Kumaragupta und das Nashorn
Während die Römer im Westen ums Überleben kämpften, entfaltete sich in Nordindien die Kultur der Gupta. Ihre Münzen stehen an Schönheit denen der Römer in Nichts nach, auch wenn uns ihre Symbolik unvertraut erscheint. Wir stellen einen Münztyp Kumaraguptas vor, den Nashorn-Töter.
von Ursula Kampmann
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Ein Indisches Panzernashorn im Zoo von Basel. Foto: KW
Als das Reich der Kushan irgendwann im 3. Jahrhundert n. Chr. zerfiel, füllten andere Völker diese Lücke. Zu ihnen gehörte die Herrscherdynastie der Gupta, die zwischen dem 3. und dem 6. Jahrhundert n. Chr. ganz Nordindien beherrschte.
Die Herrschaft der Gupta gilt als goldenes Zeitalter des klassischen Indiens. In dieser Epoche entstanden die großen Epen des Ramayana und des Mahabharata, nicht zu vergessen das Kama Sutra, das die Hippies der 1970er Jahre so faszinierte. Unter den Guptas blühte die Wissenschaft, besonders die Mathematik und die Astronomie. Die Wirtschaft prosperierte. Bezahlt wurde mit den Goldmünzen, auf denen meist der Herrscher auf der einen, eine Gottheit auf der anderen Seite dargestellt war.
Das Osnabrücker Auktionshaus Künker kann in seiner kommenden Versteigerung eine äußerst seltene Goldmünze des Kumaragupta anbieten, die in der Fachliteratur als „Rhinoceros-Slayer-Type“ bezeichnet wird.

Gupta in Indien. Kumaragupta, 414-455. Dinar vom Rhinoceros-Slayer-Type. Sehr selten. Fast vorzüglich. Taxe: 25.000 Euro. Aus Auktion Künker 438 (16. März 2026), Nr. 1076. Foto: B. Seifert / Lübke & Wiedemann
Was ist auf der Goldmünze des Kumaragupta zu sehen?
Die Vorderseite der Münze zeigt den Herrscher der Gupta, Kumaragupta. Wir sehen ihn hoch zu Ross, in der rechten Hand das Schwert, vor ihm ein Indisches Panzernashorn, dessen charakteristische Hautfalten und warzenartige Knubben stilisiert wiedergegeben sind. Das mächtige Tier wendet sich dem Angreifer zu. Die nicht vollständig auf dem Schrötling zu sehende Legende soll sich so übersetzen lassen: Ewig siegreich ist der Herrscher Kumaragupta, der durch das Schwert verteidigt wird vor dem Rhinozeros.
Auf der Rückseite sehen wir die Göttin Ganga, Tochter des Himavat und Schwester von Parvati. Einst floss sie mit ihren reichen Wassern als Milchstraße am Himmelszelt. Doch Bhagiratha holte sie mit Shivas Hilfe auf die Erde, wo sie in sieben heilige Ströme zerfloss. Der heiligste von ihnen ist der Ganges, der heute noch von vielen Indern als Inkarnation der Göttin verehrt wird.
Die Göttin Ganges steht auf einem Makara, einem mythischen Wasserwesen, in dessen Erscheinungsbild sich Elefant, Schildkröte, Fisch und Krokodil mischen. Sie hält in ihrer rechten Hand eine Lotosblüte. Hinter ihr steht eine kleine Dienerin, die einen Schirm über Ganga hält. Rechts von ihr sehen wir eine Schrift, die einen Titel des Königs wiedergibt. Er lässt sich wohl am besten als „erhabener [König] mit dem großen Schwert“ wiedergeben.
Wer war Kumaragupta?
Kumaragupta war der Sohn Chandraguptas II. Er übernahm kurz vor 415 v. Chr. die Herrschaft und übte sie bis 455 n. Chr. aus. Er gilt als Friedensfürst, unter dem sich die Kultur der Gupta voll entfalten konnte. Er wird heute besonders wegen seiner religiösen Toleranz gelobt, denn Kumaragupta förderte sowohl den Buddhismus und den Jainismus als auch die verschiedenen Kulte für unterschiedliche Gottheiten, die wir heute unter dem Begriff Hinduismus subsummieren.
