Der BdDM als Wachhund: Mehr als 50.000 Fälschungen auf eBay entlarvt
Fälschungen sind ein großes Problem, vor allem auf Online-Plattformen. eBay ist sich dessen bewusst und setzt auf die Selbstreinigungskräfte der Community. Der Berufsverband des deutschen Münzenfachhandels unterstützt eBay im Kampf gegen Fälschungen.
von Ursula Kampmann
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Der Vorstand des BdDM unterstützt zusammen mit den Mitgliedern eBay bei der Fälschungserkennung. Foto: ©BdDM
Ich liebe Flohmärkte. Es ist einfach wunderbar, an den Ständen entlang zu schlendern, um die eine oder andere Trouvaille zu machen. Viel Geld gebe ich nie aus, denn was ich auf den ersten Blick für eine kostbare Antiquität halte, kann sich daheim bei näherer Untersuchung und gutem Licht schnell als billige Nachahmung aus Fernost entpuppen. (So geschehen mit einem gravierten Walrosszahn der 1920er Jahre, der – wie sich daheim herausstellte – aus Hartplastik war.) Nun ist eBay letztendlich nichts anderes als die moderne Version eines Flohmarkts. Deshalb gilt auch bei eBay: Augen auf, und zwar vor dem Kauf!
Die häufigsten Probleme
Stellen wir zunächst einmal fest, dass die meisten Anbieter auf eBay absolut integre Personen oder Firmen sind, die diesen Kanal seit Jahrzehnten nutzen, um mit potentiellen Kunden in Kontakt zu kommen. Es gibt fast keine deutsche Münzhandlung, die nicht schon über eBay gekauft oder verkauft hätte. Daneben gibt es allerdings auch unseriöse Anbieter, die es darauf anlegen, den Kunden zu betrügen. Die Spreu vom Weizen zu trennen, ist für den Anfänger gar nicht so einfach.

Ein typisches Beispiel für Krugerrands, die nicht in Südafrika entstanden sind
Das größte Problem dürften aktuell die Fälschungen von Anlagemünzen sein, die den Markt überschwemmen. Sie sind nicht gut genug, um den Fachmann zu täuschen. Aber wer erst mit dem Münzsammeln anfängt, fällt leicht auf sie herein.

Ein typisches Beispiel für völlig überhöhte Preise für kommune 2 Euro-Münzen
Ein anderes Problem sind die durchaus echten Euro-Münzen, die zu völlig überhöhten Preisen angeboten werden. Kommune 2 Euro-Münzen als „Fehlprägungen“ für einen fünfstelligen Betrag zu offerieren, dürfte den juristischen Tatbestand des Wuchers erfüllen.
Die Watchdogs von eBay
Dieses Problem betrifft nicht nur Münzen. In allen Sammelbereichen gibt es unseriöse Angebote. Um sie zu entfernen, setzt eBay seit langem auf so genannte „Watchdogs“, Wachhunde. eBay gibt sowieso jedem Nutzer über einen Button die Möglichkeit, ein Objekt zu melden. User, die dabei besonders aktiv sind und eine hohe Trefferquote bei unseriösen Angeboten erzielen, werden mit erweiterten Melderechten belohnt. Sie sind die eigentlichen Watchdogs und arbeiten ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Das ist anerkennenswert. Allerdings sind diese Helfer bei weitem nicht in der Lage, die verschiedenen Marktplätze weltweit sauber zu halten.
Das VeRo Programm
Das Problem wurde akut, als die großen Luxusfirmen eBay mit Prozessen überzogen, weil der Marktplatz nicht verhinderte, dass Nachahmungen ihrer exklusiven Produkte über eBay gehandelt wurden. So verurteilte – um nur ein Beispiel zu nennen – ein französisches Gericht eBay im Jahr 2008, 38,6 Mio. Euro an die LVMH-Gruppe zu zahlen, hinter der sich Marken wie Dior, Guerlain, Givenchy und Kenzo verbargen.
Die vielen langwierigen Prozesse, die das Unternehmen damals führen musste, waren lästig, kostspielig und riskant. Aus diese Grund startete eBay das VeRo-Programm. VeRo steht dabei für Verified Rights Owners. Das Programm gibt Vertretern von Lizenzprodukten die Möglichkeit, bei Verletzungen ihrer Rechte sofort und bevorzugt Beschwerde bei eBay einzulegen. Derzeit sollen 72.000 aktive Rechteinhaber unter diesem Programm gemeldet sein. Sobald sie Beschwerde erheben, wird „promptly“ das Objekt entfernt. eBay überprüft den Verkäufer und entscheidet sich danach, welche weiteren Maßnahmen ergriffen werden. Das kann bis zur Sperrung des Kontos und einer Anzeige gehen.
Desaströse Zusammenarbeit mit dem BAK
Behörden wird noch mehr Macht eingeräumt. eBay erteilt Behörden gelegentlich das Recht, selbst und sofort Objekte zu entfernen. Meist geht es dabei um die Produkt- und Umweltsicherheit.
