Täter vor Gericht: Der aktuelle Stand im Fall Manching
von Daniel Baumbach
Die Nachrichten von Diebstahl und Zerstörung des keltischen Münzschatzes von Manching erschütterten die numismatische Welt. Zurzeit stehen die mutmaßlichen Täter vor Gericht. Wie ist der Stand, und gibt es doch noch Hoffnung, einen Teil der Münzen unversehrt zu bergen?
Inhalt
Tathergang
Der 22. November 2022 begann in Deutschland mit einer Schlagzeile: Der Schatzfund von Manching, der größte keltische Goldfund des 20. Jahrhunderts, war gestohlen worden. Die Täter hatten sich in der Nacht zuvor Zugang zum kelten römer museum in Manching verschafft und die 483 boischen Muschelstatere sowie den Inhalt anderer Vitrinen gestohlen. Dafür brauchten sie nur 9 Minuten. Vorher hatte sich einer von ihnen Zugang zu einem Telekom-Verteilerhäuschen verschafft und Glasfaserkabel durchtrennt, wodurch nicht nur tausende Haushalte ohne Internet und Telefon waren, sondern auch der Alarm des Museums nicht die Polizei erreichte.
Verfolgung mit großem Aufgebot
Während die Museumswelt diskutierte, wie man sich vor solchen Taten schützen kann, wollte man in Bayern die dreiste Tat nicht auf sich sitzen lassen. Die zuständigen Polizeibehörden richteten sofort eine fünfundzwanzigköpfige Sonderkommission („SOKO Oppidum“) ein, die keinen Stein auf dem anderen ließ. Im Umfeld des Museums und am Boden eines nahegelegenen Teichs konnten verschiedene Gegenstände sichergestellt werden, die mit der Tat in Verbindung standen, darunter Brechstangen. Darauf gefundene DNS-Spuren waren für die weiteren Ermittlungen von entscheidender Bedeutung.

Der Tatort: Das kelten römer museum manching. Gegen halb 2 in der Nacht hebelten die Täter zwei verriegelte Türen sowie die Bodenvitrine mit dem Keltenschatz von Manching auf und entwendeten den größten im 20. Jahrhundert bei Grabungen gefundenen keltischen Goldfund. Foto: © Heinrich Stürzl / CC BY-SA 4.0
Worst Case
Im Juli 2023 konnte ein Erfolg vermeldet werden: vier Verdächtige waren festgenommen worden. Doch gleichzeitig verbreitete sich eine Hiobsbotschaft: Statt des Schatzes fand man bei ihnen 18 Goldklumpen. Eine erste Analyse und ein späteres numismatisches Fachgutachteten bestätigten: es handelte sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um einen Teil des Schatzes, der eingeschmolzen worden war.
Prozess
Seit Januar 2025 stehen die Tatverdächtigen, die seitdem in Untersuchungshaft saßen, in Ingolstadt vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft legt ihnen schweren Bandendiebstahl in Tateinheit mit gemeinschädlicher Sachbeschädigung und Störung von Telekommunikationsanlagen zur Last.

Laut Google interessieren sich besonders viele Suchanfragen dafür, ob die Täter einen Migrationshintergrund haben. Den haben Jörn, Maximilian, Robert und Alexander nicht
Es handelt sich um drei Männer aus Mecklenburg-Vorpommern und einen aus Berlin, sie sind zwischen 43 und 51 Jahren alt. Jörn, Maximilian, Robert und Alexander heißen sie mit Vornamen. Im Gegensatz zu Berlin und Dresden steckt kein Clan hinter der Tat, wohl aber eine waschechte Diebesbande.
Ihnen wird nicht nur der Einbruch in Manching vorgeworfen. In den vergangenen 15 Jahren sollen sie 31 Einbrüche in ganz Deutschland und in Österreich begangen haben. Darauf deuten DNS-Spuren hin. Das Vorgehen war dabei stets ähnlich. Unter anderem wurden immer wieder Glasfaserkabel gekappt und Störsender eingesetzt, um Alarmanlagen auszuschalten. Dabei hatten sie es meist auf Supermärkte und Tankstellen abgesehen. Damit sind sie lange durchgekommen – bis sie sich das Museum als Ziel ausgesucht haben. Wahrscheinlich haben sie unterschätzt, welche Mittel das brüskierte Bayern aufwenden würde, um die Täter hinter Schloss und Riegel zu bringen.
Noch ist der Prozess in vollem Gange, auch am heutigen 13. März ist ein Verhandlungstermin angesetzt. Bisher hat sich keiner der Angeklagten zu den Vorwürfen geäußert. Auch wenn der Prozess inzwischen vom Museumseinbruch zur Untersuchung den anderen Taten übergegangen ist, sind viele Fragen bezüglich Manching weiterhin offen.
Hoffnung für den Schatz?
Eine entscheidende ungeklärte Frage ist die vom Verbleib des Schatzes. Die sichergestellten 18 Goldklumpen sollen aus etwa 70 Münzen bestehen. Das Schicksal der restlichen ca. 400. Münzen ist bislang weiterhin ungeklärt. Sie könnten ebenfalls bereits eingeschmolzen worden sein oder noch irgendwo versteckt sein. Die Angeklagten schweigen auch dazu bisher eisern. Ein Verteidiger argumentierte, dass die Zusammensetzung des Goldes noch kein Beweis sei, dass es sich bei den Klumpen um die Überreste der Münzen handelt. Daniela Olivares zitiert ihn auf BR24: „Die Goldzusammensetzung war in dieser Zeit in Kleinasien sehr gebräuchlich. Da finden sich die verschiedenen Gegenstände mit der gleichen Zusammensetzung.“
Manchings Bürgermeister Herbert Nerb und auch wir hoffen, dass ein Teil des Schatzes doch noch wiedergefunden werden kann. Er wird im gleichen Artikel wie folgt zitiert: „Wenn sie sagen, wo der Schatz ist und dafür ein oder zwei Jahre weniger bekommen, ist mir das lieber, als wenn wir den Schatz nicht mehr bekommen. Auch wenn es gegen meine Prinzipien geht.“
Für den Prozess sind bis in den Juni hinein Verhandlungstage angesetzt. Mit einem Urteil ist im Sommer zu rechnen.
Details zum aktuellen Stand hat der BR in einem Artikel zusammengestellt.
Hier finden Sie unsere ursprüngliche Meldung zum Diebstahl.
… hier finden Sie eine allgemeine Einordnung von Dr. Susanne Sievers…
… und hier einen Text zur Fundbergung von Dr. Matthias Leicht.
Hier informiert die Polizei Bayern über Tathergang und weitere Einbrüche der Gruppe.
Die Website des kelten römer museum, das inzwischen wieder geöffnet ist, finden Sie hier.
Vor einem Jahr berichteten wir über die Einbruchswelle in deutschen Museen.
Im November 2024 wurden zwei französische Museen an zwei Tagen hintereinander ausgeraubt.