Stadt Byzantion.
Stater (250 – 1. Jahrhundert v. Chr.).
Erhaltung: vz+


Matidia.
Denar (112 n. Chr.), Rom.
Erhaltung: sehr selten, ss/ss+

Julian II.
Apostata als Caesar.
Solidus (355-357 n. Chr.), Rom.
Erhaltung: Prägefrisch

Was ist ein Novodel?
Der russische Begriff Novodel bedeutet wörtlich übersetzt „Neufertigung“. Ist ein Novodel dann das Gleiche wie eine Nachprägung? Und warum werden Novodels trotzdem zum Teil für sechsstellige Summen versteigert? Was steckt hinter dem Phänomen?
von Ursula Kampmann
Inhalt
Um es gleich ganz klar zu sagen: Ein Novodel hat nichts mit einer billigen Nachprägungen zu tun, wie sie gerne in den 1970er Jahren produziert wurden. Novodels sind etwas ganz anderes. Sie wurden im 19. Jahrhundert in einer offiziellen russischen Münzstätte mit den (meist) originalen Stempeln geprägt und waren seit dem Zeitpunkt ihrer Entstehung beliebte Sammelobjekte von hohem Wert. Der kann heute bei seltenen Novodels durchaus im fünf- und sechsstelligen Bereich liegen.
Was ist ein Novodel?
Wir müssen uns hier keine neue Definition aus den Fingern saugen. das haben zum Glück russische Numismatiker vor uns erledigt. So formulierte zum Beispiel A. K. Markov, ehemaliger Kustos der Eremitage, dass ein Novodel eine Münze sei, „die für Sammler mit dem alten Stempel geprägt wurde, der in den vergangenen Jahrhunderten zur Herstellung von Münzen gedient hat.“ Ein späterer Kurator sah dies kritischer: I. G. Spassky hielt die Novodels für „Schattenbilder, die aus Sammelleidenschaft entstanden“. Allerdings verschweigt er dabei, dass es russische Münzen gibt, die so selten sind, dass ein Sammler gar nicht die Möglichkeit hat, ein zeitgenössisches Stück zu erwerben. Ja, in manchen Fällen wissen wir von einem seltenen Münztyp nur, weil davon ein Novodel angefertigt wurde.

Russland. Michael Feodorowitsch, 1613-1645. 4 Dukaten o. J., St. Petersburg. Novodel. Äußerst selten. Vorzüglich bis Stempelglanz. Taxe: 10.000 Euro. Aus Auktion Heidelberger Münzhandlung 92 (12./13. Mai 2026), Nr. 321. Foto: Lübke & Wiedemann
Ein gutes Beispiel dafür ist das Novodel, das derzeit in Auktion 92 von der Heidelberger Münzhandlung angeboten wird. Es wurde mit den Stempeln zum undatierten 4-fachen Dukaten von Michael Feodorowitsch (1613-1645) geprägt. Diesen äußerst seltenen Münztyp gibt es auf dem Markt praktisch nur als Novodel. Wer also vom ersten Romanow auf dem Zarenthron eine repräsentative Großgoldmünze haben will, ist auf ein Novodel angewiesen.
Nehmen wir also aus den beiden Definitionen mit, dass Novodels nicht als Zahlungsmittel umliefen, sondern aus den Originalstempeln für Sammler geprägt wurden. Sie sind deshalb in der Regel von untadeliger Erhaltung.
Wie kam es zur Produktion von Novodels?
Um zu verstehen, warum Novodels überhaupt geprägt wurden, müssen wir ins 18. Jahrhundert zurückgehen, als das Münzsammeln unter den Reichen und Schönen weit verbreitet, die Verehrung Peters des Großen geradezu nationale Pflicht war. Jeder Münzsammler wollte möglichst viele Münzen dieses Herrschers haben. Doch von denen gab es nicht genug. Wie konnte man Angebot und Nachfrage zur Deckung bringen?
Nun, bei den Medaillen Peters gab es dieses Problem nicht. Ihre Stempel lagerten – genauso wie die der Münzen – in der Münzstätte von St. Petersburg. Wer eine Medaille haben wollte, bestellte sie gegen Material- und Herstellungskosten bei der Münzstätte und legte sie danach stolz in seine Sammlung. Diese Praxis war üblich, und zwar nicht nur im russischen Reich.
Zahlreiche Medaillen wurden weltweit noch lange, nachdem ein Ereignis vorbei war, in privaten und staatlichen Münzstätten geprägt und verkauft. Deshalb ist es nichts anderes als ein pragmatischer Ansatz, wenn die Medaillen heute in den Katalogen unter dem Datum des Ereignisses einsortiert werden, aus dessen Anlass sie geprägt wurden. Über den Zeitpunkt ihrer Herstellung sagt dieses Datum erst einmal gar nichts aus. Sie können tatsächlich erst viel später entstanden sein, und zwar Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte später. Die Monnaie de Paris zum Beispiel verkaufte noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Medaillen, zu denen Napoleon die Stempel hatte gestalten lassen. Solange eine späte Prägung von den früheren Prägungen nicht unterscheidbar ist, hat das Datum der Herstellung keinerlei Einfluss auf den Wert. Allerdings führte die Monnaie de Paris 1832 eine Randpunze ein, die verrät, wann ungefähr die Nachprägung stattfand. Einen Jahresstempel gibt es auf Napoleonischen Medaillen erst seit den 1950er / 1960er Jahren.

