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John Richard Melville-Jones (27. August 1933 – 28. Januar 2026)

John Richard Melville-Jones lebte im australischen Perth. Trotzdem gibt es wenige Historiker und Numismatiker, die vergleichbar gut vernetzt waren wie er. Anfang des Jahres ist er in seinem 92. Lebensjahr verstorben. Sven Günther erinnert an ihn.

von Sven Günther (Changchun)

Inhalt

Mit dem Tod von John Richard Melville-Jones verliert die Welt einen der rundum gebildeten und stets über den eigenen Tellerrand hinaus neugierigen Numismatiker. Nach seinem Studium der klassischen Altertumswissenschaften in Cambridge zog es in nach Australien, wo er 1957 an der University of Western Australia in Perth landete, der er zeitlebens in verschiedenen Karrierestufen treu blieb.

Grundlegende Werke

Den griechisch-römischen Münzbegeisterten in aller Welt ist er ein Begriff durch grundlegende Werke wie etwa A Dictionary of Ancient Greek Coins (1986), A Dictionary of Ancient Roman Coins (1990), Testimonia numaria. Greek and Latin Texts Concerning Ancient Greek Coinage, 2 Bde. (1993; 2007) und zuletzt Testimonia Numaria Romana. Greek and Latin Texts Concerning Roman Coinage (2023). In diesen spiegelt sich sein Interesse an der Verankerung der griechisch-römischen Münzprägung in der antiken Literatur und Lebenswelt, ein Aspekt, der ihn beständig antrieb, die numismatischen wie nichtnumismatischen Zeugnisse in ihrer Tiefe zu verstehen. In späteren Jahren forschte er intensiv auch in der venetianischen und byzantinischen Geschichte.

Vernetzt in der internationalen Welt

Diese und zahlreiche weitere Veröffentlichungen konturieren jedoch nur ansatzweise die Person Melville-Jones. Als ich, gerade nach Changchun berufen, Anfang 2016 zum ersten Mal beim Kongress der Australasian Society for Classical Studies (ASCS) in Melbourne teilnahm, kamen wir beim Eröffnungsempfang ins Gespräch. Meine Vorstellung begleitete ich mit der Bemerkung, dass er wohl kaum mein Institute for the History of Ancient Civilizations (IHAC) im doch fernen China kenne, da es keinesfalls im Zentrum altertumswissenschaftlichen oder gar numismatischen Interesses stünde. Ich wurde eines besseren belehrt: Sofort blitzten seine Augen auf und er schilderte, wie er bei den dortigen Byzantinisten, meiner Kollegin Professorin Xu Jialing, vor einigen Jahren Vorträge gehalten habe. Aus diesem Gespräch erwuchs über die Jahre eine leider viel zu kurze Freundschaft. Wir tauschten uns über Fachliches per Email und einmal im Jahr beim ASCS-Kongress aus, erlebten anregende Teepausen und gesellige Abendessen, und ich hatte die Ehre, seine Rohfassung der Testimonia Numaria Romana kommentieren zu dürfen. Dem numismatischen Zentrum an meinem Institut sandte er seine zuletzt die gesammelten Bände des Numismatic Chronicle zu, um unseren Buchbestand zu erweitern. Das über seine Universität abrufbare Tonzeugnis als Zeitzeuge, das ich höre, während ich diese Zeilen schreibe, macht beispielhaft deutlich, was wir an Melville-Jones hatten: eine einnehmende, stets zugängliche und mit feinem Humor ausgestattete Persönlichkeit. Sit terra tibi levis!

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