Was ist eigentlich eine Patina?
Patina, Tönung: Wenn eine Münze Farbe annimmt, kennen Münzsammler viele Wörter dafür. Was aber ist eine Patina? Steigert sie den Wert? Das und vieles mehr erfahren Sie in diesem Artikel. Dazu präsentieren wir Ihnen Münzen des deutschen Kaiserreichs mit einer hinreißenden Patina. Sie stammen aus der kommenden Auktion 94 der Heidelberger Münzhandlung.
von Ursula Kampmann
Inhalt

Ich erinnere mich noch wie gestern: Ich saß bei einem dieser unzähligen Vorträge, wie sie bei Treffen von Münzstätten durchgeführt werden. Ein Vertreter der Royal Australian Mint schilderte den Ärger von Kunden über Verfärbungen auf Silbermünzen. Stolz erklärte er, man habe jetzt endlich eine wunderbare Technik entdeckt, um diese Verfärbungen zu verhindern. Ich fühlte mich, als sei ich im falschen Film! Für mich mit meinem Hintergrund aus dem klassischen Münzhandel gab es nichts Besseres als eine Münze mit Patina! Grau, blau, rot, braun: ich liebe sie alle! Und da stand ein Mann, der stolz darauf zu sein schien, solch wunderbare Patinas zu verhindern! Wie passte das zusammen?
In diesem Artikel wollen diese unterschiedlichen Wahrheiten miteinander in Einklang bringen. Warum lieben die einen Sammler Tönungen und Patinas, während andere Sammler sie als Mangel empfinden? Spielt dabei das Sammelgebiet eine Rolle? (Um es vorweg zu nehmen, ja, das tut es.) Was ist überhaupt eine Patina? Illustrieren werden wir diesen Artikel mit Münzen des Kaiserreichs, die Tönungen und Patinas in allen Farben aufweisen. Die Heidelberger Münzhandlung verkauft in Auktion 94 vom 10. bis zum 12. November 2026 das Lager eines Händlers, das viele Jahre lang nicht angetastet wurde. So konnten sich die herrlichen Patinas entfalten, die Ihnen bestimmt vor Augen führen, warum solche Färbungen seit Jahrhunderten den Wert einer Münze drastisch erhöhen.

Ein Musterbeispiel für eine getönte Münze: Bayern. Otto II. 5 Mark 1908. Polierte Platte. Startpreis: 350 Euro. Aus Auktion Heidelberger Münzhandlung 94 (10.-12. November 2026), Nr. 3084.
Gibt es einen Unterschied zwischen Patina und Tönung?
Aber lassen Sie uns zunächst einmal die Begriffe klären. Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen Patina und Tönung? Beide Begriffe finden Sie gleichberechtigt in Auktionskatalogen. Nun, ich würde sagen: Im Prinzip ja, aber in der Realität haben sich die Begriffe inzwischen zu Synonymen entwickelt. Ich persönlich bevorzuge bei Bronzemünzen, deren Patina eine dicke Schicht ist, die sich durch Mineralisierung tief in die Münze eingefressen hat, eher den Begriff Patina, während ich bei Silbermünzen, die nur einen leichten Hauch von Farbe tragen, von einer Tönung spreche. Aber das ist eine persönliche Vorliebe.

Eine Tönung, die sich eher auf Brauntöne beschränkt: Braunschweig. Ernst August. 5 Mark 1915. Polierte Platte. Startpreis: 500 Euro. Aus Auktion Heidelberger Münzhandlung 94 (10.-12. November 2026), Nr. 3124.
Wie entsteht eigentlich eine Patina oder eine Tönung?
Wenn eine Patina oder eine Tönung entsteht, hat das immer mit Umwelteinflüssen zu tun. Sesterzen zum Beispiel, die lange in der Erde gelegen haben, waren Spurenelementen und mineralischen Stoffen ausgesetzt, die je nach ihrer genauen Zusammensetzung dazu geführt haben, sie entweder zu zersetzen (wir sprechen von Korrosion) oder ihre Oberfläche zu mineralisieren (wir sprechen von einer Patina).
Auch Münzen, die sofort nach der Prägung in ein Münzkabinett wandern, sind Umwelteinflüssen ausgesetzt. Das Holz der Münzschränke strömt Dämpfe aus und die Luft befördert winzigste Partikel als Aerosole, die mit der Metalloberfläche reagieren.

