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Boston bekommt ein Museum of American Finance

Das Museum of American Finance, Teil der Smithsonian Institution, eröffnete am 3. Juli 2026 sein neues Museum. Es beschäftigt sich mit Finanzen und präsentiert dabei seltenste historische Banknoten. Hier bekommen Sie einen Eindruck, was Sie in diesem Museum erwartet.

von Ursula Kampmann

Inhalt

Foyer des Museum of American Finance. Foto: MoAF

Foyer des Museum of American Finance. Foto: MoAF

Die Numismatik hat einen gewaltigen Vorteil: Sie ist integraler Teil eines Themas, das unsere Gesellschaft beherrscht: des Finanzsektors. Wann immer die Geschichte unseres Finanzsystems erzählt wird, um Menschen zu einem tieferen Verständnis der Gegenwart zu führen, ist die Numismatik ganz vorne dabei. So auch in der neuen Zweigstelle des Museum of American Finance, die am Commonwealth Pier des Bostoner Hafens am 3. Juli 2026 eröffnet wurde.

Ein Blick in die Ausstellung. Foto: MoAF

Ein Blick in die Ausstellung. Foto: MoAF

Das Mutterhaus

Verantwortlich für dieses Museum ist das Museum of American Finance, ein an die Smithsonian Institution angegliederte Organisation, die nicht mit der National Numismatic Collection verwechselt werden sollte, die ihrerseits im Smithsonian National Museum of American History beheimatet ist. Warum das wichtig ist? Ganz einfach: Während die National Numismatic Collection ihren Schwerpunkt auf die Geldgeschichte legt, zeigt das Museum of American Finance, wie das amerikanische Finanzsystem entstanden ist, das auf unsere Gegenwart so große Auswirkungen hat. Natürlich nutzen das Museum of American Finance und die National Numismatic Collection zum Teil ganz ähnliche Ausstellungsobjekte, aber das Vermittlungsziel ist ein anderes. Das Museum of American Finance will letztendlich jeden Bürger ermächtigen, sinnvolle Entscheidungen auf dem komplexen Finanzmarkt zu treffen. Da bis heute der Umgang mit Geld nicht in der Schule unterrichtet wird (warum eigentlich nicht?), ist dieses Museum eine zentrale Bildungseinrichtung.

Ein Blick in die Ausstellung. Foto: MoAF

Ein Blick in die Ausstellung. Foto: MoAF

Das neue Museum: Gedacht für Schüler und die Community

Genau das ist das Ziel, das das neue Museum of American Finance in Boston verfolgt. Es ist ein klein bisschen zu weit vom Zentrum entfernt, als dass Touristen dort zufällig vorbeischauen können. Aber man hat Hoffnung in die Zukunft. Das Commonwealth Pier, auf dem sich das neue Museum für 10 Jahre eingemietet hat, wird in den nächsten Jahren zu einem Ausflugsziel am Bostoner Hafen entwickelt, wo man essen gehen, Konzerte hören, Ausstellungen sehen und eben auch ein Museum besuchen kann.

So richtet sich das MoAF (so die Abkürzung für Museum of American Finance) nicht so sehr an Touristen, die natürlich auch diese kostenlose Einrichtung besuchen dürfen, sondern mehr an Schulkinder und die Einwohner, die hier nicht nur allgemeine Fakten zum Finanzwesen lernen, sondern auch etwas über die zentrale Rolle erfahren können, die ihre Heimat Massachusetts in der amerikanischen Finanzentwicklung spielte.

Finanzielle Bildung in sieben Stationen

Deshalb ist dieses Museum in sieben Stationen geteilt, in denen lokale Themen eine entscheidende Rolle spielen.

Ein Blick in die Ausstellung

Ein Blick in die Ausstellung „America in Circulation“. Foto: MoAF

America in Circulation: Die erste Station heißt „Amerika im Umlauf“ und dürfte für reisende Numismatiker und an Geldgeschichte Interessierte wohl die spannendste sein, selbst wenn dort keine Münzen, sondern amerikanische Banknoten zu sehen sind. Es handelt sich um eine interaktive Ausstellung mit wirklich interessanten und hochkarätigen Exponaten.

Ein Blick in die Ausstellung

Ein Blick in die Ausstellung „Alexander Hamilton Experience“. Foto: MoAF

Alexander Hamilton Experience: Danach beschäftigt sich die Ausstellung mit Alexander Hamilton, der heute noch auf der 10 Dollar Note zu sehen ist. Der hierzulande eher unbekannte amerikanische Politiker war einer der Gründungsväter und der erste Finanzminister des Landes, der als Theoretiker von Ökonomie und Geld das amerikanische Währungssystem nachhaltig prägte.

