Numisfero setzt die Tradition des numismatischen Verona fort
Die berühmte Veronafil zieht nach Bologna um. Endet damit die numismatische Tradition der Veroneser Sammlermessen? Nein. Denn einige Münzbegeisterte haben mit Numisfero eine neue Veranstaltung ins Leben gerufen.
von Ursula Kampmann
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Wohl nur die wenigsten sind sich bewusst, wie viel Begeisterung und Enthusiasmus dazu gehören, eine Münzbörse durchzuführen. Denn die Zeiten, in der Münzbörsen wie bessere Flohmärkte aussahen, sind vorbei. Wer heute eine internationale Münzbörse plant, muss sich mit einem Sicherheitskonzept, den steigenden Kosten für den professionellen Messebau und dem fehlenden Verständnis vieler Münzhändler, hohe Preise für einen Stand zu zahlen, auseinandersetzen. Gerade große Veranstaltungen beinhalten außerdem ein hohes finanzielles Risiko, das gerade Münzsammlervereine – früher häufig die Veranstalter einer Messe – nicht mehr stemmen können. Das heißt, dass immer mehr Messen in die Kontrolle professioneller Messeveranstalter übergehen.
Das hat Vor- und Nachteile. Professionelle Messeveranstalter sind auf der einen Seite geschult darin, Kosten zu minimieren und belastbare Budgets zu erstellen. Sie wissen, wie man mit den Messebüros verhandelt und bei welchem Messebauer man mit Rabatt rechnen kann. Auf der anderen Seite fehlt ihnen das Verständnis für die Bedürfnisse der Sammler.
Es ist also sehr sinnvoll, wenn sich professioneller Messeveranstalter und Münzbegeisterte zusammentun, um die Münzenmessen der Zukunft zu gestalten. Das geschieht gerade in Italien.
Warum es die Veronafil nicht mehr in Verona gibt
Verona ist unter Münzhändlern geradezu ein legendärer Standort. Jahrzehntelang galt die Veronafil als eine der verkaufsstärksten Sammlermessen Europas. Hunderte von Ausstellern trafen sich zweimal im Jahr in Verona, um Sammlern ihre Ware anzubieten. Ähnlich wie die Prager Sberatel setzte man in Verona auf ein gemischtes Konzept, bei dem die Numismatik durch Briefmarken, Postkarten und andere Sammelobjekte ergänzt wird.
Mit welchen Schwierigkeiten die Veranstalter, die Associazione Filatelica Numismatica Scaligera zu kämpfen hatte, erfuhr die breite Öffentlichkeit im Mai 2025, als sich ihr Präsident Enrico Meliadò an Aussteller und Besucher wandte. Roberto Ganganelli schrieb darüber am 13. Juni 2025 in der Cronaca Numismatica. Er berichtete, dass der Vertrag zwischen Verein und Messebehörde zum 31. Dezember 2024 ausgelaufen sei. Daraufhin habe man bis zum 19. März 2025 auf den neuen Vertragsentwurf gewartet. Zwei Monate vor Beginn des Frühjahrsevents teilte die Messebehörde mit, dass sich die Aufbaukosten um 35% erhöht hätten. Damit war jede Kostenkalkulation hinfällig. Der Verein erwog und verwarf eine Absage der Veronafil. Man sah sich den Händlern, die so viele Jahrzehnte der Veranstaltung die Treue gehalten hatten, verpflichtet. Die Behörde setzte ihre Erhöhung auf immer noch problematische 20% fest – und der Verein schrieb 2025 ein schmerzhaftes Defizit.
Man kann verstehen, dass die Associazione Filatelica Numismatica Scaligera nach einer anderen Lösung suchte. An dieser Stelle kommt ein professioneller Messeveranstalter mit mehr als 35 Jahren Erfahrung in Spiel, der seit 2026 die Veronafil verantwortet. Wie gesagt, professionelle Messeveranstalter haben Vor- und Nachteile. Sie arbeiten mit vielen Partnern zusammen. Das musste auch die Messebehörde von Verona lernen: Die 143. Veronafil wird deshalb nicht in Verona, sondern vom 26. bis 28. November 2026 in Bologna stattfinden.
Bologna ist auch eine schöne Stadt. Sie liegt weiter südlich in Italien, etwa anderthalb Stunden auf der Autobahn mit dem Auto oder eine gute Stunde mit dem italienischen Frecciarossa von Verona entfernt. Damit stellt sich die Frage, ob die Veranstaltung ihr Klientel an den neuen Veranstaltungsort mitnehmen kann oder vor Ort ein neues Zielpublikum gewinnen wird.

