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World Money Fair: Zum 20. Mal in Berlin

Und wieder fand vom 29. bis zum 31. Januar 2026 die World Money Fair statt – mit noch mehr Platz für Händler und Sammler, mit noch mehr Besuchern, und mit einem riesigen Elefanten im Raum: dem steigenden Goldpreis und dem Silber-Crash. Wie wirkte sich das auf die Geschäfte aus?

von Ursula Kampmann

Inhalt

Sammler, die am 29. Januar 2026 Punkt 10.00 Uhr in die Messehalle eilen wollten, mussten starke Nerven haben, denn das große Foyer war gerammelt voll. Geschätzt rund 2.000 Personen – gefühlt noch wesentlich mehr – stürmten unmittelbar nach Öffnung die Veranstaltung. Ihr gemeinsames Ziel: sich so schnell wie möglich Gold, Silber und die angekündigten Münzstätten-Raritäten zu sichern.

Die World Money Fair wird eröffnet. Foto: UK

Die World Money Fair wird eröffnet. Foto: UK

Angefeuert wurde das übergroße Interesse von den massiv steigenden Gold- und Silberpreisen. Beim europäischen Handelsbeginn um 6.00 Uhr MEZ betrug der Goldpreis noch 5.088 $ / pro Unze, um 8.00 Uhr war er schon auf 5.125 $ geklettert, um für das LBMA Fixing einen gigantischen Sprung auf 5.501 $ zu machen. Um 18.00 Uhr kletterte der Goldpreis auf das Allzeithoch von 5.596 $. Silber bewegte sich parallel, aber nicht ganz so exorbitant. Es stieg am Donnerstag von 112 $ auf 122 $ um 18.00 Uhr.

Können Sie sich vorstellen, was das für die Münzhändler und Münzstätten bedeutete? Wer Münzen zum oder um den Goldpreis handelte, war gezwungen, stündlich die Preise zu ändern. Und das in allergrößter Hektik, denn große Mengen an Besuchern wollten kaufen, was sie nur kriegen konnten – immer unter Druck, ein anderer könne ihnen zuvorkommen. Innerhalb weniger Stunden war alles, was sich als Bullionmünze bezeichnen ließ, verkauft. Die meisten Händler hatten innert eines einzigen Tages ein besseres Geschäft gemacht, als sonst während der gesamten World Money Fair.

Und in den Sitzungssälen rauften sich die Großhändler die Haare, weil ihnen die Münzstätten keinen festen Preis auf ihre Produkte garantieren konnten und wollten.

Trotz der glänzenden Geschäfte war die Stimmung in der Community eher verhalten. Viele fürchteten bereits den Kurssturz, der ja dann am zweiten Tag der World Money Fair tatsächlich folgte. Zwischen 6.00 und 11.30 fiel der Goldpreis innert fünf Stunden um mehr als 500 $ (also um ein bisschen mehr als er am Vortag gestiegen war); Silber dagegen krachte um 33% ein, ein Crash wie er in dieser Dramatik nicht einmal durch das Ende der Gebrüder Hunt überboten wurde!

Nicht alle waren darüber traurig. „Jetzt können wir endlich wieder Gedenkmünzen zum Nominalpreis verkaufen,“ war der Kommentar, der dazu am deutschen Stand zu hören war. Und die meisten Händler atmeten auf, weil es sich leichter und nachhaltiger mit Münzen handeln lässt, wenn Gold- und Silberpreis sich langsam und berechenbar bewegen, wenn die Anleger, nicht die Spekulanten den Markt beherrschen.

Die Tower Mint und ihr großartiger Messestand. Foto: UK

Die Tower Mint und ihr großartiger Messestand. Foto: UK

Ehrengast Tower Mint und imposante Messestände

Etwas im Schatten des Goldpreises stand die Tower Mint, die 2026 ihr 50-Jahr-Jubiläum feiert und deshalb Ehrengast der World Money Fair war. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Ausstellung der Royal Mint im Tower of London. Während dort nur an die große Vergangenheit der national-britischen Münzprägung erinnert wird, ist die Tower Mint als einzige Münzstätte immer noch in London tätig. Dort prägt sie u. a. die Münzen für Gibraltar, die Isle of Man und die Falklandinseln.

Bemerkenswert ist dies vor allem, weil die Tower Mint damit zur ersten privaten Münzstätte wurde, die als Ehrengast der World Money Fair auftrat. Dies ist ein guter Hinweis darauf, wie sehr sich die Rolle der privaten Münzstätten auf dem Sammlermarkt verändert hat. Waren sie in den 1970er Jahren oft ein gut gehütetes Geheimnis, weil niemand zugeben wollte, dass die Gedenkmünzen aus Nigeria oder Niue nicht in den dortigen Staaten umliefen, sind sie heute integrativer Teil des Marktes. Sammler schätzen ihre Produkte, weil sie oft innovativer hinsichtlich Techniken und Motiven sind als es staatliche Münzstätten wagen dürfen. So ist es nicht überraschend, dass auch 2027 eine private Institution Ehrengast sein wird. Diesmal ist es keine Münzstätte, sondern CIT Coin Invest aus Liechtenstein. CIT ist ein Münzverleger, also ein vielfach preisgekröntes Unternehmen, das zusammen mit nationalen Zentralbanken und privaten Münzstätten spannende Münzprogramme umsetzt.

