Numismatisches Networking in Tokio
Die MünzenWoche hat ein Netzwerk-Event in Tokio unterstützt. Gastgeber des Empfangs war der Numismatiker und stellvertretende deutsche Botschafter in Japan, Martin Huth. Alle genossen den wunderbaren Abend, der internationale und japanische Münzbegeisterte enger zusammenbrachte.
von Ursula Kampmann
Inhalt
Nichts verbreitet die Kultur eines Landes effektiver als die eigene Münzprägung. Münzen werden damit zu Botschaftern der Nationen, aus denen sie stammen und entfalten ein diplomatisches Potential. Dazu passt, dass Martin Huth als Sammler und renommierter Autor im Bereich der Numismatik nicht nur in der langen Tradition numismatisch interessierter Diplomaten steht, sondern auch weiß, wie die Liebe zu diesen Zeugnissen der Geschichte Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern verbinden kann.
Als er die MünzenWoche anfragte, ob wir ein numismatisches Netzwerk-Event unterstützen würden, gab es deshalb nicht allzu viel zu überlegen. Im Gegenteil: Wir fühlten uns geehrt. Und wie sich zeigte, boten die Räume seiner Residenz einen äußerst ansprechenden Rahmen für den Empfang, das anschließende Abendessen und viele anregende numismatische Gespräche.

Ein Blick in den japanischen Garten der deutschen Botschaft, im Hintergrund der Glockenturm. Foto: Martin Huth
Auf historischem Boden
Eine deutsche Botschaft gibt es in Tokio seit 1871. Der preußische Konsul Max von Brandt, selbst ein begeisterter Sammler, wurde nach der Reichsgründung der erste deutsche Chefdiplomat in Japan. Er hatte viel zu tun, da sich nach der Iwakura-Mission (1871-1873) das Verhältnis zwischen beiden Nationen intensivierte.
Seit damals teilte die deutsche Botschaft das Schicksal Tokios: Sie wurde dreimal völlig zerstört – zweimal durch die großen Erdbeben von 1894 und 1923, einmal durch die Bomben, die am 26. Mai 1945 die Hauptstadt zerstörten.
Seit 1956 ist die deutsche Botschaft im Bezirk Minami-Azabu angesiedelt, in dem sich auch viele andere Auslandsvertretungen befinden. Berühmt ist ihr Garten, der bereits lange vor dem Bau der Botschaft existierte. Ein kunstliebender Politiker namens Koizumi Sakutarōs (1872–1937) verwirklichte sich hier seinen Traum mit einem japanischen Landschaftsgarten. Dazu gehören ein antikes Teehaus, zahlreiche historische Steinfiguren und ein Glockenturm aus den 1950er Jahren. Der enthält die vom japanischen Metallkünstler Masahiko Katori 1958 angefertigte Glocke, die der Automobilhersteller Magokichi Yamaoka als Zeichen der Deutsch-Japanischen Freundschaft stiftete. Sie trägt ein Zitat Goethes: „Die Töne verhallen, aber die Harmonie bleibt.“ Wie passend für diesen Ort der Begegnung!

Stellvertretender Botschafter Martin Huth begrüßt seine Gäste. Foto: Goto Kahei
Begrüßung durch Martin Huth
Zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland kamen zum Empfang. Der stellvertretende Botschafter Martin Huth begrüßte Gäste aus mehr als 20 Ländern, unter ihnen zahlreiche bedeutende japanische Sammler, ein ehemaliger Minister, viele Händler aus Japan, Asien, Europa und USA, nicht zu vergessen Angehörige des diplomatischen Korps, die verblüfft waren über die zentrale Bedeutung Deutschlands für den internationalen Münzhandel.

Herr Yasua Hirai, Präsident der japanischen Münzstätte, spricht das traditionelle Kanpai, mit dem ein Fest eröffnet wird. Foto: Goto Kahei
Kanpai: Yasua Hirai eröffnet die Veranstaltung
Eine besondere Ehre war es, dass der Präsident der japanischen Münzstätte, Yasua Hirai, mit seinem Stellvertreter, Motohiko Sato, und einigen Mitgliedern des Teams eigens vom Hauptsitz in Osaka zu diesem Empfang kam, um das traditionelle Kanpai auszusprechen.
Die japanische Münzstätte ist Deutschland seit Jahren eng verbunden. Sie gehört zu den regelmäßigen Ausstellern auf der World Money Fair, wo sie immer einen ganz besonderen Kleinmünzensatz anbietet.