So könnte der Saal der ersten Ausgabe der Numisfero in Verona aussehen. Skizze ©Numisfero.
Numisfero: Eine neue Messe am alten Ort
Anscheinend war die Messebehörde von Verona gar nicht glücklich über den Weggang der prestigeträchtigen Veronaphil. Wie sonst könnte man es sich erklären, dass es jetzt eine neue Veranstaltung für Sammler gibt, die vom 10. bis zum 12. Dezember 2026 in Verona stattfinden wird. Verantwortlich zeichnet Axcolta SRL – ebenfalls ein professioneller Event-Veranstalter. Er hat mit Abafil Milano und besonders mit Annalisa Garretto einen Partner gewonnen, der nicht nur in der numismatischen Welt hervorragend vernetzt ist, sondern auch gute Ideen einbringt, um ein junges Publikum zu gewinnen.
Denn Numisfero will mehr sein als eine reine Verkaufsveranstaltung. Man will die Gemeinschaft der Sammler wieder in den Mittelpunkt stellen, den Nachwuchs fördern und so das gesamte Universum des Sammelns im Messegelände bündeln. Dort soll es nicht nur um Kaufen und Verkaufen gehen, sondern vor allem um die Begegnung und den Austausch zwischen Münzenthusiasten. Auf Basis dieses Konzepts wurde entschieden, 2026 keinen Eintritt zu erheben.
Was wird auf der Numisfero zu sehen sein?
Auch wenn die neue Veranstaltung nicht mehr das „[Verona]phil„, sondern das „Numis[fero]“ im Namen trägt, will sie sich nicht allein auf die Numismatik konzentrieren, sondern viele Sparten des Sammelns bedienen. So liest man, dass folgende Sammelgebiete eigene Abteilungen haben werden:
- Münzen und Medaillen – wozu auch alle anderen Formen von Zahlungsmittel gehören
- Philatelie und Postgeschichte – Briefmarken, historische Korrespondenz und Autographen
- Postkarten und visuelle Zeugnisse der Vergangenheit – also neben Postkarten Leporellos, Alben, historische Fotografien und vieles mehr
- Zeitgenössisches Sammeln – dazu gleich mehr
- Dienstleister wie Grading, Konservierung und Verlage
Wir sind gespannt, ob es gelingen wird, all diese Zielgruppen mit ins Boot zu holen und für sie ein attraktives Rahmenprogramm anzubieten. Potential zum Wachsen gäbe es, denn nie war das Sammeln weiter verbreitet als heute – auch wenn junge Menschen eher andere Dinge sammeln als ihre Eltern und Großeltern. Da reichen die Sammelgebiete vom (selbstverständlich ungebrauchten) Sneaker über Pokémons zur Bratz-Puppe mit UnBoxing Erlebnis. Während Marken wie Pullip, Blythe und Labubu unter den Jugendlichen einen Hype nach dem anderen auslösen, gibt es für Sammler dieser Objekte bis heute keinen Ort, wo sie passende Händler treffen können.
Die italienische Tradition einer anspruchsvollen Sammlerbörse
Auch in Sachen Rahmenprogramm hat Numisfero hohe Ansprüche. Geplant sind eine Fülle von Aktivitäten, die sich an erfahrene Münzsammler richten, aber fast noch mehr an junge Menschen. Annalisa Garretto schickte mir eine kurze Übersicht, was die neue Messe alles enthalten wird, und wie man sich von einer reinen Verkaufsveranstaltung unterscheiden will:
- Konferenzarena: Eine eigens dafür eingerichtete Bühne, auf der Branchenexperten und Wissenschaftler Vorträge zu einer Vielzahl spannender Themen halten.