In diesem Zusammenhang werden ältere Münzhändler mit Schaudern an die Zusammenarbeit denken, die eBay im Jahr 2009 mit dem Schweizerischen Bundesamt für Kultur vereinbarte. Zum Hintergrund: Zum 1. Juni 2005 war das neue Kulturgüterschutzgesetz in Kraft getreten, dem einige Schweizerische Archäologen glaubten, mehr Geltung verschaffen zu müssen. Deshalb drängten sie darauf sicherzustellen, dass eBay nicht mit „frisch ausgegrabenen“ Münzen handelte. Ein Pilotprojekt wurde gestartet, mit dem eBay einer Strafverfolgung zuvorkommen wollte.
Nun will kein seriöser Sammler Münzen aus frischen Grabungen kaufen. Deshalb ist die Idee eigentlich gut. Doch die mit der Sichtung beauftragten Archäologen agierten willkürlich und ohne konkrete Beweise. Ihr Verdacht genügte. So kam es zu einer großen Zahl von Fehlgriffen. Etliche Münzhändler beschwerten sich, dass ihre Ware betroffen sei, obwohl sie den Nachweis erbringen konnten, dass die gelöschten Münzen aus alten Sammlungen stammten. Das Problem: Niemand interessierte sich dafür! Es existierte keine Instanz, gegenüber der ein Händler seine Argumente vorbringen durfte. Münzhändlern, die seit Jahren erfolgreich auf eBay gehandelt hatten, wurde quasi über Nacht und ohne eine Möglichkeit des Widerspruchs das Konto gesperrt.
Nachdem sich auf Initiative der MünzenWoche der Verband Schweizer Berufsnumismatiker beim Bundesamt für Kultur beschwerte, folgte auf das Pilotprojekt keine weitere Zusammenarbeit.
Zusammenarbeit des BdDM mit eBay
Ganz anders bei der Zusammenarbeit von BdDM und eBay. Wobei man nicht genug hervorheben kann, wie hoch es dem Berufsverband des Deutschen Münzenfachhandels anzurechnen ist, dass er sich dieser Aufgabe annahm. Michael Becker fasst die Gründe dafür zusammen: „Gerade Anfänger lassen sich von einer schlechten Erfahrung beim Münzkauf abschrecken. Wir haben uns deshalb den Watchdogs von eBay angeschlossen.“
Nach Auskünften von Geschäftsführer Stefan Lutter ist es den Wachhunden vom BdDM gelungen, in den letzten zwei Jahren mehr als 50.000 Objekte von der Plattform zu entfernen. Eine großartige Leistung im Interesse der Sammler!
Allerdings sollten sich diese nicht in allzu großer Sicherheit wiegen, wie Michael Becker deutlich sagt: „Wir sind uns bewusst, dass auch für uns als Experten die Prüfmöglichkeiten im Internet beschränkt sind. Wir haben lediglich die Möglichkeit, anhand eines Bildes zu urteilen.“ Deshalb empfiehlt der BdDM gerade Neueinsteigern, bei eBay gezielt nach anerkannten Fachhändlern zu suchen. Sie sind dort als „Verifizierte Münzhändler“ und / oder dem Logo des Berufsverbands zu erkennen und garantieren zeitlich uneingeschränkt die Echtheit der bei ihnen gekauften Münzen. Die Beratung gibt es gratis dazu. „Die ist für Anfänger geradezu unbezahlbar. Ein gut beratener Sammler vermeidet kostspielige Fehlkäufe“, betont Michael Becker.
Eine billige Lösung
eBay darf sich freuen, für den Münzbereich so einen kompetenten Partner gefunden zu haben, der auf der einen Seite das Fachwissen mitbringt, die Fälschungen zu erkennen, auf der anderen Seite relativ wenig kostet. Denn es ist bemerkenswert, wie sehr das börsennotierte Unternehmen (Nettogewinn 2,85 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024) in Sachen Käuferschutz auf die Arbeit von Freiwilligen setzt.
Experten als „Wachhunde“?
Ehrlich gesagt habe ich persönlich auch mit dem Begriff des „Watchdogs“ resp. „Wachhundes“ meine Probleme. In meinen Augen spiegelt das Wort in keinster Weise die Wertschätzung, die einem Experten entgegengebracht werden sollte, der zum größten Teil aus Altruismus seine Expertise zur Verfügung stellt. „Wachhund“ spielt verbal herunter, dass eBay selbst nicht die Mittel aufbringen will, um die Mauer zu bauen, die seinen Marktplatz schützt – um im Bild zu bleiben. Ich sehe förmlich vor mir, wie die eBay-Geschäftsleitung ganz im Stile des alten Gutsbesitzers ihren treuen Wachhunden den Kopf tätschelt.
Langer Rede, kurzer Sinn. Ich finde es großartig, dass der BdDM – genauso übrigens wie NGC und PMG – eBay unterstützen, den Marktplatz sauber zu halten. Und ich finde es peinlich für eBay, dass das Unternehmen es nicht für notwendig hält, eigene Experten auszubilden und anzustellen.








