750.000 CHF für den ersten Sovereign
Ein königliches Edikt vom 28. Oktober 1489 schuf eine neue Goldmünze für das englische Königreich: den Sovereign. Das beste Exemplar eines Sovereigns der ersten Generation wurde gerade bei Numismatica Genevensis SA versteigert. Er wurde mit 750.000 CHF zugeschlagen.
von Ursula Kampmann
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Heinrich VII. Gold Sovereign, Münzzeichen Cross Fitchee, ohne Jahr (1492), Tower Mint. NGC AU50 (Top Pop). Bestes bekanntes Exemplar. Startpreis: 500.000 CHF. Zuschlag: 750.000 CHF. Aus Auktion NGSA 22 (24. November 2025), Nr. 231. Foto: B. Seifert / Lübke & Wiedemann
Wenige mittelalterliche Nominale machten eine dem Sovereign vergleichbare Karriere. Der moderne Sovereign, der ab 1817 als wichtigste britische Goldmünze produziert wurde, verbreitete sich in ihrem gesamten Kolonialreich und darüber hinaus. Er wurde auf fünf Kontinenten geprägt, in den britischen Münzstätten von Melbourne, Sydney und Perth, Ottawa, Bombay, Pretoria und natürlich in London.

Heinrich VII. Gold Sovereign, Münzzeichen Cross Fitchee, ohne Jahr (1492), Tower Mint. NGC AU50 (Top Pop). Bestes bekanntes Exemplar. Startpreis: 500.000 CHF. Zuschlag: 750.000 CHF. Aus Auktion NGSA 22 (24. November 2025), Nr. 231. Foto: B. Seifert / Lübke & Wiedemann
Viele Sammler haben sich auf dieses Nominal spezialisiert. Nur wenige besitzen nicht nur die Sovereigns des 19. Jahrhunderts, sondern auch ihr mittelalterliches Vorbild. Denn diese frühen Sovereigns sind enorm selten. Die Wissenschaft schätzt, dass insgesamt nur 20 bis 30 Stück existieren. Das beste bekannte Exemplar wurde am 24. November 2025 beim Auktionshaus Numismatica Genevensis SA versteigert. Es wurde mit 500.000 CHF ausgerufen. Der Hammer fiel bei 750.000 CHF. Berechnet man diese Summe inklusive Zuschlag ergibt sie rund 970.000 Euro bzw. fast 1,2 Mio. USD.
Was ist auf dem ersten Sovereign zu sehen?
Die Vorderseite übernimmt das Motiv einer Münze, die der spätere Kaiser Maximilian I. per Dekret vom 20. April 1487 für die burgundischen Niederlanden schaffen ließ. Der englische Herrscher gab Befehl, sie an die eigenen Bedürfnisse anzupassen, sie dabei aber möglichst genau zu imitieren. Vielleicht legte er zu diesem Zweck dem Edikt sogar einen Bleiabguss des Vorbilds bei. So ist der englische König mit der in England eigentlich nicht üblichen geschlossenen Krone dargestellt. Außerdem hält er neben dem Szepter den Reichsapfel.
Die Darstellung des thronenden Herrschers wurde für die Selbstdarstellung der englischen Könige derart ikonisch, dass Heinrich VIII. für seine Krönung einen Reichapfel anfertigen lassen musste. Da der bis dahin keine Rolle im Krönungsritual gespielt hatte, gab es dieses königliche Requisit bis dahin nicht.
Die Rückseite zeigt zentral die so genannte Tudor-Rose. Sie gilt als Erfindung Heinrichs VII. Sie beherrschte seine Propaganda derart, dass sich für den englischen Bürgerkrieg im 19. Jahrhundert die Bezeichnung „Rosenkriege“ etablierte. Der erste, der den Begriff verwendete, war der schottische Historiker David Hume. Er schuf ihn für den 2. Band seiner 1762 erschienenen „History of England“. Walter Scott, dessen populäre Romane oft in dieser Epoche spielen, popularisierte ihn.

