münzstätten. Foto: UK

Die Veranstaltung teilt sich räumlich in drei große Bereiche. Da ist zunächst der Saal für die Münzstätten mit den Ausstellungen des Gastlandes, der japanischen Münzstätte und der japanischen Banknotendruckerei.

Daibutsu Oban (= Großer Buddha Oban). Foto: UK

Daibutsu Oban (= Großer Buddha Oban). Foto: UK

Vor allem die Ausstellung der japanischen Münzstätte ist immer sehr klein, aber hochkarätig. Schließlich verfügt sie über eine erstklassische Münzsammlung, die sie nicht nur in den Münzstättenmuseen von Osaka und Saitama präsentiert. Sie bringt regelmäßig einige auserlesene Stücke zur TICC.

Bei dem hier abgebildeten Stück handelt es sich um eine besondere Variante des Tensho Oban. Mit dieser speziellen Goldmünze beglich Hideyori Toyotomi wahrscheinlich einen winzigen Teil der Kosten der Errichtung einer in Japan sehr bekannten Buddha-Statue.

Denn auch Kyoto hatte einst eine riesige Buddha-Statue aus Holz, die eine gewaltige Halle schützte. 60.000 Arbeiter schufen das Gebäude mit seinen 49 Metern Höhe, 88 Metern Länge und 54 Metern Breite.

Auftraggeber war Hideyoshi Toyotomi, einer der großen Einiger Japans. Er sah sich während seines Lebens mit vielen Katastrophen konfrontiert. Eine davon war ein gewaltiges Erdbeben, das 1596 seine Statue zerstörte. „Was ist das für ein Buddha, der so leicht bei einem Erdbeben zerbricht?“ soll Hideyoshi gesagt haben.

Sein Sohn Hideyori Toyotomi beseitigte die Schäden und ließ einen neuen Buddha schaffen, diesmal aus Bronze. Der Gigant war 1612 fertig, nur drei Jahre vor dem Angriff des Tokugawa Ieyasu, dem ersten Shogun aus dem Tokugawa-Geschlecht. Er besiegte seinen Konkurrenten Toyotomi Hideyori und zwang ihn, Seppuku zu begehen. Für die Japaner ist dieser Oban also nicht nur einfach eine Goldmünze, sondern ein Zeugnis eines zentralen Ereignisses ihrer Geschichte.

Michael Hardmeier von SINCONA und seine Übersetzerin lauschen aufmerksam den Ausführungen eines japanischen Kunden. Foto: UK

Michael Hardmeier von SINCONA und seine Übersetzerin lauschen aufmerksam den Ausführungen eines japanischen Kunden. Foto: UK

Im zweiten, immer gefüllten Saal sind die Münzhändler aus dem In- und Ausland untergebracht. Nicht nur asiatische Kollegen kommen. Zahlreiche europäische und amerikanische Münzhändler nehmen den weiten (und inzwischen wegen der gestiegenen Flugpreise sehr teuren) Weg auf sich, um bei der Veranstaltung anwesend zu sein. Sie haben dafür einen guten Grund: Japanische Sammler sind dafür bekannt, besonders gerne Münzen im Hochpreissegment zu kaufen. Und deren Verkauf ist für Münzhändler besonders profitabel.

Saal der Münzhändler. Hier die Crew von Heritage. Foto: UK

Saal der Münzhändler. Hier die Crew von Heritage. Foto: UK

So manches Auktionshaus hat daraus die Konsequenz gezogen und in Japan ein eigenes, ständiges Büro eröffnet. Das amerikanische Auktionshaus Heritage zum Beispiel unterhält mitten in Tokio einen Standpunkt, wo sich potentielle Bieter und Einlieferer persönlich und in ihrer Muttersprache beraten lassen können. Natürlich war die Crew auch vor Ort während der TICC anwesend.

In einem weiteren Saal finden die Veranstaltungen statt, die im Rahmen der TICC durchgeführt werden. Hier warten die Sammler, bis sie die regelmäßig während der TICC angebotene Sonderprägung kaufen können, hier hören sie Vorträge der japanischen Münzsammlervereinigung, hier stellen einige Sammler Münzen aus ihrer Sammlung aus.

Am wichtigsten ist aber – wie überall auf der Welt – die Begegnung. Dafür bietet die TICC jede Menge Raum und Zeit. Es ist eine Mischung aus alten und neuen Freunden, die man bei der TICC in Japan trifft.

Wenn auch Sie darüber nachdenken hinzufahren: Für Münzhändler, die einen Tisch wollen, gibt es eine lange Warteliste. Aber lassen Sie sich nicht entmutigen. Hin und wieder wird ein Platz frei. Für Münzstätten ist es etwas einfacher, denn in ihrem Saal hat es noch ein wenig Platz. Für Fachbesucher? Unbedingt! Zögern Sie nicht! Und versäumen Sie auf keinen Fall den heimlichen Treffpunkt des internationalen Münzhandels: Die Launch des Royal Park Hotels im obersten Stock.

Wann die nächste TICC stattfindet? Das wird auf der Website des japanischen Münzhändlerverbandes leider immer relativ spät bekanntgegeben. Aber die Chance ist groß, dass es anfangs der nächsten japanischen Golden Week sein wird, und die beginnt mit dem Showa Tag am 29. April 2027.

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