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Was ist ein Cut Bid?

Heute, wo die meisten Bieter nur noch am Computer eine Taste drücken, haben viele vergessen, dass noch vor wenigen Jahrzehnten das Bieten eine Kunst war. Welche psychologischen Tricks beim Bieten angewendet wurden, und was ein Cut Bid ist, das erfahren Sie hier.

von Ursula Kampmann

Inhalt

Bieten war eine Kunst. Sie ist inzwischen vergessen, seit der Computer mit seinen vielfältigen Online-Portalen das Bieten zu einer rein mechanischen Angelegenheit macht. Das war noch vor wenigen Jahrzehnten anders. Damals gab es das Buch. So nannte man die Liste, in der all die schriftlichen Aufträge eingetragen waren. Dazu kam der Saal, in dem die Bieter saßen. Hin und wieder ergänzte ein telefonisches Gebot das Geschehen.

Damals hatte jeder erfahrene Bieter seine eigene Methode, mit der er seine Gegner zu entmutigen hoffte. Nicht immer war das erfolgreich. Berühmt-berüchtigt ist die Anekdote von dem unglaublichen Preis, den der Direktor einer öffentlichen Institution für eine griechische Münze zahlte, als er seiner jungen (und ziemlich hübschen) Praktikantin beibringen wollte, wie man auf einer Auktion bietet.

Andere waren raffinierter, so zum Beispiel ein Bieter, der immer wie aus der Pistole geschossen auf das Gebot seines Gegners mit einem Gegengebot reagierte. „Gib auf, ich habe sowieso mehr Geld als Du“, das sollte diese Art des Bietens sagen. Gelegentlich hört man auch die Geschichte von dem reichen norwegischen Sammler, der beim Bieten aufstand und seinen Gegenbieter mit wütendem Blick fixierte. So mancher ließ sich davon tatsächlich verunsichern.

Immer wieder liest man in Romanen, dass jemand mittels unauffälliger Zeichen (Bleistift, Blinzeln oder ein fast unsichtbares Nicken) mit dem Auktionator kommuniziert. Diese Zeichen gab es wirklich. Vor allem Spezialsammler nutzten sie. Denn sobald sie den Finger hoben, wusste jeder, dass es sich um ein seltenes Stück handeln musste, was den Preis natürlich in die Höhe trieb. Gelegentlich schickten sie deshalb statt ihrer im Münzhandel unbekannte Freunde in eine Auktion, die das ersehnte Stück dann günstig kauften.

Mit anderen Worten: Jeder erfahrene Auktionsgänger hatte seine eigene Methode.

Das Mickey Mouse Gebot

Die unter allen Auktionsteilnehmern wohl verhassteste Methode war das so genannte Mickey Mouse Gebot. Darunter verstand man ein Gebot, das nur einen einzigen Euro, einen Dollar, einen Schweizer Franken über dem vorhergehenden Gebot lag. Bot ein Sammler 1.000 Franken, sagte sein Gegner 1.001. Bot der Sammler daraufhin 1.500 Franken, konterte der Gegner mit 1.501. Dies war enervierend. Kein Sammler wollte sich wegen eines einzigen Franken eine Münze entgehen lassen.

Gelegentlich kam es dabei zur gefürchteten Mickey Mouse Bieterschlacht. Sie konnte ewig dauern, weil sich beide Bieter nicht an vernünftige Steigerungsstufen hielten, sondern sich langsam, in winzigen Schritten nach oben kämpften.

Natürlich hatten die Auktionatoren ein Mittel dagegen: Theoretisch waren seit den 1970er Jahren in den meisten Versteigerungsbedingungen klare Bieterschritte festgelegt. Praktisch kannte die außer dem Auktionator kaum jemand, und noch weniger Menschen hielten sich daran. Die meisten boten das, was ihnen gerade so einfiel.

Da es sich viele Auktionshäuser nicht mit den Käufern verscherzen wollten – vor allem in den späten 1980er und den 1990er Jahren, als Käufer rarer als gute Sammlungen waren -, akzeptierten die Auktionatoren zähneknirschend diese Zeitverschwendung.

Sinnvolle Schritte für Gebote

Andere setzten konsequent die von ihnen festgelegten und als sinnvoll empfundenen Bieterschritte durch. Die könnten, nur um Ihnen ein Beispiel zu geben, folgendermaßen lauten:

Bis 100 Euro: 5 Euro

Bis 200 Euro: 10 Euro

Bis 500 Euro: 20 Euro

Bis 1.000 Euro: 50 Euro

Bis 5.000 Euro: 250 Euro

Bis 10.000 Euro: 500 Euro

Bis 50.000 Euro: 1.000 Euro

Bis 100.000 Euro: 2.500 Euro

usw. usf.

Das Cut Bid

Während in Europa ein wildes Durcheinander an Geboten herrschte, hielt man sich in den USA schon viele früher an solche Stufen. Dort nannte der Auktionator zunächst das letzte Gebot, um danach das kommende Gebot dem Saal vorzuschlagen. Wer bieten wollte, hob die Hand und hatte automatisch das vom Auktionator vorgeschlagene Gebot gewählt.

Doch damals boten viele Sammler über Händler und gaben ihnen dafür feste Limits. Was tat ein Händler, wenn sein Limit für eine Münze 1.000 Franken betrug, der Auktionator aber bei 1.000 Franken gerade auf eine andere Person zeigte? Nun, für solche Fälle wurde das Cut Bid geschaffen. Forderte der Händler ein Cut Bid ein, durfte er sich außerhalb der normalen Steigerungsstufen bewegen. So konnte er dafür sorgen, dass er sich entweder mit einer nur leichten Überziehung seines Gebots ein Stück sicherte oder der Gegenbieter die Münze deutlich über seinem Limit kaufte.

Wer ein Cut Bid nutzen wollte, um nicht gar so viel zu zahlen, ging ein hohes Risiko ein, denn das Cut Bid schloss den eigenen Bieterprozess ab: Wer einmal ein Cut Bid einforderte, durfte danach nicht mehr mitbieten.

Einige Auktionshäusern befolgen diese Regel in ihren Saalauktionen immer noch.

Online spielt sie keine Rolle. Da schreibt ihnen eine Maschine vor, was sie als nächstes bieten.

Nun, auf die Art und Weise ist wenigstens auch das Mickey Mouse Gebot aus der Welt! Wobei man jetzt über die Auktionatoren schimpfen könnte, die unsere Zeit damit vergeuden, wenn sie sich eine vernünftige Schätzung sparen und den Startpreis so niedrig ansetzen, dass erst viele Gebote durchlaufen müssen, bis es zu einem Zuschlag kommt. Aber das ist eine andere Geschichte.

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