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Künker Berlin-Auktion: Der Trend zeigt nach Osten

Künker führte am 28. Januar 2026 seine 20. Berlin-Auktion durch. 9,5 Mio. Euro lautete das Ergebnis. Daran hatten die repräsentativen Goldmünzen erheblichen Anteil. Die Preise illustrieren aber auch, wie stark der osteuropäische Sammlermarkt ist. Wir zeigen 5 von 10 Münzen, die über 100.000 Euro brachten sowie die größten Überraschungen.

von Ursula Kampmann

Inhalt

694 Nummern wurden vom Auktionshaus Künker am 28. Januar 2026 in seiner 20. Berlin Auktion versteigert. Welches Niveau von Numismatik hier angeboten wurde, illustriert eine einfache Rechnung: Teilt man das Ergebnis von 9,5 Mio. durch 694 landet man bei weit über 13.500 Euro Durchschnittspreis pro Stück. Damit übertraf das Ergebnis die Schätzung durchschnittlich um 60%.

Kein Wunder also, dass die Veranstaltung bis 20.30 dauerte. Erfahrene Sammler wissen, die Dauer einer Auktion hängt mit der Zahl der Gebote zusammen. Lange Dauer = Viele Gebote = Hohe Ergebnisse.

Zwei Spezialsammlungen wurden im Rahmen der Künker Auktion 437 angeboten, und zwar ein beeindruckendes Ensemble von Münzen und Medaillen aus Brandenburg-Preußen sowie die Toppstücke der Sammlung des Kommerzialrats Dr. Herbert Wenzel mit Prägungen des Habsburgerreichs. Dazu kamen Raritäten aus der ganzen Welt. Und wie immer fragte sich vor der Auktion jeder, wohin im neuen Jahr das Publikumsinteresse tendiert. Schauen wir uns dafür einige hochpreisige Stücken an.

Nürnberg. 10 Dukaten 1630. Äußerst selten. Vorzüglich. Aus Auktion Künker 437 (28. Januar 2026), Nr. 198. Taxe: 50.000 Euro. Zuschlag: 140.000 Euro

Nürnberg. 10 Dukaten 1630. Äußerst selten. Vorzüglich. Aus Auktion Künker 437 (28. Januar 2026), Nr. 198. Taxe: 50.000 Euro. Zuschlag: 140.000 Euro

Altdeutschland bleibt erschwinglich, außer es handelt sich um schwere Goldmünzen

Gut, natürlich fühlt es sich nicht gerade erschwinglich an, wenn Ergebnisse im hohen vier- und fünfstelligen Bereich erzielt werden. Aber vergessen Sie bitte nicht, dass der größte Teil der Auktion sich auf Altdeutschland konzentrierte, dass Künker außerdem der Spezialist für Altdeutschland ist, und dass seine Berlin-Auktion die größten Raritäten des Jahres versammelt. Wenn man dies in Betracht zieht, dann ist es schon eine Aussage, dass „nur“ fünf altdeutsche Münzen die 100.000 Euro-Marke übersprangen und dass davon vier aus Gold waren. Der internationale Anlegermarkt hat bis jetzt nur die schweren deutschen Goldmünzen entdeckt. Löser und seltene Taler bleiben den Sammlern vorbehalten.

Schleswig-Holstein. 10 Dukaten 1711, Tönning. 2. Exemplar im Handel. NGC MS61. Gutes vorzüglich. Aus Auktion Künker 437 (28. Januar 2026), Nr. 306. Taxe: 50.000 Euro. Zuschlag: 125.000 Eur

Schleswig-Holstein. 10 Dukaten 1711, Tönning. 2. Exemplar im Handel. NGC MS61. Gutes vorzüglich. Aus Auktion Künker 437 (28. Januar 2026), Nr. 306. Taxe: 50.000 Euro. Zuschlag: 125.000 Eur

So übersprang mit Ausnahme eines überaus seltenen, historisch interessanten Lösers aus Braunschweig-Bevern zu 4 Reichstalern keine einzige altdeutsche Silbermünze die 100.000 Euro-Marke. Alle markanten Preisexplosionen betrafen Goldmünzen wie den herausragend erhaltenen 10-fachen Dukaten aus Schleswig Holstein, der seine Schätzung von 50.000 Euro mehr als verdoppelte.

Habsburger Reich. Dicker doppelter Reichstaler 1610, Prag. Äußerst selten. Sehr schön. Aus Auktion Künker 437 (28. Januar 2026), Nr. 352. Taxe: 7.500 Euro. Zuschlag: 95.000 Euro

Habsburger Reich. Dicker doppelter Reichstaler 1610, Prag. Äußerst selten. Sehr schön. Aus Auktion Künker 437 (28. Januar 2026), Nr. 352. Taxe: 7.500 Euro. Zuschlag: 95.000 Euro

Tschechien: Wo Grading nicht interessiert

Die Situation ändert sich radikal, sobald es in Richtung Osten geht. Die Preise, die aktuell für seltene Münzen der Habsburger aus der Münzstätte Prag gezahlt werden, sind exorbitant, so exorbitant, dass die Schätzungen zum Witz werden. Mit 95.000 Euro fast das 16-fache des Ausrufs von 6.000 Euro, realisierte ein dicker Doppeltaler des Jahres 1610 aus der Münzstätte Prag, der eigentlich allem widerspricht, was der amerikanische Investor sehen möchte. „Nur“ sehr schön, kein Grading, dazu winzige Randfehler, das Zentrum der Münze im Porträtbereich nicht sauber ausgeprägt: man muss schon ein Sammler sein, um zu wissen, wie unglaublich selten dieses Stück ist. Und der tschechische Sammlermarkt giert nach Seltenheiten.

