Schätzpreis: 2.200 EURGROSSBRITANNIEN.
Penny, ND (1016-23).
Münzstätte Cricklade. Cnut.
NGC MS-64.
17002
Schätzpreis: 15.000 EURDÄNEMARK.
4 Taler Klippe, 1604.
Münzstätte Kopenhagen. Christian IV.
NGC AU Details.
17046
Schätzpreis: 600.000 EURNORWEGEN.
10 Dukaten (Portugaloser),
ND (1661). Münzstätte Christiania. Frederik III.
NGC AU Details.
18103
Schätzpreis: 10.000 EURSCHWEDEN.
Wolgast. 4 Taler, 1633.
Münzstätte Wolgast. Gustav II Adolf.
NGC AU-58.
18172
Schätzpreis: 20.000 EURDEUTSCHLAND
Sachsen. Gold Medaille /
10 Dukaten, 1635. Johann Georg I.
NGC MS-62.
18212
Schätzpreis: 18.000 EURFRANKREICH.
Kunstausstellung Gold Medaille,
1881. Société des Artistes Français.
NGC MS-61.
18255
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Kind seiner Zeit: Zum Tod von Anton „Toni“ Tkalec (1948-2026)

Anfang Februar starb Anton Tkalec in Wien. Zu seiner Zeit war er skandalumwittert, obwohl man ihm nie nachweisen konnte, welche Rolle er tatsächlich in der Seuso-Affäre spielte. Seine Freunde kannten ihn als herzlichen und großzügigen Menschen. Wer war Anton Tkalec?

von Ursula Kampmann

Inhalt

Anton

Anton „Toni“ Tkalec auf einer Fotographie aus dem Jahr 1990. Foto: Italo Vecchi

Ich möchte es gleich zu Beginn sagen: Menschen wie Toni Tkalec haben in meinen Augen dafür gesorgt, dass die Debatte um den Kulturgutschutz derart emotional geführt wurde. Ich denke, dass Menschen wie er zu ihrer Zeit die noch weitgehend fehlenden gesetzlichen Regulierungen des internationalen Handels mit Münzen und antiken Kulturgütern zu ihren Gunsten nutzten. Sie haben nach einer heute überholten Moral gelebt und damit viel Geld verdient. Ihr Verhalten stieß auf breite Zustimmung: In den 1980er und 1990er Jahren war die Auffassung weit verbreitet, dass ein Staat nicht nur das Recht auf seine Kulturschätze habe, sondern auch die Pflicht, sie zu schützen. Jeder sah, dass die Mittelmeerländer daran scheiterten. Deshalb freuten sich viele an der Numismatik Interessierte, wenn es eine Münze aus dem Land schaffte, in dem sie gefunden worden war. In Händler- und Sammlerhand war sie außer Gefahr, eingeschmolzen zu werden. Sie wurde publiziert und stand damit der freien Forschung zur Verfügung.

Ob diese Weltanschauung verwerflich oder verständlich ist, muss heute jeder für sich selbst entscheiden.

Eine Herkunft mit vielen Fragezeichen

Viel wissen wir nicht über die Herkunft und Jugend von Toni Tkalec. Er wurde am 29. Februar des Jahres 1948 in Belgrad geboren. Seine Eltern? Nun, er selbst erzählte mir, seine Mutter sei eine begnadete Opernsängerin gewesen, sein Vater ein Ingenieur. Bei anderen Gelegenheiten hörte ich, seine Mutter habe ihm, Toni, ein Ingenieursstudium finanziert. Es gab unterschiedliche Versionen, die er mir immer wieder anders erzählte. Und er war ein begnadeter Geschichtenerzähler, der sein eigenes Leben gern mystifizierte. Was davon stimmt, ist wahrscheinlich nicht einmal wichtig. Toni hätte Spaß an der Verwirrung.

Als kleiner Münzhändler in Wien

Realer wird es in den späten 1970er Jahren. Damals lebte Toni Tkalec in Wien, und ich könnte mir vorstellen, dass er wie viele andere als kleiner Westentaschenhändler gearbeitet hat. So nannte der Münzhandel diejenigen, die davon lebten, Münzen in der einen Münzhandlung zu kaufen, um sie in einer anderen teurer zu verkaufen. Außerdem war Toni ein begnadeter Münzrestaurator. Grading gab es noch nicht, und die Sammler mochten sorgfältig gereinigte Bronzemünzen.

Toni erzählte mir später gerne, wie er in seinen jungen Jahren auch nach Zürich reiste. Und jedes Mal empörte er sich darüber, wie arrogant ihn die etablierten Münzhändler dort abwimmelten. Ich glaube, er wollte sich Zeit seines Lebens für diese Behandlung rächen, indem er, der „kleine Serbe“, nicht nach ihren Regeln spielte und das ganz große Rad drehte.