Nur eine sehr dezente Färbung: Deutsches Reich. 1 Pfennig 1914. Polierte Platte. Startpreis: 50 Euro. Aus Auktion Heidelberger Münzhandlung 94 (10.-12. November 2026), Nr. 2826.
Während Kupfermünzen nur eine dezente Tönung annehmen und Münzen aus einer Kupfer-Nickel-Legierung sich kaum, Goldmünzen sich gar nicht verfärben, verursachen diese Einflüsse bei Silbermünzen oft ein herrliches Farbenspiel, jedenfalls wenn sie lange genug an einem Ort gelegen haben. Wir sprechen dann von einem „Kabinettstück“ – und das ist der inzwischen längst vergessene Ursprung dieses in Auktionskatalogen inflationär benutzten Wortes. Ein echtes „Kabinettstück“ verfügt also immer über eine Patina, die in den vielen Jahrzehnten, die diese Münze in einem traditionellen Holzschränkchen ruhte, Zeit hatte zu „wachsen“.
Ironischerweise entstanden viele dieser „Kabinettstücke“ nicht während die Münzen in einem Kabinett lagen, sondern während sie in den kleinen Münztütchen der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert aufbewahrt wurden. Diese Tütchen waren noch mit Leim von Hand geklebt, und die Kombination von Leim, Papier und Silber förderte eine prachtvoll schillernde Regenbogenpatina.

Patina wächst von außen nach innen. Am Rand ist die Patina wesentlich intensiver als im Inneren der Darstellung: Württemberg. Wilhelm II. 3 Mark 1911. Av. Stempelglanz. Rv. Polierte Platte. Startpreis: 100 Euro. Aus Auktion Heidelberger Münzhandlung 94 (10.-12. November 2026), Nr. 3935.
Dabei „wächst“ die Patina von außen nach innen. Zunächst beginnt sie als Ring rund um die Buchstaben der Umschrift, dann füllt sie immer mehr nach innen wandernd die ganze Darstellung aus.
Verschiedene Faktoren können ihre Bildung beschleunigen. So erinnere ich mich an einen Münzsammler, der ein kleines Münzkästchen besaß, das bei all seinen römischen Denaren in wenigen Monaten eine wunderbare Regenbogenpatina erzeugte.

Eine Regenbogenpatina hat ihren Namen davon, dass sie beim Drehen einer Münze in allen Farben des Regenbogens schillert, ungefähr so wie auf dieser Münze: Preußen. Wilhelm II. 5 Mark 1913. Polierte Platte. Startpreis: 400 Euro. Aus Auktion Heidelberger Münzhandlung 94 (10.-12. November 2026), Nr. 3527.
Normalerweise befördert Meeresnähe und salzhaltige Luft in Verbindung mit trockener Luft die Regenbogenpatina. Deshalb hatte die Royal Australian Mint derart unter diesem Phänomen zu leiden. Viele, die ihre Münzen sammeln, leben in Gebieten, in denen dieses Klima dominiert.

Mecklenburg-Strelitz. Adolf Friedrich V. 2 Mark 1905. Polierte Platte. Startpreis: 1.000 Euro. Aus Auktion Heidelberger Münzhandlung 94 (10.-12. November 2026), Nr. 3345.
Steigert eine Patina den Wert einer Münze? Oder verringert sie ihn?
Keine Frage: In der klassischen Numismatik steigert die Patina den Wert einer Münze – und zwar erheblich! Deshalb erzeugten in den 1990er Jahren auch so viele in den Grundlagen der Chemie bewanderte Münzsammler auf ihren Münzen eine Patina mit künstlichen Mitteln. Diese künstliche Patina von einer echten zu unterscheiden ist schwierig und benötigt lange Jahre der Erfahrung. Als Faustregel können Sie sich merken, dass vieles, was allzu gleichförmig aussieht, oft eine künstliche Ursache hat.

