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Temple Tokens der Sikh

Nicht alles, was rund ist, ist eine Münze oder Medaille. Wir zeigen Ihnen numismatische Objekte, die gleichzeitig als Geld, Opfergabe und Amulett dienten. Sie wurden von gläubigen Sikhs gekauft. Hier erfahren Sie mehr über ihren religiösen Hintergrund.

von Ursula Kampmann

Inhalt

Für Christen ist es das Kreuz, für Muslims die Hand Fatimas und für die Sikh sind es die Gurus, die sie in ihrem Alltag begleiten und beschützen. Ihre Darstellung findet sich häufig auf den so genannten Temple Tokens, deren Aussehen an mittelalterliche Brakteaten erinnert. Sie werden immer wieder in numismatischen Auktionen angeboten, so zum Beispiel in der kommenden Auktion der Leipziger Münzhandlung und Auktion Heidrun Höhn, die vom 27. bis zum 31. Mai stattfindet. Sie enthält – unter anderem – eine umfangreiche Sammlung von numismatischen Objekten aus Indien. Unsere beiden Beispiele für Temple Tokens der Sikh stammen aus dieser Auktion.

Indien. Temple Token. Vorzüglich. Schätzung: 120 Euro. Aus Auktion Leipziger Münzhandlung 110 (27.-31. Mai 2026), Nr. 1051

Indien. Temple Token. Vorzüglich. Schätzung: 120 Euro. Aus Auktion Leipziger Münzhandlung 110 (27.-31. Mai 2026), Nr. 1051

Was ist auf dem Temple Token zu sehen?

Das Tempel Token ist dem ersten Guru der Sikh namens Nanak gewidmet. In der Literatur finden wir häufig den erweiterten Namen Guru Nanak Dev. Dabei steht „Guru“ für die Rolle des Lehrenden, das Attribut „Dev“ gehört in den religiösen Bereich und wird für Menschen von großer Heiligkeit und spiritueller Autorität verwendet. Guru Nanak Dev lebte von 1469 bis 1539. Er steht im Zentrum einer Szene, die uns immer wieder als Abbildung bei den Sikh begegnet. Sie zeigt, wie Nanak heilige Männer empfängt.

Im Zentrum sitzt Nanak auf dem Boden. Er trägt zum Zeichen seiner Heiligkeit einen Nimbus und wird von Sonne und Mond begleitet. Seine rechte Hand hat er im Gestus des Lehrens erhoben. Das Objekt in seiner linken Hand ist ungedeutet. Hinter Nanak steht sein Jünger Bhai Bala, der mit einem Fliegenwedel Ungeziefer verscheucht. Zu den Füßen des Heiligen sitzt sein Jünger Bhai Mardana, der auf der Rabab spielt. Gegenüber diesem Trio sitzt ein nach Weisheit Suchender. Sehr ungewöhnlich ist die Darstellung des Hundes in diesem Zusammenhang. Vielleicht bezieht sie sich auf den Vergleich des Gläubigen mit einem Hund, den ein späterer Guru der Sikh formulierte: Wilde Hunde leben ohne Herren und Regeln, sind deshalb schmutzig und anarchisch. Ganz anders der loyale Haushund, der eine Bereicherung darstellt. Genauso ist der Unterschied zwischen einem Gläubigen, der einem Meister folgt und dem Ungläubigen.

Guru Nanak Dev zwischen seinen beiden Jüngern. Aquarell des späten 19. Jahrhunderts. Victoria und Albert Museum

Guru Nanak Dev zwischen seinen beiden Jüngern. Aquarell des späten 19. Jahrhunderts. Victoria und Albert Museum

Wer war Nanak?

Nanak wurde 1469 n. Chr. als Sohn von Händlern geboren, die im Gebiet des heutigen pakistanischen Punjab lebten. Seine Eltern praktizierten den hinduistischen Glauben, aber Nanak lehnte – vielleicht auf muslimischen Einfluss – die vielen Götter ab. Göttliche Stimmen sollen ihm befohlen haben, an den einen Gott zu glauben, Barmherzigkeit und Reinheit zu üben, das Dienen zu lernen und Andacht zu halten. Nanak sah sich als eine Art Prophet seines Gottes, der nicht von anderen, sondern direkt von der göttlichen Macht lernte. Nanak wanderte durch ganz Indien und die muslimische Welt, soll sogar bis nach Mekka gekommen sein. Sein bekannteste Zitat betont die verbindenden Elemente des Glaubens: „Es gibt keine Hindus, es gibt keine Muslims, es gibt nur Geschöpfe Gottes.“

Nanak gilt als Autor von 974 Hymnen, die zur religiösen Basis des Sikhismus wurden.