Wie war das nun mit dem Schatz des Seuso?

Irgendwann vor 1985 schaffte Toni Tkalec den Sprung in die erste Liga des Münzhandels. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die Affäre um den Schatz von Seuso dabei eine entscheidende Rolle spielte. Heute sehen viele Journalisten und Aktivisten Toni Tkalec als das erste Glied in der Kette der Händler und Spekulanten, die mit dem Hort des Seuso ein Geschäft machten. Er soll derjenige gewesen sein, der das beeindruckende Silberservice in den Handel einspeiste.

Dabei war es eigentlich ein libanesischer Antikenhändler namens Halim Korban, Inhaber eines Ladengeschäfts im edlen Wiener Hilton Hotel, der die ersten Stücke nach London brachte. Dort waren sie in der Mansour Galerie nahe dem Oxford Circus ausgestellt.

Viele dürften damals überlegt haben, welch gutes Geschäft sich mit diesen Silberplatten machen ließe! Vergessen Sie nicht: Wir befinden uns im Jahr 1980 auf dem Gipfel der Inflation. Die jährliche Inflationsrate erreicht in Großbritannien fast 18%. Wer Bargeld hat, grübelt, wie er es in Sicherheit bringen kann. Pfiffige Spekulanten wittern große Gewinne und nehmen Schulden auf. Sie kaufen von geliehenem Geld Kunstgegenstände, um sie später mit großem Gewinn wieder zu verkaufen. Einer von ihnen ist der britische Peer, Politiker und Freimaurer Spencer Douglas David Compton, 7. Marquess of Northampton (geschätztes Vermögen im Jahr 2017 laut Wikipedia 110 Mio. Pfund).

Peter Wilson, damals eine Institution des britischen Kunstmarktes, soll ihm den Ankauf der ersten drei Platten aus dem Schatz des Seuso für umgerechnet 798.000 Pfund (= 4,8 Mio. DM / 4,4 Mio. CHF / 1,7 Mio. USD) schmackhaft gemacht haben. Zur Einordnung dieser Summe: In München hätte man zu Beginn der 1980er Jahre dafür mindestens 12 Reihenhäuser von ca. 120 Quadratmetern Wohnfläche in guter Lage kaufen können. Im September bzw. Dezember 1981 wechselten weitere Platten für 180.000 resp. 525.000 Pfund den Besitzer. 1987 fand die letzte Transaktion von vier Silberplatten für insgesamt 8,7 Mio. USD statt.

Hatte Toni Tkalec eine Verbindung zum Schatz des Seuso?

Die Verbindung des Schatzes des Seuso zu Toni Tkalec wollen Journalisten aus Erzählungen von Northampton schließen. So soll dieser berichtet haben, dass Korban ihm im April 1987 Toni Tkalec als Kollegen vorgestellt habe. Wir zitieren David d’Arcys Artikel, Shadow of the Sevso Treasure (in Übersetzung): „Northampton sagt, er wurde argwöhnisch, als er aufgefordert wurde, Tkalec für zwei Silbergriffe eines Krugs zu bezahlen, den er von Korban gekauft hatte. (Korban und Tkalec geben an, Tkalec habe Northampton getroffen, bevor die letzten vier Objekte gekauft wurden.) Dann war Northampton kurz davor, zwei Millionen Dollar für eine riesige silberne Platte mit einem Chi-Rho in der Mitte zu zahlen, den Tkalec auch angeboten hatte. Northampton sagte, Tkalec habe ihm versichert, dass beim Kauf des Tellers acht weitere Objekte verfügbar wären. Bald jedoch wurde Northampton noch misstrauischer, als er Korban und Tkalec über die Preise streiten sah, die die Investoren für die verschiedenen Teile des Schatzes bezahlt hatten. Laut Northampton erkannte er bald, dass Korban als Agent für Tkalec fungiert hatte, der die eigentliche Quelle des Silbers war. Tkalec behauptete, er sei Vermittler für einen libanesischen Verkäufer namens Fouad Aloof gewesen.“

Der Schatz kommt nach Ungarn

Was dann mit dem Schatz des Seuso geschah, ist eine andere Geschichte. Nicht weniger als drei Nationen, der Libanon, Kroatien und Ungarn, konkurrierten um seine Rückgabe. Viele Journalisten und Aktivisten versuchten, das Geschehen zu rekonstruieren, ohne dabei zu identischen Ergebnissen zu kommen. Es war Ungarn, das dem Schmuggel auch noch einen Mordvorwurf hinzufügte. Dort behauptete man, der zunächst als Selbstmord deklarierte Tod eines mit Münzen und Antiken handelnden Soldaten im Dezember 1980 sei eigentlich ein Mord gewesen, ja, sogar seine drei Kameraden seien Opfer eines Mordes. Es ist bei der Behauptung geblieben, ein Beweis für diesen schweren Vorwurf wurde nie erbracht.