- Jugend-Videowettbewerb: Dieser in der Arena übertragene Wettbewerb stellt junge Sammler in den Mittelpunkt und bietet eine einladende Plattform, um die nächste Generation zu begeistern und neue Gesichter für die Community zu gewinnen.
- Interaktiver Workshop: Dieser Workshop richtet sich an Familien und alle Generationen und widmet sich der Wiederentdeckung der Kunst traditioneller handgeschriebener Postkarten und Weihnachtskarten.
- Ausstellungsrundgang: Eine beeindruckende visuelle Reise, präsentiert auf großformatigen Tafeln, führt die Besucher durch eine reichhaltige historische und künstlerische Erzählung.
Wir dürfen gespannt sein, ob dieses neue Konzept dem traditionsreichen Messort Verona neues Leben einhaucht. Dass Stadt und Region die Herausforderung erkannt haben, zeigt die Tatsache, dass die Region Veneto die Messe Numisfero bereits Anfang September als eine Veranstaltung „di rilevanza internazionale“ qualifiziert hat, wie aus dem Amtsblatt der Region Venetien 119 vom 4. September 2026 hervorgeht. Das ist zwar noch keine Zusage für Fördergelder, erleichtert aber ihre Beantragung enorm.
Konkurrenz oder Zusammenarbeit?
Damit finden innerhalb von zwei Wochen zwei ambitionierte numismatische Events in Italien statt. Ich kenne den italienischen Markt nicht gut genug, um die Aussichten der beiden Münzbörsen zu beurteilen. Ich möchte diesen Artikel deshalb mit Worten beschließen, die ich mir bei einem erfahrenen italienischen Kollegen ausgeliehen habe. Roberto Ganganelli ordnet die Situation folgendermaßen ein: „Ich möchte jedoch nicht spekulieren, welche der beiden Messen, Veronafil und Numisfero, die Oberhand gewinnen wird. Erstens, weil man den beiden professionell strukturierten und organisierten Messen nur den größtmöglichen Erfolg wünschen kann (was letztendlich auch der Erfolg der gesamten Branche ist). Und zweitens, weil ich, wie Tausende andere Enthusiasten, dem Duo „Verona-Veronafil“ verbunden bin, aber überzeugt bin, dass Wandel und Innovation zum natürlichen Lauf der Dinge gehören und dass in einer Branche wie der unseren, die nicht mehr die Glanzzeiten vergangener Jahrzehnte erlebt, die Zufuhr neuer Energie und qualifizierter Organisatoren nur von Vorteil sein kann.“
Dem kann man eigentlich nichts hinzufügen: Wir wünschen beiden Veranstaltern zufriedene Aussteller und begeisterte Besucher.



aus einem alten Händlerlager
Mecklenburg-Schwerin.
2 Mark 1876.
Erstabschlag. Stempelglanz.

Bayern.
Geschichtsdoppeltaler 1848.
Sehr selten.
Vorzüglich.

Bayern.
Geschichtsdoppeltaler 1849.
Vorzüglich bis Stempelglanz.

Mainz.
Dukat 1795.
Vorzüglich bis Stempelglanz.

Goldmedaille o. J. (1768), von J. Kirk und T. Wyon jun.
Auf die Ernennung des Herzogs William Frederik
von Gloucester zum Kanzler der Universität Cambridge.
Äußerst selten. NGS MS60, fast Stempelglanz.

Goldmedaille 1825, von F. Gayrard.
Auf die Krönung von Charles X.
Äußerst selten. Kleiner Randfehler und Kratzer,
vorzüglich bis Stempelglanz.

Dukat 1659, Nürnberg.
Sehr selten.
Vorzüglich bis Stempelglanz.





