Im Alter von 55 Jahren soll er sich in Kartapur niedergelassen haben, wo er bis zu seinem Tod lebte. Er ernannte noch einen Nachfolger, ehe er 1539 im Alter von 70 Jahren starb.

Was ist ein Temple Token?

Temple Tokens gibt es nicht nur in den Heiligtümern der Sikh. Sie sind in ganz Indien verbreitet. Dort stellte man sie bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts her. Da sie häufig den Gott Rama abbildeten, werden sie auch Ramatankas genannt.

Die Funktion der Temple Tokens ist vielschichtig. Sie waren – vor allem wenn sie aus Edelmetall hergestellt sind – eine Kombination von Geld, das ein Tempel im Namen seines Gottes ausgegeben hatte, Opfermünze und Amulett. Der Gläubige konnte im Tempel so ein Token erwerben, wobei es ihm damit freistand, wie er es nutzen wollte. Vielleicht setzte er es im Tempel für Opfergaben ein, nahm es als Amulett mit nach Hause, wo er es selbst trug oder verschenkte. Wenn es aus Edelmetall war, konnte es natürlich auch außerhalb des Tempels als Tauschmittel dienen. Die scharfen Grenzen, die wir heute zwischen Münze und Nicht-Münze ziehen, sind sowieso modern und für frühere Epochen nicht alltagstauglich.

Noch heute können Pilger Temple Tokens erwerben. Sie dienen als Souvenirs oder Geschenke zu Diwali. So mancher indische Händler bietet darüber hinaus Repliken antiker Ramatankas für Touristen an.

Indien. Temple Token. Vorzüglich. Schätzung: 200 Euro. Aus Auktion Leipziger Münzhandlung 110 (27.-31. Mai 2026), Nr. 1056

Indien. Temple Token. Vorzüglich. Schätzung: 200 Euro. Aus Auktion Leipziger Münzhandlung 110 (27.-31. Mai 2026), Nr. 1056

Was ist ein Temple Token wert

Trotz ihrer interessanten Darstellungen sind Temple Tokens im Verhältnis relativ günstig. Selbst so seltene und schön gestaltete Objekte, wie sie die Leipziger Münzhandlung anbietet, bewegen sich im unteren dreistelligen Bereich. Der Preis hängt dabei stark vom Alter und vom Material der Tokens ab. Die Erhaltung spielt natürlich auch eine Rolle. Messing-Tokens kann man bereits ab 50 Euro erwerben. Seltene Tokens aus Gold erzielen in Auktionen bis zu einem mittleren vierstelligen Betrag.

Temple Tokens sind ein günstiges, vielseitiges und spannendes Einstiegsgebiet für Sammler, die sich für indische Kultur interessieren.

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263DEUTSCHLAND.
Hamburg,
Silbermedaille o. J. (1696).
Schätzpreis: 2.000 CHF

396DEUTSCHLAND.
Sachsen-Jena,
Taler 1678.
Schätzpreis: 8.000 CHF

714KOREA.
Amulett o. J. (19. Jh.).
Schätzpreis: 5.000 CHF

789NORWEGEN.
Christian IV.,
Speciedaler 1646.
Schätzpreis: 4.000 CHF

823RDR / ÖSTERREICH.
Leopold I.,
10 Dukaten 1668 KB.
Schätzpreis: 120.000 CHF

1058USA.
50 Dollars 1915 S.
Schätzpreis: 40.000 CHF

1429SCHWEIZ.
Luzern,
5 Dukaten 1741.
Schätzpreis: 50.000 CHF

1571SCHWEIZ.
Zürich,
4 Dukaten 1624
Schätzpreis: 15.000 CHF

2360SCHWEIZ.
Solothurn,
Goldmedaille 1890.
Schätzpreis: 7.500 CHF

3696SCHWEIZ.
Zürich,
Halbtaler 1773.
Schätzpreis: 6.000 CHF