1500 Jahre Münzprägekunst

Ob es der Erlös aus dem Schatz des Seuso war oder ob Toni Tkalec einen anderen Geldgeber gefunden hat, mag jeder für sich selbst entscheiden. Tatsache ist, dass er sich seit 1984 als Spezialist für wertvolle antike Münzen in Zürich etablierte. Wenn es ein Stück in eine Tkalec-Auktion schaffte, gehörte es zu den schönsten, die ein Sammler überhaupt erwerben konnte. Erst zusammen mit der österreichischen Münzhandlung Rauch, ab 1991 im Alleingang führte die Anton Tkalec AG Auktionen der Sonderklasse durch, und das nicht nur was die Qualität der Ware betraf.

Toni Tkalec hatte eine unendliche Freude daran, mit seinem Reichtum andere Menschen zu beeindrucken. Er unterhielt am noblen Limmatquai ein riesiges Büro, das den größten Teil des Jahres leer stand. Nur wenn die Auktionsvorbereitungen begannen, füllte es sich mit Leben. Dann empfing Toni seine Gäste, setzte ihnen Champagner und Schinkenbrote vor, unterhielt sie mit Geschichten aus seinem Leben, während er eine Zigarette an der anderen anzündete.

Toni konnte unendlich großzügig sein, und zwar nicht nur während seiner legendären Auktionsbanketts im edlen Zunfthaus zum Kämbel. Vor allem gegenüber kleineren Münzhändlern mit schmalem Budget erwies er sich als Förderer. Die etablierten Händler dagegen liebte er zu brüskieren. Es machte ihm Spaß, hat er mir einmal anvertraut, in Jeans, Sweatshirt oder gar Jogginganzug dort aufzutauchen, wo man sich damals nur mit Anzug und Krawatte zeigte.

Toni war kein netter Mensch. Ich habe selbst erlebt, wie er es genoss, Männern, die er nicht mochte, allein mit seiner physischen Präsenz Angst einzuflößen. Doch wer seine Sympathie gewann, den behandelte er fürsorglich und zuvorkommend. Er hatte gerne Gäste in seiner Villa im griechischen Neos Marmaras und bewirtete sie, bis sich die Tische bogen.

Das Ende einer Ära

Warum Toni Tkalec auf einmal nach seiner letzten Auktion im November 2014 mitsamt seinem Auktionshaus verschwand? Wir werden es nie wissen. Vielleicht war es das Inkrafttreten des Schweizer Kulturgüterschutzgesetzes im Juni 2014, das gerade Auktionatoren von antiken Münzen sehr hohe Sorgfaltspflichten auferlegte. Oder war es seine hässliche Scheidung, die ihn, wie er mir erzählte, eines Großteils seines Vermögens beraubte? Viel Geld dürfte Toni auch verloren haben, weil er versuchte, eine Konkurrenzplattform zu Sixbid aufzubauen, wozu ihm aber letztendlich das technische Fachwissen fehlte. Ich höre ihn jetzt noch, wie er einem Englisch radebrechenden Programmierer zu erklären versucht, wie seine Website funktionieren sollte.

Irgendwann war Toni aus Zürich verschwunden. Als ich ihn einmal zufällig in München traf, erzählte er mir, er lebe mit einer neuen Freundin in Neos Marmaras. Dann sah man ihn überhaupt nicht mehr.

Nur wenige, enge Freunde dürften gewusst haben, dass er sich wieder nach Wien zurückgezogen hatte. Eine Journalistin spürte ihn dort auf. Schon wieder eine, die die Wahrheit über den Schatz des Seuso herausfinden wollte. Sie soll noch in der Woche seines Todes versucht haben, ihn dazu zu bewegen, ihr die Türe zu öffnen. Er hat es nicht getan. Was immer ihn mit dem Schatz des Seuso verband, wir werden es nie wissen. Er hat sein Geheimnis mit ins Grab genommen.

Übrigens: Sie können sich selbst den Schatz des Seuso ansehen

2014 brüstete sich der ungarische Ministerpräsident Victor Orbán, sieben Teile des Schatzfundes nach Budapest zurückgebracht zu haben. Sie wurden bis Ende August 2017 im Budapester Parlament ausgestellt. Heute widmet sich ein Forschungsprojekt der Auswertung. Der Schatzfund selbst kann im ungarischen Nationalmuseum besichtigt werden.

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