Mehr Bilder vom Schatzfund von Wesseling
Seit einigen Wochen berichtet die deutsche Tagespresse, dass bei Wesseling der größte (hadrianische) Schatzfund Deutschlands entdeckt wurde. Wir haben nachgefragt und mehr Bilder erhalten. Hier erfahren Sie mehr, als in der Pressemeldung steht.
von Ursula Kampmann
Inhalt

Ein Blick auf den Hortfund von Wesseling, ganz oben eine Münze mit dem Porträt des Traian. Foto: Marcel Zanjani / LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland.
Ein Sondengänger entdeckte bei seiner Suche auf einem Acker bei Wesseling einige Silbermünzen. Dies ist nicht überraschend. Wesseling liegt südlich der Kölner Peripherie. Hier gab es einst ein Römerlager oder ein Landgut – ob das eine oder das andere, ist wegen fehlender Funde nicht ganz geklärt. Sicher wissen wir, warum die Römer hier siedelten. Durch Wesseling führte die Straße, die eine römische Siedlung bei Euskirchen-Billig mit der wichtigen Hauptstraße zwischen Köln und Bonn verband. Weitere Funde waren also zu vermuten.

Ein weiterer Blick auf den Hortfund von Wesseling, ganz oben eine Münze mit dem Porträt der Domitilla, Schwester von Domitian. Foto: Marcel Zanjani / LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland.
Zusammenarbeit zwischen Sondengänger und dem Amt für Bodendenkmalpflege
Oliver Riedl, der Sondengänger, der den Schatzfund entdeckte, hatte nicht nur die Erlaubnis der Grundstückseigentümer, sondern auch eine offizielle Bewilligung zur Suche mit dem Detektor in der Tasche. Solche Lizenzen erteilt das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Man bekommt so eine Genehmigung nur dann, wenn der potentielle Sondengänger einen einwandfreien Leumund hat und eine Schulung absolviert hat. Denn alle Bodenfunde sind in Nordrhein-Westfalen automatisch Eigentum des Landes, und die Bodendenkmalpflege möchte sicherstellen, dass bei ihrer Bergung alles optimal läuft.

Denar des Domitian. Foto: Marcel Zanjani / LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland.
Im Fall von Wesseling liefen Entdeckung und Bergung wie aus dem Lehrbuch. Denn als selbst nach 15 geborgenen Denaren die Metallsonde nicht aufhörte zu piepen, reagierte der Sondengänger umsichtig. „Für mich war klar, dass hier etwas Größeres im Boden liegt“, sagt Riedl. „Ich habe daher umgehend das Amt verständigt.“
Die zuständige Außenstelle in Nideggen begann sofort mit der Ausgrabung. So konnte – und dies ist eine Ausnahme bei der Bergung von Schatzfunden – der Hort von Wesseling mit modernsten archäologischen Methoden freigelegt werden. Er wurde nicht Stück für Stück ausgebuddelt, sondern in einem Block gehoben. So konnten ihn die Restauratoren in ihrer Werkstatt Schicht für Schicht zerlegen und dokumentieren.
So erfuhren sie mehr darüber, wie der Fund zusammenkam und gelagert wurde. Fragmente eines Keramiktopfes und Strohreste lassen Rahel Otte, wissenschaftliche Referentin bei der Bodendenkmalpflege, Folgendes schließen: „Wahrscheinlich sind die Münzen ursprünglich in einem mit Stroh ausgepolsterten Topf vergraben worden.“

Denar der Domitilla. Foto: Marcel Zanjani / LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland.
Die zeitliche Einordnung
Der Schatzfund enthält insgesamt 934 Denare. Das jüngste Stück stammt aus dem Jahr 124/5 n. Chr. und ist damit das, was die Archäologie einen terminus post quem nennt, also ein Datum, nach dem der Fund in die Erde gekommen sein muss. Das spricht dafür, dass er unter Kaiser Hadrian verborgen wurde, der von 117 bis 138 regierte.
Archäologie, Presse, KI und vorausschaubar falsche Ergebnisse
Für die Presse hat man den Münzfund mit einigen Superlativen aufgehübscht. Schließlich weiß jeder Pressereferent, dass die Tagespresse nur bei Rekorden reagiert. So erzählt man stolz, dass dieser Fund mit seinen 3,1 Kilogramm Silber der größte hadrianische Münzfund in Deutschland ist und weltweit der fünftgrößte aus dieser Epoche. Wie zu erwarten, haben viele meiner lieben Kollegen von der Tagespresse in ihren Titeln (manche sogar im ganzen Artikel) das Wort hadrianisch weggelassen. Das macht nun den Fund für die künstlichen Intelligenzen sofort zum „größten jemals ausgegrabenen Fund römischer Münzen“ in Deutschland, was sicher nicht stimmt. Ich erinnere mich daran, dass erst 2021 bei archäologischen Untersuchungen in Oberhausen / Augsburg ein Schatzfund von 5.600 römischen Denaren entdeckt wurde, mit seinen 15 Kilogramm rund das Fünffache des Fundes von Wesseling. Der Fund von Oberhausen gilt als der größte in Bayern gefundene römische Münzschatz, was mir verrät, dass es in Deutschland vielleicht noch größere geben könnte.
So viel zum Thema archäologische Pressearbeit und ihre Auswirkungen auf unsere Wahrnehmung der Realität. Das Beispiel sollte in Zukunft bei der Formulierung von Texten vorsichtiger machen und die Sensationsgier, Schlamperei und Dummheit manches Journalisten in Rechnung stellen.

