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Frühislamische Kupfermünzen

Nikolaus Schindel hat 2025 eine Sylloge frühislamischer Kupfermünzen nach der Reform von 77 AH veröffentlicht. Bei Spezialisten ein hoch willkommenes Buch! Es zeigt, was Numismatik im besten Fall sein kann.

von Ursula Kampmann

Inhalt

Es gibt verschiedene Formen, wissenschaftliche Numismatik zu betreiben. Die Sylloge-Bände sind eine der ältesten. Hinter ihnen steckt die Idee, der Forschung Material zur Verfügung zu stellen, mit dem sie weiterarbeiten kann. Vor allem im Bereich der griechischen Münzen waren die Sylloge-Bände ein zentrales Werkzeug. Sie lieferten das für Stempeluntersuchungen notwendige Material. Leider beschäftigen sich heute immer weniger Numismatiker mit aufwändigen Stempel- und Typenkatalogen. Fundmünzen zu publizieren, liefert nun mal die schnelleren Ergebnisse. Dazu hat das Internet mit seinen digitalen Bildern und Bestimmungen die Idee der Sylloge in den Hintergrund gedrängt.

Es ist also durchaus programmatisch zu verstehen, wenn Nikolaus Schindler einen anderen Weg geht. Er hätte sein Werk auch einfach als Monographie bezeichnen können. Schließlich versammelt er darin nicht nur knapp 1.500 frühislamische Bronzemünzen, die nach der Reform von 77 AH (= 696/7 n.u.Z.) geprägt wurden, sondern liefert auch noch auf mehr als 150 Seiten eine wissenschaftliche Diskussion. Trotzdem stellt der Autor mit seinem Buch der von Lutz Ilisch initiierten Reihe der Sylloge Numorum Arabicorum Tübingen den ersten Band seiner Sylloge Nummorum Arabicorum Österreich an die Seite. (Und ja, der Unterschied in der Schreibweise ist korrekt!)

Auf diese Weise stellt Nikolaus Schindel all seinen Kollegen das Material zur Verfügung, mit dem sie seine Thesen überprüfen und vielleicht sogar wiederlegen können. Das ist bemerkenswert.

Warum sind islamische Münzen so wichtig für die Forschung?

Ich weiß, ich bin keine Spezialistin für islamische Münzen. Deshalb bitte ich alle begeisterten Kenner dieser Materie schon mal im Vorfeld um Vergebung, wenn ich einen inhaltlichen Fehler mache. Wie ich Sie kenne, werden Sie ihn sowieso schnell berichtigen. Mir scheint jedenfalls, dass das, was islamische Münzen für die historische Forschung so unglaublich spannend macht, ihre Aufschriften sind, die neben dem Jahr und der Münzstätte routinemäßig die höchste Regierungsautorität nennen. Für eine Epoche, zu der es kaum historische Quellen gibt, sind diese Münzaufschriften ein Geschenk. Ganz egal, ob eine Münze frisch aus einer Ausgrabung kommt, in einem bestimmten Hortfund entdeckt wurde oder in einem Auktionskatalog abgebildet ist, sie spricht durch ihre Inschrift noch Jahrhunderte später zu uns und hilft uns zu verstehen, welche Autorität eine Stadt in einem bestimmten Jahr anerkannte, und wann diese Stadt ihre politische Zugehörigkeit wechselte.

Deshalb sind die Münzen für Historiker, die sich mit dem Nahen Osten beschäftigen, so zentral für die Rekonstruktion der Geschichte. Und wie gesagt, alle Münzen sind gleich wichtig, auch und vor allem die in Privatsammlungen. Und so versammelt der erste Band der Sylloge Nummorum Arabicorum Österreich ausschließlich Münzen aus privaten Sammlungen, die auf diese Weise einer breiten wissenschaftlichen Öffentlichkeit erstmals zugänglich gemacht werden.

Das Jahr 77 AH (= 696/7)

Die Epoche, mit der sich Nikolaus Schindel beschäftigt, deckt zeitlich gesehen die Herrschaft der Umayyaden ab, wobei einige Stücke aus der Anfangszeit der Abbasiden Mitte des 8. Jahrhunderts stammen. Am Beginn steht die Münzreform des umayyadischen Herrschers Abd al-Malik, den Nicht-Numismatiker vor allem deswegen kennen, weil er den Felsendom in Jerusalem errichtete. Abd al-Malik stellte die Einheit des umayyadischen Kalifats wieder her; der engeren wirtschaftlichen Verbindung der von ihm rückeroberten Länder diente seine Münzreform von 77 AH (= 696/7). Sie führte den Dinar in Gold und den Dirhem in Silber ein und schuf eine ganz in der islamischen Kultur verwurzelten Ikonographie – auch für Bronzemünzen. Damit endete jene spannende Epoche der islamischen Numismatik, in der Goldmünzen entstanden, die byzantinische Vorbilder aufgriffen.

Während die Dinare und Dirhems verhältnismäßig gut erschlossen sind, hat sich schon lange niemand mehr mit den unauffälligeren Bronzemünzen beschäftigt. John Walker war der letzte, der das tat, als er 1956 den Bestand des British Museums publizierte. Seitdem sind eine Fülle von neuen Typen aufgetaucht, die Nikolaus Schindel nun zugänglich macht.

Viele Fragen und einige Antworten

Wie bereits oben angedeutet, der Autor bleibt nicht bei der Materialvorlage stehen. Er liefert einen 160 Seiten langen Kommentar zum Material, der viele Fragen, die durch die Münzen entstehen, diskutiert und zum Teil beantwortet.

Ich werde hier sicher nicht versuchen, die Ergebnisse zusammenzufassen. Aber ich möchte meine Bewunderung dafür zum Ausdruck bringen, wie lebendig und kollegial die Diskussion im Bereich der islamischen Numismatik sich mir darstellt. Kritik an den Thesen anderer Wissenschaftler wird nicht zur Glaubensfrage, sondern zu einer Auseinandersetzung mittels Argumenten.

Wenn Sie sich für dieses Gebiet der Numismatik interessieren, wird dieser Sylloge-Band, der weit mehr als ein Sylloge-Band ist, Ihnen neue Einblicke verschaffen.

Hervorragende Fotos!

Für die große Gruppe derjenigen, die dieses Buch hauptsächlich kaufen, um damit Münzen zu bestimmen: Am beeindruckendsten für mich ist die Qualität der Fotos. Sind wir uns einig: Bronzemünzen zu fotografieren ist nie einfach. In diesem Band sind noch die kleinsten, teilweise stark abgenutzten Münzen detail- und kontrastreich wiedergeben.

Der Katalog ist geographisch aufgebaut und richtet sich an erfahrene Nutzer. Er ist schon allein durch seine Beschränkung auf österreichische Privatsammlungen nicht vollständig, kann aber wegen der großen Zahl der in ihm enthaltenen Beispiele durchaus als Referenzwerk genutzt werden. Mit anderen Worten: Alle, die islamische Münzen wissenschaftlich korrekt beschreiben wollen, müssen sich dieses Werk kaufen.

Dies können Sie über den Phoibos-Verlag für 44 Euro + Porto tun.

Last Minute: Gerade erfahre ich, dass die Publikation von der ehrwürdigen Royal Numismatic Society mit dem Samir Shamma Prize ausgezeichnet wurde. Herzliche Glückwünsche von Seiten der MünzenWoche!

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