Die Tudor-Rose spielt auch eine zentrale Rolle in der Propaganda Heinrichs VIII. Er ließ den Nachbau des runden Tisches von König Artus mit einer auffälligen Tudor-Rose zieren. Foto: KW
Die Tudor-Rose des Sovereigns ist ein schönes Beispiel dafür, wie Propaganda die Wahrnehmung von Geschichte durch die nachfolgenden Generationen verfälscht. Denn eigentlich waren die Rosen nur eines von vielen Symbolen, die die Adelshäuser York und Lancaster als Emblem verwendeten. Edward IV. zog ihnen die Sonne vor, Richard III. einen weißen Eber oder eine Antilope. Das Haus Lancaster erkannte man am Schwan. Trotzdem gelang es Heinrich VII., den Mythos zu etablieren, dass die Tudor-Rose für die Vereinigung der roten Rose des Hauses Lancaster mit der weißen Rose des Hauses York stehe und deshalb seine Hochzeit mit Elizabeth von York symbolisiere. Wir glauben ihm das bis heute.
Welchen Zweck erfüllten die ersten Sovereigns?
Die englischen Sovereigns wurden gemäß des Edikts vom 28. Oktober 1489 mit einem Gewicht von 240 Grains (= 15,55 g) aus 23-karätigem Gold geprägt und entsprachen 20 Shilling resp. einem Pfund Sterling in Silber. Damit wurde erstmals eine englische Münze geprägt, die der karolingischen Recheneinheit „Pfund“ entsprach. Der Sovereign war die wertvollste bis dahin in England geprägte Münze.
Niemand nutzte sie im Alltag. Dafür war ihr Wert viel zu hoch. Das Jahreseinkommen eines durchschnittlichen Arbeiters betrug etwa 4 Pfund. Für die täglichen Haushaltungskosten einer Familie muss man rund 5 Pfennige rechnen.
Sovereigns wurden deshalb vor allem als diplomatische Geschenke eingesetzt. Tatsächlich kennen wir dafür zwei gut überlieferte Beispiele: Man übergab dem ungarischen Gesandten während eines Empfangs am 1. Mai 1502 16 Sovereigns. Im April 1506 erhielten die Mitglieder des kastilischen Hofstaats 40 Sovereigns.
Woher stammte das Gold der ersten Sovereigns?
Durch die islamische Eroberung Nordafrikas wurde Europa vom Goldnachschub mittels byzantinischer Solidi abgeschnitten. Dies zeigt sich am Rückgang von Goldmünzen und dem Siegeszug des Silbers in der Münzprägung. Doch seit den 1480er Jahren fuhren immer mehr portugiesische Handelsschiffe nach Guinea, um das begehrte Edelmetall einzuhandeln. Von Portugal aus floss das afrikanische Gold nach Europa. Eine zentrale Rolle beim englischen Goldimport dürfte Flandern gespielt haben. Die reichen Tuchproduzenten in den Metropolen Brügge, Gent und Antwerpen waren die Hauptabnehmer des wichtigsten britischen Exportartikels: der Wolle.

Im Garten findet man erst seit kurzem die neu gezüchteten Tudor-Rosen. Foto: KW
Welche Botschaft vermittelten die Sovereigns an die damit Beschenkten?
Obwohl Heinrich VII. in der Schlacht von Boswell seinen Rivalen Richard III. besiegt hatte, war es nicht selbstverständlich, dass damit der englische Bürgerkrieg endete. Denn Heinrich hatte gemäß mittelalterlichem Erbrecht wesentlich weniger Anspruch auf den englischen Thron als zum Beispiel sein Rivale Edward Plantagenet. Sein einziger Trumpf war die Heirat mit Elizabeth von York, einer direkten Nachfahrin Edwards IV. Ihr gemeinsamer Sohn, der am 20. September 1486 geborene Arthur, war damit der legale Erbe der englischen Krone.
Heinrich musste alle Welt davon überzeugen, dass auch seine Herrschaft legitim war. Dies gelang ihm durch eine fein abgestimmte Propaganda, in der seinen neuen Goldmünzen eine entscheidende Rolle zukam.
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