Habsburger Reich. Dicker doppelter Reichstaler 1632, Kuttenberg. Sehr selten. Gutes sehr schön. Aus Auktion Künker 437 (28. Januar 2026), Nr. 364. Taxe: 5.000 Euro. Zuschlag 60.000 Euro

Habsburger Reich. Dicker doppelter Reichstaler 1632, Kuttenberg. Sehr selten. Gutes sehr schön. Aus Auktion Künker 437 (28. Januar 2026), Nr. 364. Taxe: 5.000 Euro. Zuschlag 60.000 Euro

Denn diese Münze war kein Ausreißer. Alles, was im ehemaligen Böhmen geprägt wurde, kletterte nach oben. Ein Dukat 1615 aus Prag brachte 44.000 Euro (statt 10.000 Euro), ein Reichstaler von 1630 mit dem eleganten Frontalporträt Ferdinands II. 60.000 Euro (statt 7.500 Euro).

Ähnliche Ergebnisse gab es für Münzen aus Kuttenberg oder Kutná Hora, wo einst eine große Silbermine das Material für die böhmischen Münzen lieferte. Ein dicker doppelter Reichstaler in gutem sehr schön mit deutlich sichtbaren Schrötlingsfehlern und kleinen Kratzern stieg vom Startpreis 4.000 Euro auf 60.000 Euro, ein Reichstaler von 1771 aus der gleichen Münzstätte von 8.000 auf 42.000 Euro.

Habsburger Reich. Dicker fünffacher Reichstaler 1651, Kremnitz. Äußerst selten. Sehr schön. Aus Auktion Künker 437 (28. Januar 2026), Nr. 373. Taxe: 30.000 Euro. Zuschlag: 140.000 Euro

Habsburger Reich. Dicker fünffacher Reichstaler 1651, Kremnitz. Äußerst selten. Sehr schön. Aus Auktion Künker 437 (28. Januar 2026), Nr. 373. Taxe: 30.000 Euro. Zuschlag: 140.000 Euro

Auch das heute in der Slowakei gelegene Kremnitz ist betroffen: ein dicker fünffacher Reichstaler aus dieser Münzstätte realisierte 140.000 Euro, wohl auch weil es nach Angaben von Herrn Werkner nur zwei weitere Exemplare gibt. Eines liegt heute im ungarischen Münzkabinett in Budapest; das zweite stammt aus der Sammlung Montenuovo und befindet sich auf dem freien Markt.

Habsburger Reich. 20 Dukaten ohne Jahr (nach 1666), Hall. Äußerst selten. Fast vorzüglich. Aus Auktion Künker 437 (28. Januar 2026), Nr. 376. Taxe: 200.000 Euro. Zuschlag: 200.000 Euro

Habsburger Reich. 20 Dukaten ohne Jahr (nach 1666), Hall. Äußerst selten. Fast vorzüglich. Aus Auktion Künker 437 (28. Januar 2026), Nr. 376. Taxe: 200.000 Euro. Zuschlag: 200.000 Euro

Das teuerste Stück der Sektion Habsburg war dann doch wieder aus Gold. Es handelte sich um einen 20-fachen Dukaten mit dem Porträt Leopolds I., der sich zur Schätzung von 200.000 Euro verkaufte.

Russland. Peter I. Dukat 1712, Moskau, Roter Münzhof. MS 61 (Top Pop). Vorzüglich. Aus Auktion Künker 437 (28. Januar 2026), Nr. 612. Taxe: 40.000 Euro. Zuschlag: 220.000 Euro

Russland. Peter I. Dukat 1712, Moskau, Roter Münzhof. MS 61 (Top Pop). Vorzüglich. Aus Auktion Künker 437 (28. Januar 2026), Nr. 612. Taxe: 40.000 Euro. Zuschlag: 220.000 Euro

Die teuerste Münze der Auktion kommt aus Russland

Für das teuerste Stück müssen wir noch ein bisschen weiter in den Osten gehen. Russische Münzen sind eben immer noch für Rekorde gut, auch wenn es sich nicht um schwere Goldmünzen oder -medaillen handelt, sondern um seltene Dukaten. Ein Dukat Peters des Großen aus dem Jahres 1712 erreichte mit einem Zuschlag von 220.000 Euro das höchste Ergebnis der Berlin-Auktion. Der Einlieferer darf sich freuen. Und wir wissen: Russische Münzen spielen weiterhin in einer eigenen Liga.

Eines aber möchte ich als eine Art Ceterum Censeo hinzufügen; Historische Münzen können, müssen aber nicht teuer sein. Münzen sammeln ist mit jedem Budget möglich!

Alle Fotos: Benjamin Seibt Lübke & Wiedemann.

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