Ein typischer Fall, bei dem das Foto der Patina einfach keine Gerechtigkeit angedeihen lässt. Was in der Hand lebendig schillernde Töne sind, wird auf dem Foto zu Flecken. Sachsen-Weimar-Eisenach. Wilhelm Ernst. 3 Mark 1910. Polierte Platte. Startpreis: 120 Euro. Aus Auktion Heidelberger Münzhandlung 94 (10.-12. November 2026), Nr. 3841.
Wieso gibt es Sammler, die keine Patina mögen?
In den vergangenen Jahren ist der Wert einer Münze mit Patina nicht im gleichen Maße gestiegen wie der Wert einer Münze in einem hohen Erhaltungsgrad gestiegen ist. Das hat damit zu tun, dass heute fast niemand mehr Münzen kauft. Ja, Sie haben richtig gelesen. Nur die wenigsten haben die Münze, die sie kaufen, vor dem Kauf noch in der Hand gehabt. Was wir kaufen, sind Fotos. Und auf Fotos lässt sich die schillernde Schönheit einer Münzpatina nur mit größten Schwierigkeiten einfangen. Ja, häufig geben Patinas auf einem Foto der Münze sogar ein etwas fleckiges Aussehen.
Und da kommt jetzt der Anlegermarkt ins Spiel, auf dem sich viele Menschen tummeln, die kaum Erfahrung mit Münzen haben und nicht mal mehr ein Foto, sondern einen Grade kaufen. Sie wissen nicht, was eine Patina ist, und halten sie für einen Makel.
Damit sind wir wieder bei der Royal Australian Mint gelandet, deren Sammler die im Entstehen begriffene Patina nicht zu schätzen wussten. Um Reklamationen vorzubeugen, setzen Münzstätten deshalb heute Techniken ein, um eine nachträgliche Patinierung zu verhindern. Das macht bei einem großen Teil ihrer Erzeugnisse auch Sinn. Denn zeitgenössische Gedenkmünzen weisen keine gleichförmige Oberfläche aus Metall mehr auf, die durch eine Patina an Schönheit gewinnt, sondern sie nehmen diese Farbigkeit bereits durch ausgeklügelte Techniken vorweg. Da gibt es Farbauftrag, Regenbogeneffekte, Plattierungen, künstliche Patinierungen und vieles mehr. Eine echte, also unplanbare Patinierung könnte den optischen Reiz einer zeitgenössischen Münze durchaus einschränken.
Lassen Sie mich also die Frage, ob eine Patina den Wert einer Münze steigert oder senkt etwas differenzierter beantworten:
Klassische Numismatik: Eine Patina bedeutet immer eine Wertsteigerung.
Zeitgenössische Numismatik: Wenn die Patina optische Effekte beeinträchtigt, bringt das eine Wertsenkung mit sich. Es kann aber auch zu einer Wertsteigerung führen, wenn betroffene Münzen ohne künstliche Farbeffekte auskommen und rein der Darstellung leben. Dann sollte eine Patina den Preis der Münze steigern, jedenfalls wenn Sie an einen Kenner verkaufen.

Wollen Sie das wirklich verhindern, dieses zarte Farbenspiel zwischen grün, blau und rot, das ein Foto nie in seiner vollen Schönheit wiedergeben kann? Sachsen. 2 Mark 1900. Polierte Platte. Startpreis: 500 Euro. Aus Auktion Heidelberger Münzhandlung 94 (10.-12. November 2026), Nr. 3593.
Wie kann man die Entstehung einer Patina verhindern?
Es gibt ein probates Mittel: Einfach keine Luft an eine Münze kommen lassen; sie also möglichst in einem neutralen Material aufbewahren. Neutrale Materialien sind Hartplastik wie die bekannten BeBa-Kästen oder die Slabs amerikanischer Grading-Firmen, oder Metall.
Wie entfernt man eine Patina?
GAR NICHT!!!!!!
Nein im Ernst. Jede Form des Putzens hat nachteilige Auswirkungen auf Erhaltung und Wert. Genießen Sie also die Tatsache, dass die Schönheit ihrer Münze sich natürlich entfaltet und kämpfen Sie nicht dagegen!