Die Tower Mint beherrschte die Convention Hall 1 durch ihren Stand: Ein enormer Turm bekrönte ihn und zog so alle Blicke auf sich. Das war nur eine von vielen fantasievollen Präsentationen. Zahlreiche Münzstätten investierten Ideen, Zeit und Geld in ihren Auftritt und boten den Besuchern ein professionell und liebevoll gestaltetes Ambiente. So viele grandiose Messestände haben wir auf der World Money Fair noch nicht gesehen. Sie waren so großartig, dass wir Ihnen einen eigenen Artikel widmen.

Numista geht auf Sammler zu - im wahrsten Sinne des Wortes. Foto: UK

Numista geht auf Sammler zu – im wahrsten Sinne des Wortes. Foto: UK

Keine Sammler-, sondern eine Publikumsmesse

Die Messestände, die auch für ein (noch) nicht sammelndes Publikum interessant waren, passten perfekt zum Konzept der World Money Fair. Sie sieht sich als eine Verbindung, die über die klassische Welt der Sammler hinausführt, um Menschen zu erreichen, die sich generell für Geld interessieren. Die World Money Fair will den Funken springen lassen, das Interesse entzünden und aus (noch) nicht Sammelnden begeisterte Münzenthusiasten machen.

Dafür gibt es verschiedene Ansätze, die weit über den seit vielen Jahrzehnten beliebten Münzenpass hinausgehen. Anfänger können sich zum Beispiel über die so genannte Live Stage inspirieren lassen. Sie können im Minting Experience Center mit modernsten Maschinen selbst eine World Money Fair-Medaille prägen – und was dafür alles notwendig ist, übertrifft bei weitem die auf vielen Stadtfesten üblichen Prägungen mit der Spindelpresse.

Ein ganzes Team bringt mit modernen Social Media Posts die Inhalte der World Money Fair an ein jüngeres Publikum, das sich mit Begeisterung auf die streng limitierten Sonderausgaben der Münzstätten stürzt. Einige von ihnen werden ausschließlich an der World Money Fair angeboten. Rühmenswert ist, dass es die Organisatoren endlich geschafft haben, den Hauptansturm vom ersten Tag auf alle drei Tage zu verteilen. Das die Sonderausgaben in mehrere Kontingente verteilt an allen drei Tagen verkauft werden.

Eine Parforcejagd durch die numismatische Welt

Die World Money Fair ist nicht nur hinsichtlich ihres Konzepts einzigartig. Ganz gleich, wer zum ersten Mal dort ist, er oder sie wird verblüfft sein von der Internationalität der Besucher und Teilnehmer. Alte Hasen (und natürlich auch Häsinnen) wissen und nutzen das. Sie bereiten sich auf eine Art numismatisches Speed Dating vor. Schon Wochen vor der Veranstaltung werden Termine im Stunden- resp. Halbstundentakt abgesprochen, um wirklich all diejenigen zu treffen, die man treffen möchte. Dafür reisen die professionellen Teilnehmer bereits am Montag an, um ab Dienstag ihre vielen Termine abzuarbeiten. Schließlich bietet keine andere Veranstaltung die Möglichkeit, auch nur annähernd so viele Menschen aus derart verschiedenen Bereichen an einem Ort versammelt zu sehen.

Schülerinnen der Scuola dell'Arte della Medaglia zeigen, was sie können. Foto: UK

Schülerinnen der Scuola dell’Arte della Medaglia zeigen, was sie können. Foto: UK

Ein klares Bekenntnis zur menschlichen Kreativität

Jedes Jahr kommen – um nur ein Beispiel zu nennen – mehr und mehr die Münzdesigner und Designerinnen zur World Money Fair. Sie gewinnen so einen Überblick über potentielle Kunden und können sich ihnen ohne großen Aufwand mit ihren Entwürfen präsentieren.

Diese Vernetzung ist wichtig. Denn auch wenn für einige Billigprodukte bereits Designs genutzt werden, die innert Sekunden von einer künstlichen Intelligenz kreiert wurden, stemmen sich die Münzstätten – und zwar staatliche und private! – diesem Trend entgegen. Sie sehen den Künstler als Zentrum und Ursprung jedes numismatischen Kleinkunstwerks!

Doch Medailleure werden nicht geboren, sie müssen dieses anspruchsvolle Handwerk erlernen. Zu welcher Meisterschaft sie es dann bringen können, demonstrierten am Stand der italienischen Münzstätte die Vertreterinnen vom SAM – der Scuola dell’Arte della Medaglia. Sie zeichneten, modellierten in Wachs und gravierten – für jeden, der die klassische Numismatik liebt, ein wunderbares Zeugnis dafür, dass dieses anspruchsvolle Können weiterlebt!

Die World Money Fair in nur einen Artikel zu pressen, muss Stückwerk bleiben. Sie ist dafür zu vielseitig und damit einzigartig – und das in vielen Hinsichten. Sollten Sie die World Money Fair also noch nicht kennen, dann gönnen Sie sich einen Besuch. Es könnte sein, dass es Ihnen wie mir geht: Ich bin kein Fan von Berlin. Ich kann das Estrel Hotel, wo die World Money Fair stattfindet, genauso wenig leiden wie seinen Standort in Neuköln. Jedes Jahr fürchte ich, dass irgendein Streik oder der Winter An- oder Abreise unmöglich machen. Und trotzdem werde ich keine World Money Fair versäumen. Die nächste World Money Fair vom 28. bis zum 30. Januar 2027 ist bereits jetzt in meinem Kalender eingetragen.

Hier kommen Sie zur Website der World Money Fair.

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