Objekte der Ausstellung

Objekte der Ausstellung „Alexander Hamilton Experience“. Foto: MoAF

Auch wenn Hamilton nicht lange in Boston lebte, war betrat er hier amerikanischen Boden, nachdem er aus seiner karibischen Heimat zum Studium nach New York reiste. Außerdem ist seine publizistische Verteidigung der Boston Tea Party in die Geschichte eingegangen.

Ein Blick in die Ausstellung

Ein Blick in die Ausstellung „A Financial Revolution“. Foto: MoAF

A Financial Revolution: Die nächste Station führt uns mitten hinein in die amerikanische Geschichte, als vor 250 Jahren nicht nur eine neue Nation, sondern auch ein neues, demokratisches Geldsystem entstand, das auf dem damals noch nicht allzu verbreiteten Dezimalsystem beruhte. Dadurch mussten Menschen, die ausschließlich Kleingeld verdienten, kein Aufgeld mehr zahlen, um dafür wertbeständige Münzen aus Edelmetall zu erhalten. Eine Revolution des Finanzwesens ist als Titel also keineswegs übertrieben!

Eine frühe Apple Aktie: Ein Objekt der Ausstellung

Eine frühe Apple Aktie: Ein Objekt der Ausstellung „Investing in US Financial History“. Foto: MoAF

Investing in US Financial History: Nun geht es um Boom und Bust, um gute Börsenjahre und verheerende Börsencrashs und um eine vernünftige Strategie, mit der man zwischen beidem navigieren kann.

Ein Blick in die Ausstellung

Ein Blick in die Ausstellung „Hub of Innovation“. Foto: MoAF

Hub of Innovation: Ein Zentrum der Innovation, das war Boston, das als wichtiger Hafen und Handelsplatz auf eine funktionierende Finanzierung angewiesen war. Hier stand seit 1652 eine Münzstätte, hier existierten bereits früh staatliches Papiergeld und öffentliche Anleihen. Hier wurden große Banken gegründet und die Finanzierung riesiger Infrastrukturprojekte vorbereitet. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts verlor Boston seine Vormachtstellung im Finanzwesen an New York. Dieser Teil der Ausstellung wird von MassMutual finanziert, einer in Massachusetts beheimateten, in den USA weit verbreiteten Versicherungsgesellschaft.

Frühe Bitcoin Miners: Ein Objekt der Ausstellung

Frühe Bitcoin Miners: Ein Objekt der Ausstellung „The Future of Finance“. Foto: MoAF

The Future of Finance: Keine Ausstellung kommt heute um die alles entscheidenden Frage herum, wie unser Finanzsystem in der Zukunft aussehen wird. Dass diese Zukunft nicht in düsteren Farben geschildert wird, garantiert der Sponsor Bitwise, dessen Geschäftsmodell es ist, Investitionen in modernste Krypto-Währungssysteme anzubieten.

Ein Blick in die Ausstellung

Ein Blick in die Ausstellung „Personal Finance“. Foto: MoAF

Personal Finance: Was all das für jeden einzelnen bedeutet, erklären die Fachleute vom Personal Finance Institute, einer NGO, die 2025 erst gegründet wurde, um Konsumenten kostenlose Bildung in Finanzfragen anzubieten.

Neuanfang in Boston

Mit seiner Ausstellung in Boston hat das MoAF endlich wieder eine physische Präsenz, nachdem es seine Dauerausstellung an der New Yorker Wallstreet – vermutlich aus finanziellen Gründen – 2018 aufgeben musste. Es nutzte für sein neues Museum neueste Technologie, so dass die Kids eine Menge lustiger Computerspiele finden werden, mit denen sie interaktiv lernen sollen. Für uns Ältere scheint es dennoch genug reale Objekte zu geben, so dass sich auch für uns ein Besuch dieses Museums lohnt.

Interessante Objekte aus dem Museum of American Finance

Frühes Papiergeld von 1775, herausgegeben auf dem Gebiet der heutigen USA. Foto: MoAF

Frühes Papiergeld von 1775, herausgegeben auf dem Gebiet der heutigen USA. Foto: MoAF

Frühes Papiergeld von 1775, herausgegeben auf dem Gebiet der heutigen USA. Foto: MoAF

Frühes Papiergeld von 1775, herausgegeben auf dem Gebiet der heutigen USA. Foto: MoAF

Frühes Papiergeld von 1779 der USA. Foto: MoAF

Frühes Papiergeld von 1779 der USA. Foto: MoAF

Frühes Papiergeld von 1777 der USA. Foto: MoAF

Frühes Papiergeld von 1777 der USA. Foto: MoAF

Anteil an der Beute, das die Fregatte Essex im Jahr 1814 erbeuten würde. Foto: MoAF

Anteil an der Beute, das die Fregatte Essex im Jahr 1814 erbeuten würde. Foto: MoAF

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