Ulrich Künker spricht über die Imperial Collection. Foto: Goto Kahei
Ulrich Künker stellt die Imperial Collection vor
Co-Sponsor des Abends war das Osnabrücker Auktionshaus Künker, das die Gelegenheit nutzte, um Stücke aus der Imperial Collection vorzustellen. Sie ist ein bemerkenswertes Zeugnis für die deutsche Geschichte des 19. Jahrhunderts: Die Münzen stammen aus dem Besitz eines preußischen Königs, Friedrich Wilhelm III., und des ersten deutschen Kaisers, Wilhelm I. Für Japan hat diese Sammlung eine besondere Bedeutung. Die diplomatischen Beziehungen vor allem zu Wilhelm I. waren eng. Er empfing mehrfach die japanischen Gesandten, die Europa bereisten, um nach Anregungen für den Umbau ihres Landes zu suchen. Das deutsche Reich wurde nach der Rückkehr der Iwakura-Mission im Jahr 1873 zum Vorbild des japanischen Aufbruchs.

Ursula Kampmann spricht über die völkerverbindende Wirkung der Numismatik. Foto: Goto Kahei
Münzbegeisterte als informelle Botschafter ihres Landes
Natürlich erhielt auch ich als Sponsor die Gelegenheit, ein paar Worte zu sagen. Gerne habe ich die Chance genutzt, Dinge auszusprechen, die mir seit Jahren am Herzen liegen, nämlich die völkerverbindende Wirkung der Numismatik zu preisen. Mein Dirndl hatte ich zu Ehren von Yukino Shinhara anzogen. Sie war die erste Japanerin, die ich im Jahr 2010 näher kennenlernen durfte. Ins Gespräch kam ich mit der Gattin des damaligen japanischen Münzstättendirektors wegen ihres wunderschönen Kimonos, den sie zum Gala-Dinner der MDC trug.
Am Ende dieses Artikels finden Sie den kompletten Text meiner (nicht sehr langen) Rede.
Rede anlässlich des Empfangs beim stellvertretenden Botschafter Deutschlands in Tokio
Liebe Münzbegeisterte, liebe Kollegen, liebe Freunde,
es macht mich sehr glücklich, dass wir hier in Tokio die Chance haben, uns in diesem Rahmen zu treffen. Ich möchte unserem Gastgeber Herrn Huth herzlich dafür danken, dass er die Idee für dieses Treffen hatte, und dass er der MünzenWoche die Möglichkeit gegeben hat, Teil dieses Events zu sein. Ich gebe zu, ich hatte auch ganz private Gründe sofort zuzusagen. Ich wollte schon immer den berühmten japanischen Garten der deutschen Botschaft sehen!
Denn ich bin fasziniert, ja geradezu verliebt in die japanische Kultur. Mich fasziniert die Ästhetik der japanischen Objekte, diese Konzentration selbst auf kleinste Details. Wissen Sie, wo ich meine allererste Begegnung mit Japan hatte? Nicht in Japan, sondern im australischen Canberra. Dort fand 2010 die erste Mint Directors Conference statt, an der ich teilnehmen durfte. Das war für mich ein großes Abenteuer. Alles war neu, ich kannte niemanden aus der Welt der Münzstätten und der Münztechniker. Aber ein Gesicht habe ich mir sofort gemerkt, und zwar das der Gattin des japanischen Münzstättendirektors, die während des Gala-Dinners einen wunderschönen Kimono trug.
Sie fiel durch ihre Tracht sofort auf. Jeder wusste nach diesem Abend, wer sie war und dass sie zur Delegation der japanischen Münzstätte gehörte. Ich fand das großartig. Es gibt so wenig Länder, die einen so unkomplizierten Umgang mit ihrer eigenen Tradition haben. In meinen Augen ist es das Zeichen einer starken Identität, nicht nur eine Tracht zu besitzen, sondern sie auch zu tragen.
Ich kenne das aus meiner Heimat. In Bayern haben wir ebenfalls eine schöne Tracht und eine enge Verbindung zu unseren Wurzeln. Ich habe mich deshalb entschieden, im Andenken an diese wunderbare Frau, die für mich damals durch ihren Kimono zu einer Botschafterin Japans wurde, meine eigene Tracht zu tragen und damit hier in Japan ein klein bisschen zur Botschafterin Deutschlands zu werden.
Denn wir alle, die wir in Sachen Numismatik unterwegs sind, werden immer wieder zu Botschaftern unseres Landes. Wenn ich an Japan denke, dann denke ich nicht an Kimonos, Gärten oder Karaoke, sondern an die lächelnden Gesichter meiner japanischen Freunde, die ich im Zeichen der Numismatik kennenlernen durfte.
Das geht mir mit vielen Ländern so. Denn die Numismatik hat das Potential, Menschen zu verbinden. Wir alle kommen aus unterschiedlichen Ländern. Wir treffen Kollegen und Münzbegeisterte aus anderen Ländern. Für sie werden wir und sie werden für uns zu Botschaftern unseres Landes. Unsere Münzen bringen uns gegenseitig die Geschichte und die Kultur unserer verschiedenen Heimaten nahe.
Deshalb halte ich es, ehrlich gesagt, für sehr angemessen, wenn wir uns auf dem Boden einer Botschaft treffen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie heute einen schönen Abend miteinander verleben und im Zeichen der Numismatik viele neue Freundschaften schließen werden.


























