Reenactment als Mittel der numismatischen Bildung: Zum Tod von Patrick McBride
Am 2. Juni 2026 starb Patrick E. McBride. Wer je eine ANA besuchte, kannte ihn: Er machte Numismatik erlebbar: Seine Version von Ben Franklin brachte vielen Menschen Freude. Ein nachahmenswertes Beispiel zur numismatischen Wissensvermittlung!
von Ursula Kampmann
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Patrick E. McBride (1952-2026). Foto: Kolbe & Fanning
Mittlerweile ist Reenactment in der Gesellschaft angekommen. Jedes Schloss, jede Stadt verfügt über mehrere Guides, die sich in (mehr oder weniger authentische) historische Gewänder werfen und (mehr oder weniger wahre) Geschichten erzählen. Die Qualität ist dabei sehr unterschiedlich. Während so mancher begnadeter Schauspieler die Menschen zum Lachen und zum Weinen bringt mit Geschichten, die niemals stattgefunden haben und so gar nicht stattgefunden haben können, schwitzen Wissenschaftler im Originalkostüm, während ihr Vortrag staubtrocken bleibt. Nur selten gibt es Menschen, die beides miteinander vereinen: profundes Wissen und das natürliche Talent, in die Rolle einer historischen Persönlichkeit zu schlüpfen.

Patrick McBrides Website: Man konnte ihn für viele Events engagieren
Patrick E. McBride
Einer von ihnen war Patrick McBride (1952-2026), dem man seit 2018 auf jeder World’s Fair of Money und vielen anderen amerikanischen Münzbörsen begegnete. Die meisten kannten seinen Namen gar nicht. Für sie war er Benjamin Franklin. Wen interessierte da noch, dass die Person im Franklin-Kostüm ein begeisterter Numismatiker war?
Menschen wie Patrick waren und sind das Fundament jedes Münzvereins. Menschen wie ihn gibt es heute nur noch selten. Er investierte unendlich viele Stunden in die freiwillige Arbeit für verschiedenste numismatische Vereine und hat dafür immer wieder Ehrungen erfahren.
Auf die Idee, zur Verkörperung von Benjamin Franklin zu werden, brachte ihn ein Freund, Dennis Boggs, der selbst seit vielen Jahren Abraham Lincoln verkörpert. Patrick, dessen Gesichtszüge und Figur der von Franklin schon von Natur aus nicht unähnlich waren, ließ sich die spärlichen weißen Haare lang wachsen, setzte einen Dreispitz auf, schlüpfte in zeitgenössische Schuhe und einen langen Rock. In diesem Kostüm kannten ihn viele Münzbörsenbesucher.
Sie waren begeistert, wenn er begann, aus „seinem“ Leben zu erzählen. Patrick hatte alles gelesen, was er über Franklin in die Finger bekommen konnte. Er war kompetent und wusste natürlich auch alles über die Münzen, die zu Franklins Zeit kursierten. Ganz gleich, ob er mit kleinen Jungs, den Sicherheitsfachleute oder Vertretern der Medien wie mir sprach: Er hatte immer etwas zu erzählen und traf genau den Ton, der seinem Gegenüber angemessen war.
Nun wird Patrick nicht mehr an seinem Pult sitzen und auf Besucher warten. Er ist nach einem langen Kampf gegen den Krebs am 2. Juni 2026 verstorben. Er wird uns fehlen, denn Menschen wie er sind selten. Viel zu selten. Sein Beispiel könnte aber vielleicht andere inspirieren, seine Form der Wissensvermittlung weiterzuführen.
Eine sinnvolle Form der Wissensvermittlung
Warum setzen wir nicht auch auf europäischen Münzbörsen auf Reenactment? Es passt in unsere Zeit. Kein Newbie interessiert sich mehr für dröge Vorträge. Mittelaltermärkte quellen dagegen von Besuchern geradezu über. Die geben dann auch noch Geld aus für zweifelhafte „Goldtaler“. Warum schauen wir uns dort nicht etwas ab? Springen wir doch über den eigenen Schatten und lassen wir unser würdevolles Benehmen mal daheim im Schrank!
Es wäre so schön, wenn sich auch in anderen Ländern Männer und Frauen wie Patrick McBride fänden, die mit Leidenschaft in die Rollen von Friedrich dem Großen oder Maria Theresia schlüpfen. Geben wir doch jedem, der im historischen Kostüm erscheint, einen Händlerausweis, der ihn jederzeit zum Eintritt ermächtigt als kleine Ermutigung. Ich bin mir sicher, das würde den Spaßfaktor auf Münzbörsen nachhaltig erhöhen.