Die Peter-und-Paul-Festung in St. Petersburg, wo sich seit dem 19. Jahrhundert die wichtigste Münzstätte Russlands befindet (roter Pfeil). Foto: Andrew Shiva / Wikipedia / cc-by-sa 4.0
Aber zurück nach Russland, mitten hinein in die Regierungszeit Katharinas II. Stellen Sie sich bitte vor, Sie sind der Chef der St. Petersburger Münzstätte. Die Sammler rennen Ihnen das Haus ein, um Medaillen Peters des Großen zu kaufen. Sie haben da diese riesige Sammlung alter Stempel im Keller, nicht nur zu den Medaillen, sondern auch zu Münzen. Sie wissen, dass Sie damit ein hervorragendes Geschäft machen können. Der Staat leidet sowieso unter chronischer Finanznot. Was würden Sie tun? Eben. 1789 erschien die erste gedruckte Preisliste zur Bestellung von Nachprägungen altrussischer Münzen.
Warum endete die Novodel-Prägung?
Es war ein hervorragendes Geschäft. Ganze Reihen von russischen Münzen wurden so als Novodels zusammengestellt. Aber im Verlauf des 19. Jahrhunderts änderte sich die Haltung zu den Novodels. Der Historismus brachte eine Inflation von hervorragenden Imitationen. Begabte Handwerker produzierten massenhaft Möbel, Waffen, Gefäße, Gewebe und vieles mehr nach alten Vorbildern in dem Stil, den sich ihre Auftraggeber wünschten. Die Fülle der Nachahmungen schärfte das Bedürfnis nach einer Unterscheidung zwischen „echt“ und „nachgeahmt“, das es vorher nicht gegeben hatte. Auch in Russland.
Deshalb ließ Zar Nikolaus I. (1825-1855) einen Teil der alten Stempel vernichten und die Praxis der Novodel-Herstellung einschränken. Alexander III. verbot sie im Jahr 1890 ganz. Sein Cousin, der Münzen sammelnde Großfürst Michael Nikolajewitsch, soll ihn auf dieses Problem aufmerksam gemacht haben. Dass es auch nach 1890 gelegentlich zur Herstellung von Novodels kam? Nun, der Himmel ist hoch und der Zar ist weit, wie man in Russland sagt.