Denar des Otho. Foto: Marcel Zanjani / LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland.
Was wissen wir sonst noch über den Fund?
Nun spielt für uns Münzbegeisterte die Größe des Fundes nicht die allein entscheidende Rolle. Viel spannender ist seine Zusammensetzung und wie er in der Erde aufbewahrt wurde. Seine Zusammensetzung weist wohl eher nicht auf einen militärischen Zusammenhang hin. In so einem Fall könnten wir einen größeren Anteil neu geprägter Münzen erwarten.

Denar des Titus. Foto: Marcel Zanjani / LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland.
Es wirkt vielmehr so, als habe eine wohlhabende Familie ihr über eine lange Zeit zusammengetragenes Privatvermögen der Sicherheit des Bodens anvertraut. Denn die Münzen zeigen, welche Nominale auf dem Markt genutzt wurden. Prachtvoll erhaltene, weil frisch geprägte Münzen des Hadrian stellen die Ausnahme, nicht die Regel dar – jedenfalls nach den derzeit bekannten Fotos zu schließen. Stattdessen dominieren zum Teil sehr schlecht erhaltene Münzen seiner Vorgänger.

Denar Caesars. Foto: Marcel Zanjani / LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland.
So waren die Denare der römischen Republik immer noch im Umlauf und wurden wegen ihres hohen Silbergehalts durchaus geschätzt. Die älteste Münze des Schatzes stammt aus dem Jahr 148 v. Chr.

Denar aus der Zeit der römischen Republik. Foto: Marcel Zanjani / LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland.
Einige dieser Denare sind derart schlecht erhalten, dass die Numismatiker im Bonner Landesmuseum durchaus ihre liebe Mühe hatten, sie zu bestimmen. Aber gerade Stücke wie das oben gezeigte, sind spannend, weil sie mit Punzen und Gegenstempeln etwas über ihren Umlauf verraten.

Ein letzter Blick auf den Fund mit einem besonders gut erhaltenen Denar des Domitian im Vordergrund. Foto: Marcel Zanjani / LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland.
Wo kann ich diese Münzen sehen?
Die Pressemeldung wurde anlässlich der erstmaligen Ausstellung des Münzschatzes im LVR-Landesmuseum Bonn publiziert. Der Schatzfund ist also aktuell dort zu sehen.

Militärkasse von Niederbiber mit 889 Antoninianen, vergraben um 260 n. Chr. Foto: KW.
Und wenn Sie schon mal vor Ort sind, verpassen Sie nicht die anderen Schatzfunde, die Sie in diesem bemerkenswerten Museum finden. In diesem Museum liegen zum Beispiel die drei Hortfunde von Niederbieber, die während der Zerstörung des Kastells durch die Franken in die Erde kamen.
Was ist der Schatzfund von Wesseling wert?
Wenn ein Archäologe vom Wert eines solchen Schatzfundes spricht, wird er immer die immense wissenschaftliche Bedeutung ins Zentrum rücken. Wenn ein Münzhändler eine solche Gruppe von Münzen bewertet, dann geht es um einen kommerziellen Wert. Um den zuverlässig zu errechnen, bräuchte man bessere und mehr Bilder.
Ich liefere also lediglich eine grobe Schätzung. Versuchsweise würde ich durchschnittlich 50 Euro pro Stück ansetzen. Das ist der Preis, den ein Münzhändler für vergleichbar erhaltene Münzen aus einer Sammlung zahlen könnte. Einen frischen Hortfund aus Nordrhein-Westfalen würde kein Münzhändler ankaufen, da alle Bodenfunde dem Land gehören und ihr Erwerb gesetzlich verboten ist.
Den Stückpreis habe ich deshalb so niedrig angesetzt, weil viele der frühen Denare keinerlei kommerziellen Wert besitzen. Damit läge der Gesamtpreis des Hortes bei ungefähr 46.700 Euro.
Hat der Finder des Schatzfunds von Wesseling eine Belohnung bekommen?
Der ehrliche Detektorgänger Oliver Riedl hat eine Belohnung für seinen Fund erhalten. Wir wissen nicht, wie hoch sie war. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass für Herrn Riedl die Vorstellung, einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung unserer Vergangenheit geleistet zu haben, wichtiger ist als das Geld.
