Antique Finish auf einer Münze, die dafür gedacht ist, auf dem Schreibtisch zu stehen und angefasst zu werden. Cook Islands. 25 Dollars (5 Unzen Silber) 2026. CIT, Münzstätte: B. H. Mayer Kunstprägeanstalt.
Wohin geht die Entwicklung?
Wie bereits erwähnt, hat die Münzindustrie in den letzten Jahren damit begonnen, Patinas als gestalterisches Mittel zu nutzen. Das so genannte Antique Finish ist eine dunkle Tönung, die von der Monnaie de Paris bereits Ende des 19. Jahrhunderts angewandt wurde. Viele Münzstätten haben diese Oberflächenbehandlung wieder entdeckt, weil sie es den Besitzern einer Münze erlaubt, sie anzufassen, wann, wie oft, und wo sie wollen.

Eine künstliche Regenbogenpatina in grün, erzeugt durch Prisma Plating. Cook Islands. 5 Dollars (1 Unze Silber) 2026. CIT, Münzstätte: B. H. Mayer Kunstprägeanstalt.
Eine Steigerung dieses Verfahrens ist die gesteuerte Nachahmung der unvergleichlichen Regenbogenpatina in einer von Designern und Münztechnikern gewollten Tönung. CIT hat unter dem Namen Spektrum eine neue Serie herausgebracht, die diese Schönheit in die zeitgenössische Numismatik überführt.

Eine künstliche Regenbogenpatina in blau, erzeugt durch Prisma Plating. Cook Islands. 5 Dollars (1 Unze Silber) 2026. CIT, Münzstätte: B. H. Mayer Kunstprägeanstalt.
Dort spricht man von einer neu entwickelten Beschichtungstechnik mit dem Namen „Prisma Plating“. Prisma Plating kann – anders als Antique Finish – ohne Einschränkungen auf eine im polierte-Platte-Verfahren geprägte Münze aufgebracht werden. Der Glanz der Oberfläche wird dadurch nicht eingeschränkt.
Die Patina ist also zurück, um hierzubleiben. Nichts ist für den wahren Kenner schöner, als seine Münze zwischen den Fingern zu drehen und zu wenden, um die schillernde Patina in all ihrer Farbigkeit zu genießen.
Dieser Beitrag verdankt vieles einem Artikel, den Marcel Häberling in der Schweizerischen Numispost vom Februar 2026 veröffentlichte. Das anschließende Gespräch auf der Basler Münzemesse hat mich inspiriert, dieses Thema auch in der MünzenWoche aufzugreifen. Wie es oft so ist: Ich habe erst wieder daran gedacht, als ich die wunderschöne Patina der Münzen in der Auktion 94 der Heidelberger Münzhandlung gesehen habe… Danke, Marcel, für die Anregung, und danke der Heidelberger Münzhandlung bzw. ihrem Fotografen Benjamin Seifert / Lübke & Wiedemann für die Fotos.



aus einem alten Händlerlager
Mecklenburg-Schwerin.
2 Mark 1876.
Erstabschlag. Stempelglanz.

Bayern.
Geschichtsdoppeltaler 1848.
Sehr selten.
Vorzüglich.

Bayern.
Geschichtsdoppeltaler 1849.
Vorzüglich bis Stempelglanz.

Mainz.
Dukat 1795.
Vorzüglich bis Stempelglanz.

Goldmedaille o. J. (1768), von J. Kirk und T. Wyon jun.
Auf die Ernennung des Herzogs William Frederik
von Gloucester zum Kanzler der Universität Cambridge.
Äußerst selten. NGS MS60, fast Stempelglanz.

Goldmedaille 1825, von F. Gayrard.
Auf die Krönung von Charles X.
Äußerst selten. Kleiner Randfehler und Kratzer,
vorzüglich bis Stempelglanz.

Dukat 1659, Nürnberg.
Sehr selten.
Vorzüglich bis Stempelglanz.





