Kumaragupta gilt als der große Organisator, der sein Reich in Provinzen unterteilte, die ein von ihm eingesetzter Gouverneur verwaltete. Die Provinzen wurden ihrerseits in Distrikte gegliedert. Unterste Verwaltungsinstanz waren weitgehend autonome Dörfer bzw. Städte, also ein sehr ähnliches System wie wir es aus der Blütezeit des römischen Reichs kennen.
Gegen Ende seiner Herrschaft erhob sich der Stamm der Pushyamitra, die ein Sohn Kumaraguptas namens Skandragupta besiegte. Der war eigentlich nicht als Thronfolger vorgesehen, nutzte seinen militärischen Erfolg aber dazu, seinen Bruder zu verdrängen.
Hat die Darstellung des Nashorns eine historische Bedeutung?
Wir besitzen keinerlei Informationen über irgendwelche militärischen Großtaten, die Kumaragupta vollbracht haben soll. Nichtsdestotrotz wurde versucht, den außergewöhnlichen Münztyp des Nashorn-Töters mit einem Feldzug Kumaraguptas nach Assam zu erklären. Dort soll das Indische Panzernashorn besonders häufig vorkommen. Ähnlich wurde von einem anderen Numismatiker der Münztyp des Tigertöters mit einem (anderweitig nicht nachgewiesenen) Feldzug ins Tal des Narmada erklärt, weil dort besonders viele Tiger gelebt haben sollen.
Dabei geht vergessen, dass antike Münzdarstellungen häufig keinen konkreten Bezug haben, sondern die Sieghaftigkeit des Herrschers im Allgemeinen zum Ausdruck bringen wollen. Kumaragupta ließ zahlreiche Münztypen prägen. Darauf ließ er sich unter anderem als Bogenschütze, als Schwertkämpfer und Reiter – auf Pferd und Elefant – darstellen. Er zeigte sich aber auch beim Töten von Tiger und Löwe. Das Töten eines Nashorns, das mindestens so gefährlich ist wie die großen Raubkatzen, passt bestens in dieses Programm. Auch wenn seine Vorfahren diesen Münztyp nicht benutzten, scheint es mehr als fraglich, ob Kumaragupta mit seinen Münztypen wirklich an einen konkreten Feldzug erinnern wollte.
Was ist eine Goldmünze des Kumaragupta wert?
Kumaragupta herrschte rund vier Jahrzehnte lang. Während seiner Regierungszeit wurden viele Münzen geprägt, und so haben sich auch viele Münzen erhalten. Deshalb kann man die häufigen Goldmünzen des Kumaragupta bereits für Beträge zwischen 800 und 2000 Euro kaufen.
Anders sieht das mit den seltenen Münztypen aus. Die teuersten Stücke bringen hier hohe fünfstellige Beträge. Nun scheint, wenn wir das Coin Archive konsultieren, in den vergangenen Jahrzehnten keine einzige Münze vom Rhinoceros-Slayer Type in einer Auktion angeboten worden zu sein. Das von Mike Markowitz in seinem Artikel über die Gupta zitierte Ergebnis lässt sich nicht verifizieren, da das von ihm genannte Stück nicht existiert. Das bei ihm abgebildete Beispiel stammt auch nicht aus einer Auktion, sondern von der Website The Coin Galleries.
Mit anderen Worten: Wir wissen nicht, was diese Münze bringen wird. Geschätzt ist sie aktuell mit 25.000 Euro. Sie kann aber auch leicht das Doppelte oder noch mehr erzielen.
Die Auktion Gadoury Noir vom 4. Oktober 2025 kann bei Sixbid angesehen werden.
Hier kommen Sie zu dem von uns vorgestellten Los.








