Der Centén von 1609: Die teuerste europäische Münze
Am 24. November 2025 wurde in Genf ein neuer Rekord aufgestellt: Der 1609 geprägte Centén zu 100 Escudos im Gewicht von 340 Gramm Gold ist mit einem Zuschlag von 2,3 Mio. CHF die teuerste europäische Münze der Neuzeit. Mit Aufgeld entspricht das rund 3 Mio. Euro bzw. fast 3,5 Mio. US-Dollar.
von Ursula Kampmann
Inhalt
1609 befahl Philipp III. seiner Münzstätte in Segovia, eine neue Münze zu prägen, wie sie die Welt bis dahin noch nicht gesehen hatte: den Centén. 340 Gramm Gold sollte sie wiegen. Ihre Prägung machte erst die moderne Technologie der Walzenprägung möglich, wie sie Segovia beherrschte. 100 Stück gab Philipp III. von dieser Riesenmünze als diplomatische Geschenke in Auftrag. Nur eines davon blieb bis heute erhalten. Am 24. November 2025 wurde es in Genf vom Auktionshaus Numismatica Genevensis SA versteigert. Der Startpreis betrug 2 Mio. CHF. Der Zuschlag summierte sich auf 2,3 Mio. CHF. Das entspricht rund 3 Mio. Euro bzw. fast 3,5 Mio. US-Dollars inklusive Aufgeld. Damit ist diese Münze die teuerste europäische Münze der Neuzeit. Jedenfalls wenn wir Russland nicht zu Europa zählen, was aus vielen historisch-numismatischen Gründen Sinn macht.

Spanien. Philipp III., 1598-1621. 100 Escudos (= Centén) 1609, Segovia. NGC AU58 (Top Pop). Unikum. Exemplar der Sammlung Caballero de las Yndias. Startpreis: 2.000.000 CHF. Zuschlag: 2.300.000 CHF. Aus Auktion NGSA 22 (24. November 2025), Nr. 314. Foto: B. Seifert / Lübke & Wiedemann
Was ist auf dem Centén von 1609 zu sehen?
Die Vorderseite zeigt ein Wappen. Für uns heute eine ziemlich langweilige Darstellung, für die Zeitgenossen Selbstdarstellung pur. Wer ein Wappen zu lesen wusste, erkannte sofort, auf welche Gebiete sein Träger Anspruch erhob und wie viel Macht er besaß. Im des Centén resp. Philipps III. sind das folgende Gebiete: Kastilien, Leon, Aragon und die beiden Sizilien; Österreich, Burgund, Frankreich, Brabant, Portugal und Granada; dazu Flandern und Tirol. Natürlich wurden nicht all diese Gebiete von Philipp III. kontrolliert, aber als Habsburger war er eng mit ihnen verbunden. Das Wappen war ein Statement, ein Signal, das jeder Empfänger der Münze verstand.
Auf ihrer Rückseite ist ein ganz besonderes Kreuz zu sehen, das wir heute als Jerusalemkreuz kennen. Es wurde mit dem spanischen Ordén del Santo Sepulcro de Jérusalén in Verbindung gebracht. Philipp III. übte die Funktion seines Protektors aus und ließ genau zu der Zeit, als in Segovia der Centén geprägt wurde, einen prachtvollen Neubau der Ordenskirche in Calatayud errichten. Damit erinnerte das Kreuz diejenigen, denen Philipp III. einen Centén übergab, daran, dass der spanische König ein besonders enges Verhältnis zu Christus hatte und so die Gunst Gottes genoss. Uns mag das ein merkwürdiges Argument für einen Machtpolitiker scheinen. Für die Zeitgenossen war es das allerwichtigste. Wer in der Gunst Gottes stand, konnte auch in scheinbar aussichtslosen Lagen auf Rettung hoffen.

Porträt Philipps III. Ölgemälde von Bartolomé Gonzáles, 1621. Galería de las Colecciones Reales, Madrid. Foto: UK
Warum zeigt der Centén von 1609 nicht das Porträt Philipps III.?
Philipp III. hätte sich wie viele seiner Zeitgenossen entscheiden können, das eigene Porträt auf die Vorderseite seiner Münze zu setzen. Er tat dies nicht und hielt stattdessen an lang eingeführten Motiven fest, die bereits seine Vorfahren verwendet hatten. Philipp greift damit auf mittelalterliches Denken zurück: als Individuum verschwand er hinter seinem Amt. Das ist programmatisch zu verstehen. Der Centén spricht von der Macht des spanischen Königs, nicht von der Macht Philipps III., der zufällig gerade Spanien beherrscht.

Münzstätte Segovia. Foto: UK
Warum ließ Philipp III. 1609 die größten Münzen der spanischen Geschichte prägen?
Auch wenn es der Centén nicht erkennen lässt: Im Jahr 1609 befand sich Spanien auf einem historischen Tiefpunkt. Die wirtschaftliche Lage zwang den König, am 9. April 1609 einen Waffenstillstand mit den Vereinigten Niederlanden zu schließen. Das war epochal. Zum ersten Mal musste ein spanischer Herrscher offiziell anerkennen, dass die aufständischen niederländischen Provinzen einen neuen Staat darstellten, mit dem man Verträge schließen konnte. Damit gab Philipp III. auf, wofür sein Vater Philipp II. sein Land mehr oder weniger ruiniert hatte. Welche Demütigung!
Die versuchte Philipp III., durch machtvolle Aktionen an anderen Schauplätzen vergessen zu lassen. So unterzeichnete er am Tag des Friedensschlusses ein Edikt zur Vertreibung der Morisken. Diese Maßnahme zeugt allerdings nicht von einem besonders großen ökonomischen Verständnis des Königs. Die Pest hatte die Bevölkerung sowieso schon drastisch reduziert. Dem Land durch die Ausweisung weitere Arbeitskräfte zu entziehen, war schlichtweg dumm.
Auch der goldene Centén von 1609 ist keine wirtschaftliche Maßnahme, sondern diente lediglich der Angabe. Ein wirklich machtvolles Land muss seine Bedeutung nicht durch so augenfällige Symbole zur Geltung bringen. Die Fürsten, Adligen und Diplomaten, die von Philipp III. so einen Centén als Gabe erhielten, dürften ihm gegenüber seine Macht gepriesen haben, um ihre Realpolitik danach an dem auszurichten, was die neuen Machtverhältnisse ermöglichten.










