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Französische Fehl-Prägung: Das Münzen-Malheur der Monnaie de Paris

Von Sebastian Wieschowski

Die Monnaie de Paris ist für ihre Kunstfertigkeit und Präzision bei der Gestaltung und Herstellung von Umlauf- und Gedenkmünzen bekannt – und als die Franzosen bekannt gaben, dass die Kleinmünzen zu 10, 20 und 50 Eurocent im Jahr 2024 neugestaltet werden sollten, war die Spannung groß. Als dann noch zum Ende des Jahres 2023 ein Verkaufsprospekt der Monnaie de Paris frühzeitig einen Blick auf die neuen Münzen ermöglichte, stieg die Vorfreude umso mehr – denn Joaquin Jimenez, Chefgraveur der Monnaie de Paris, hatte offenkundig drei Kunstwerke für den Geldbeutel geschaffen: Simone Veil, Joséphine Baker und Marie Curie formatfüllend im Profil, umrahmt von den Europasternen vor einem schraffierten Hintergrund.

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Veto in letzter Minute: Die Europäische Kommission stoppte die Prägung von Kleinmünzen zu 10, 20 und 50 Cent wegen der Gestaltung der Europasterne auf den französischen Bildseiten. Foto: MDP

Veto in letzter Minute: Die Europäische Kommission stoppte die Prägung von Kleinmünzen zu 10, 20 und 50 Cent wegen der Gestaltung der Europasterne auf den französischen Bildseiten. Foto: Collage / Canva

Weniger als 48 Stunden vor der feierlichen Enthüllung der Münzen am 7. Dezember 2023 verschickte die Monnaie de Paris jedoch eilig eine Ausladung: „Aufgrund von Terminproblemen sind wir gezwungen, diese Veranstaltung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.“ Was unter „Terminprobleme“ zu verstehen war, konnte die numismatische Fachöffentlichkeit nur wenige Tage später in der Presse lesen – und diese Geschichte machte kurz darauf sogar in Boulevardmedien in Deutschland und Europa große Schlagzeilen: „Die Monnaie de Paris hat eine große Panne erlebt: Millionen von geprägten Münzen waren umsonst“, titelte die französische Zeitung „Le Point“.

Warum die Feier mit dem Finanzminister kurzfristig abgesagt wurde

Dem Bericht zufolge wurden 27 Millionen Münzen mit den neuen Designs geprägt, mussten jedoch wieder vernichtet werden, weil sie „letztendlich nicht von der Europäischen Kommission akzeptiert“ wurden. Allerdings lag der Fehler eher nicht bei den Brüsseler Bürokraten: Nach Angaben der Zeitung „La Lettre“, die den Skandal aufgedeckt hatte, wollte Marc Schwartz, der Generaldirektor der Monnaie de Paris, am 7. Dezember 2023 die neuen Münzen feierlich seinem Chef, Finanzminister Bruno Le Maire, vorstellen, als dieser den Hauptsitz der Monnaie de Paris am Quai de Conti besuchen wollte. „Die Arbeiter hatten also keine Mühen gescheut, um rechtzeitig den erforderlichen Bestand zu liefern. Vier Tage hintereinander, unermüdlich, um die Institution glänzen zu lassen“, beschreibt „Le Point“ den Aufwand. In anderen Medien war zu lesen, dass die Arbeiter der „Monnaie de Paris“ im Dreischicht-Betrieb eingesetzt worden seien, um die engen Produktionsfristen einzuhalten.

Die ersten Entwürfe der neuen Münzen zu 10, 20 und 50 Cent präsentierte die Monnaie de Paris in einem Kundenprospekt. Foto: MDP

Die ersten Entwürfe der neuen Münzen zu 10, 20 und 50 Cent präsentierte die Monnaie de Paris in einem Kundenprospekt. Foto: MDP

Ein kleines Detail mit großen Folgen

Bei seinem numismatischen Facelift hatte Marc Schwartz jedoch ein kleines Detail übersehen: Die Sterne, die auf der Bildseite der Münzen zu 10, 20 und 50 Cent eingearbeitet wurden, waren nach Einschätzung der Europäischen Kommission nicht deutlich genug sichtbar. Eigentlich hätten die Entwürfe frühzeitig nach Brüssel geschickt werden müssen, um die siebentägige regulatorische Frist der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen der Europäischen Kommission (ECFIN) zur Genehmigung der Einführung neuer Währungen nicht bis auf die letzte Minute auszureißen. Am 1. Dezember 2023, also nur wenige Tage vor der Vorstellung beim Minister, kam dann das Veto aus Brüssel.

Neben dem Image-Schaden für die französische Vorzeige-Münzprägestätte war auch ein finanzieller Schaden zu beklagen: Verschiedene französische Medien beziffern die Kosten für Prägung und Vernichtung sowie Produktion neuer Münzen auf 0,7 bis 1,2 Millionen Euro. Marc Schwartz, Generaldirektor der Monnaie de Paris, wies auf Anfrage von „La Lettre“ jegliche Verantwortung von sich. In einer Gegendarstellung der „Monnaie de Paris“ zur Berichterstattung von „La Lettre“ betont die Prägestätte, dass es sich um lediglich zwei Prozent der jährlichen Gesamtproduktion der Umlaufmünzen gehandelt habe.

Problem schnell gelöst ohne Mehrkosten für den französischen Steuerzahler?

Zudem sei der Zeitdruck mitnichten entstanden, um die feierliche Präsentation gegenüber dem Finanzminister um jeden Preis aufrecht zu erhalten: „Angesichts der unvermeidlichen Produktionsfristen musste die Monnaie de Paris jedoch die Produktion dieser Münzen vorzeitig starten, um ihre Verteilung Anfang 2024 wie angekündigt sicherzustellen. Dies sollte auch die Vermarktung von numismatischen Versionen im Dezember ermöglichen, die von Sammlern zu diesem Zeitpunkt immer erwartet werden“, heißt es in einer Stellungnahme der Monnaie de Paris. Das aufgetretene Problem sei „schnell“ gelöst worden, da die Monnaie de Paris nach eigenen Angaben innerhalb von weniger als 72 Stunden eine neue Version der Münze vorschlagen konnte, deren Design anschließend von der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten genehmigt wurde. Zudem seien keine Zusatzkosten angefallen, weil die Monnaie de Paris stets kostendeckend arbeite. Allerdings ist das letzte Wort noch nicht gesprochen: Finanzminister Le Maire hat eine Untersuchung und Aufarbeitung der Causa angekündigt.

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