Russland. 5 Rubel 1904, St. Petersburg. Gutes vorzüglich. Taxe: 600 Euro. Aus Auktion Heidelberger Münzhandlung 92 (12./13. Mai 2026), Nr. 367. Foto: Lübke & Wiedemann
Novodels der anderen Art
Ein hübsches Randphänomen, das nichts mit den klassischen Novodels zu tun hat, ist die Nachprägung von Goldmünzen des Zaren Nikolaus II. durch die sowjetische Regierung in den Jahren 1925 und 1926. Die westlichen Regierungen weigerten sich, Zahlungen in Goldmünzen mit kommunistischen Motiven zu akzeptieren. Deshalb produzierte die Petersburger, Verzeihung, die Leningrader Münzstätte Goldmünzen mit dem Bild Nikolaus II. zu 10 und 5 Rubel. Dabei achtete sie sorgfältig darauf, die Jahrgänge zu imitieren, in denen sowieso am meisten Münzen geprägt worden waren.
Bitte beachten Sie, dass unser Bild aus der kommenden Auktion der Heidelberger Münzhandlung keine sowjetische Nachprägung zeigt, sondern das zaristische Original. Die 5 Rubel-Stücke von 1904 waren viel zu selten, um nachgeprägt zu werden. Wir wissen das, weil I. I. Rylov & A. I. Fedorin im Jahr 2014 in ihrem Artikel Советская чеканка «царского» золота genau aufgelistet haben, welche Jahre und welche Münzzeichen imitiert wurden.
Novodels in diplomatischer Mission
Noch ein weiterer Fun Fact: In Russland erzählt man, dass Chruschtschow bei staatlichen Anlässen seine eigenen Novodels verschenkte. Er soll Nachprägungen von seltenen sowjetischen Umlaufmünzen der Jahre 1931 bis 1952 in hübschen Verpackungen als diplomatisches Geschenk übergeben haben.
Klassifikation der Novodels
Nun muss man aufpassen, weil natürlich nicht nur die „klassischen“ Novodels – Nachprägungen in Originalstempeln in der staatlichen Münzstätte – produziert wurden. Weil es ein gutes Geschäft war, wurde man bei der Produktion manchmal ein bisschen zu kreativ.
G. Spassky hat aus diesem Grund die Novodels in sechs unterschiedliche Klassen eingeteilt:
- Das klassische Novodel aus originalen Stempeln in der staatlichen Münzstätte angefertigt
- Mit neuen Stempeln in der staatlichen Münzstätte angefertigte Stücke; dies kam vor, wenn der eigentliche Stempel verloren oder kaputt gegangen war.
- Unmögliche Kombinationen, z. B. von Datum und Nominal
- Nachprägungen anderer Münzstätten
- Hybride Prägungen mit Stempeln, die ursprünglich nicht zusammengehörten
- Erfundene Münzen ohne historisches Vorbild
Warum zahlen Sammler für Novodels so hohe Summen?
Das Sammeln von Novodels ist unter Sammlern russischer Münzen nicht nur akzeptiert, sondern selbstverständlich. Denn von vielen numismatischen Seltenheiten gibt es nur Novodels. Darüber hinaus sind die Novodels meist in einer hervorragenden Erhaltung, die an Attraktivität ihre lange umgelaufenen „originalen“ Vorbilder bei Weitem übertrifft.

Katharina II., 1762-1796. 10 Rubel 1763, St. Petersburg. Äußerst selten. Vorzüglich. Taxe: 10.000 Euro. Aus Auktion Heidelberger Münzhandlung 92 (12./13. Mai 2026), Nr. 346. Foto: Lübke & Wiedemann
Was sind Novodels heute wert?
Man kann keine grundsätzlich Aussage treffen, was ein Novodel heutzutage wert ist. Das hängt davon ab, um was es sich handelt. Unser Titelbild stammt aus der kommenden Auktion der Heidelberger Münzhandlung, die am 12./13. Mai 2026 stattfinden wird und eine ganze Reihe von seltenen russischen Prägungen enthält.
Mit 10.000 Euro ist nicht nur das Novodel des vierfachen Dukaten von Michael Feodorowitsch in vorzüglich bis Stempelglanz geschätzt, sondern auch ein 1763 geprägter, vorzüglich erhaltener 10facher Rubel Katharinas II. Wir dürfen gespannt sein, welche Preise diese beiden Stücke erzielen. Wird das Novodel oder die zeitgenössische Münze höher steigen?
















